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"Risen": Aus alten Fehlern gelernt

Für die deutsche Spieleschmiede Piranha Bytes bedeutet das Rollenspiel "Risen" die Fortsetzung ihrer bisherigen Arbeit und zugleich einen Neuanfang: Nach dem Debakel mit dem fehlerbehafteten "Gothic 3" beweisen die Entwickler nun, dass sie es besser können.

Piranha Bytes hat eine schwierige Zeit hinter sich: Mit dem ehrgeizigen Rollenspiel "Gothic 3" haben die Essener zu viel gewollt und sind an ihren eigenen Ansprüchen gescheitert. Mit "Risen" gingen sie das Ganze nun etwas bescheidener an und beschränkten sich auf ein überschaubareres Spieleuniversum, das aber auch wieder die altbekannten "Gothic"-Elemente aufgreift - mit Erfolg. Denn "Risen" zeigt, wo die wahren Stärken von Piranha Bytes liegen: in der atmosphärisch packenden Inszenierung einer rauen Welt, in der sich ein einsamer Held gegen alle Widrigkeiten durchsetzen muss. Der vorherrschende Ton: ungeschlacht und zynisch - für Höflichkeiten bleibt da keine Zeit.

"Gothic"-Veteranen fühlen sich vom ersten Moment an heimisch, wenn der namenlose Recke Schiffbruch erleidet und völlig mittellos am Strand einer exotischen Insel angeschwemmt wird. Er tastet sich ins Landesinnere vor, macht Bekanntschaft mit feindseligen Stachelratten, beißfreudigen Wolfsrudeln und stößt auf eine menschliche Ansiedlung. Er lernt die drei Fraktionen auf der Insel kennen, die sich gegenseitig nicht unbedingt wohl gesonnen sind: die Inquisition, die Banditen und ein versprengter Haufen Magier. Früher oder später muss sich der Held für eine der Gruppierungen entscheiden und legt dadurch fest, ob er sich künftig mit Schwert und Axt oder Stab und Zaubersprüchen seiner Haut erwehrt.

Ob man sich nun unterwegs mit Feinden herumschlägt oder einen der zahllosen Aufträge löst: Man kassiert dafür ordentlich Erfahrungspunkte und steigt so Level für Level auf. Um den Ausbau der Fertigkeiten muss man sich jedoch selber kümmern. Dafür stehen dem Helden Lehrmeister zur Verfügung, die ihr Wissen in der Regel gegen Gold und Lernpunkte weitergeben. Ob man als Alchemist Pflanzen sammelt und nach ausgefallenen Rezepten zu Tränken verarbeitet, sich der Jagd verschreibt oder in die Schmiedekunst einweisen lässt, um die raren Erze zur Herstellung von Waffen zu nutzen, bleibt ebenfalls ganz dem Spieler überlassen.

Kämpfen ist einfach

Das Kampfsystem ist zumindest in Sachen Steuerung denkbar einfach: Attackieren und Blocken funktioniert intuitiv mit der linken und rechten Maustaste. Wer jedoch überleben will, muss nicht nur schnell klicken, sondern geschickte Taktik und optimales Timing unter einen Hut bringen. Die Kämpfe sind bereits im ersten der vier Kapitel recht anspruchsvoll und führen zum einen oder anderen unfreiwilligen Heldentod. Da kommt einem die Schnellspeichertaste F8 gerade recht.

"Risen" trumpft nicht mit einer epischen Story auf, die einen bis zur Endsequenz in ihren Bann schlägt. Um es vorweg zu nehmen: Das Finale ist sogar ziemlich banal. Für Motivation sorgen stattdessen die großartig arrangierte, wie aus einem Guss wirkende Spielewelt selbst sowie die ruppigen Gespräche mit anderen Charakteren, die gerade in den ersten beiden Kapiteln eine ungeheure Fülle von spannenden Aufgaben bereithalten. Kleinere Durchhänger gibt es allenfalls in der zweiten Hälfte des Spiels, in der man sich mühsam durch das eine oder andere öde Kellergewölbe quälen muss - manchmal sogar in Form eines Tieres. Dass "Risen" grafisch zwar hübsch, aber auch ein wenig altbacken wirkt und aktuellen Titeln wie "Mass Effect" nicht das Wasser reichen kann, beeinträchtigt das intensive Spielerlebnis in keiner Weise.

Risen

Hersteller/Vertrieb

Piranha Bytes/Koch Media

Genre

Action-Rollenspiel

Plattform

PC, Xbox 360

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Fazit

Piranha Bytes haben sich mit dem technisch ausgereiften "Risen" rehabilitiert. Trotz kleinerer Designschnitzer kann der Titel den Spieler ohne Weiteres für gut 50 Stunden begeistern. Bugs beschränken sich diesmal größtenteils auf ein paar verschmerzbare Clipping-Fehler.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
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