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Neue Software: Facebook will Suizide mit Künstlicher Intelligenz verhindern

Wenn Menschen sich das Leben nehmen, können soziale Netzwerke zu schaurigen Bühnen werden. An den hunderten Bildschirmen sitzt ein gebanntes Publikum, das kaum noch einschreiten kann. Um Suizide frühzeitig zu stoppen, will Facebook neue Technologien einsetzen.

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Schon vor zwei Jahren unternahm Facebook erste Versuche, die Zahl der Suizide zu verringern

Immer wieder kommt es in sozialen Netzwerken zu dramatischen Szenen, in denen Menschen ihre suizidalen Gedanken teilen. Oder schlimmer: diese in die Tat umsetzen. Seit anderthalb Jahren gibt es bei Facebook die Live-Streaming-Funktion "Facebook Live" und mit ihr häufen sich die Fälle, in denen Nutzer sich vor den Augen hunderter User umbringen. 

Zur Erkennung von Suizid-Absichten seiner Nutzer will das Unternehmen nun verstärkt künstliche Intelligenz einsetzen. Entsprechende Software soll Einträge, aber auch Livestreams von Nutzern schneller nach Hinweisen auf Suizid absuchen und dann Mitarbeiter des Netzwerks benachrichtigen.

Dabei komme eine "Technologie zur Erkennung von Mustern" zum Einsatz, erläuterte der Facebook-Vizechef für Produktmanagement, Guy Rosen, in einem Blog. So solle etwa die Frage, ob es jemanden nicht gut gehe, als mögliches Alarmzeichen registriert werden.

Facebook entwickelte Suizid-Meldesysten

Auf einer Pressekonferenz im Februar hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg beklagt: "Es gab schrecklich tragische Ereignisse - wie Suizide, manche davon live übertragen, die hätten verhindert werden können, wenn jemand bemerkt hätte, was vor sich geht, und das schneller gemeldet hätte." Zur besseren Vorbeugung solcher Geschehnisse könne künstliche Intelligenz beitragen.

Schon vor zwei Jahren unternahm das soziale Netzwerk erste Schritte, um die Zahl der Suizide zu verringern. Über ein Meldesystem konnten Nutzer sich direkt an Facebook wenden, wenn Freunde öffentlich Selbstmordgedanken teilten. Die eintreffenden Meldungen wurden dann von Teams gesichtet. Erschien ein Hinweis ernsthaft, wurde der betroffene Nutzer von Facebook kontaktiert und auf Hilfsangebote aufmerksam gemacht. 

Im Ernstfall werden Einsatzkräfte geschickt

So sammelte Facebook über Jahre hinweg Inhalte, die von Nutzern als bedenklich markiert wurden und konnte daraus die neue Software entwickeln, die suizidale Gedanken selbstständig erkennen soll. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, wurden auf diese Weise alleine im letzten Monat in den USA mehr als 100 Fälle erkannt, die so dramatisch waren, dass die Facebook-Mitarbeiter Ersthelfer einschalteten. Dann werden Polizisten, Notärzte oder Feuerwehrleute zu dem betroffenen Nutzer geschickt. 

Die neue Software wird derzeit weltweit eingesetzt - nur die Europäische Union wurde ausgespart. Die Gründe für diesen Schritt gibt das Unternehmen bisher nicht bekannt. Wahrscheinlich ist jedoch, dass Facebook hier an den europäischen Datenschutzrichtlinien scheitert. Denn so gut die Absichten auch sein mögen, die Erkennungssoftware untersucht massenhaft persönliche Daten nach psychischen Auffälligkeiten und lässt sich von den Nutzern nicht ausschalten.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

sve / AFP