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KOOPERATION MIT POLESTAR Es soll die Konkurrenz in den Schatten stellen: Das Elektro-Boot, das übers Wasser "schwebt"

Das Elektro-Boot Candela C-8 auf einem Gewässer
Das Elektro-Boot Candela C-8 hebt sich dank seines elektrischen Tragflügelsystems aus dem Wasser heraus
© Candela
Das Elektro-Boot Candela C-8 soll "das Fahrgefühl eines Rennwagens" bieten. Es nutzt die Technik eines Elektroautos und soll eine deutlich höhere Reichweite als konventionelle elektrische Schnellboote haben. Die C-8 soll die Konkurrenz in den Schatten stellen.

Das schwedische Unternehmen Candela möchte die Elektromobilität auf dem Wasser entscheidend vorantreiben. Mit der C-8 debütierte Anfang Januar auf der CES in Las Vegas ein Boot im Premiumbereich, das die Konkurrenz wohl als Kampfansage verstehen sollte. Zur Verstärkung hat sich das Unternehmen mit Polestar einen bekannten Elektroautobauer an die Seite geholt.

In der Candela C-8 ist nämlich der gleiche Akku (69 kWh) verbaut wie beim Elektroauto Polestar 2; die beiden Unternehmen haben im August 2022 eine Partnerschaft vereinbart und von Polestar kommen nun die Akkus sowie die Antriebstechnologie. Darüber hinaus liefert Polestar die Gleichstrom-Schnellladetechnik. Somit werde "die größte elektrische Reichweite mit den schnellsten Ladezeiten" kombiniert, heißt es.

Die geschätzte Reichweite beträgt 57 Seemeilen bei 22 Knoten, was eine Fahrzeit von mehr als zwei Stunden möglich machen soll. Bei der Fahrt mit der Höchstgeschwindigkeit von 27 Knoten soll eine zwei- bis dreifach höhere Reichweite als bei konventionellen elektrischen Schnellbooten erzielt werden können. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 20 Knoten liegt der Energieverbrauch pro Seemeile laut Herstellerangaben bei 0,8 kWh. Das soll die C-8 auch ihrem Rumpf zu verdanken haben, der zu 100 Prozent aus Kohlefaser besteht und so laut Hersteller das Gewicht erheblich reduziert. Überzeugen will Candela auch mit einem 55-kW-Elektromotor mit Direktantrieb, der 2000 Stunden keine Wartung benötigen soll. Er sei nicht nur der langlebigste Bootsmotor sondern auch der effizienteste, der je gebaut wurde. Der CO2-Ausstoß soll um 99 Prozent verringert werden.

"Mit der C-8 wollten wir das erste kompromisslose Elektroboot mit maximaler Reichweite und Geschwindigkeit bauen, aber wir haben eine neue und verbesserte Klasse von Booten geschaffen, die auch noch elektrisch ist", sagt Gustav Hasselskog, Gründer und CEO von Candela.

Elektrisches Tragflügelsystem hebt Boot aus dem Wasser

Durch den Einsatz eines Elektromotors entfallen die lauten Motorengeräusche. Aber auch das Knallen des 8,5 Meter langen Bootes auf die Wasseroberfläche, wozu es üblicherweise während der Fahrt kommt, soll der Vergangenheit angehören. Schließlich hebt sich die C-8 mithilfe von Tragflächen-Unterwasserflügeln aus dem Wasser heraus und "schwebt" (Foiling), statt sich seinen Weg durch die Wellen zu schlagen – eine weitere Besonderheit. Ein Vorteil dieser Fortbewegungsart soll zudem darin liegen, dass das Schnellboot im Vergleich zu herkömmlichen Motorbooten einen um bis zu 80 Prozent geringeren Energieverbrauch habe.

Die C-8 ist das erste serienmäßige Daycruiser-Boot, das mit dem elektrischen Tragflügelsystem von Candela ausgestattet ist. Vorarbeit dafür leistete die C-7. Die Vorgängerin wurde 2019 als erstes Serienmodell vorgestellt und insgesamt 32 Mal produziert. Danach habe ein 50-köpfiges Ingenieursteam von Candela zwei Jahre lang an der Perfektionierung des Tragflächensystems und der Software gearbeitet, um die C-8 in Großserie zu entwickeln, teilt der Hersteller mit.

Das Herzstück sei ein Bordcomputer, der anhand der Eingaben von Sensoren die Tragflächen des Bootes in Echtzeit anpasse, um es bei Wellen, Wind und unterschiedlichen Belastungen auszubalancieren. Die C-8 erkennt nach Herstellerangaben seine Position relativ zur Wasseroberfläche und passt sich entsprechend an. Zur Einfahrt in flache Häfen oder zum Trailern des Bootes (Transport) können die Tragflächen eingezogen werden. In dem Zustand hat es laut Herstellerangaben einen Tiefgang von weniger als zwei Fuß. Alle Einstellungen lassen sich über den 15,4 Zoll großen Touchdisplay des Bootes und aus der Ferne über eine spezielle App steuern. Die sogenannte Fly-by-Wire-Lenkung soll "das Fahrgefühl eines Rennwagens" bieten.

Kaufpreis beginnt bei knapp 400.000 US-Dollar

Das Elektro-Boot verfügt über acht Sitzplätze und eine Sonnenliege. Außerdem gibt es eine Vorderkabine mit Betten für zwei Erwachsene und zwei Kinder sowie Marinetoilette an Bord. Die Candela C-8 ist für die Freizeitnutzung gedacht, allerdings will das 2014 gegründete Unternehmen auch Boote für kommerzielle Zwecke bauen. In diesem Jahr werde die Stadt Stockholm mit dem P-12 das erste Wassertaxi für 30 Personen entgegennehmen, heißt es. Zudem ist Candela nach eigenen Angaben mit mehr als 100 weiteren Kommunen im Gespräch über Wassertransportlösungen.

Das Hightech-Boot lässt sich der Hersteller gut bezahlen. Der Kaufpreis beginnt bei 390.000 US-Dollar. Dazu ist es in drei Versionen erhältlich: wahlweise mit Hardtop, einem T-Top oder einem Daycruiser mit offenem Cockpit. Candela hat nach eigenen Angaben bislang über 150 Produktionsaufträge erhalten. Eine Reservierung kostet 100 US-Dollar. Die C-8 wird in Schweden produziert und soll im Frühjahr 2024 geliefert werden. Zunächst ist sie aber ab diesem Samstag (21. Januar) auf der Messe Boot in Düsseldorf ausgestellt.

Quellen: Candela, Polestar

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