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"Scribblenauts": Wildes Wort-Spiel

Was haben Termiten, Trittleitern und Trampoline gemein? Sie helfen im DS-Spiel "Scribblenauts", eine Belohnung vom Baum zu holen. Hier erscheint alles, was der Spieler aufschreibt, auf dem Bildschirm. Das macht es zu einem der ungewöhnlichsten und kreativsten Videospiele des Jahres.

Von Nina Ernst

Videospieler dürfen nicht wählerisch sein. Ob zum Kämpfen oder Rätsel knacken: Sie müssen mit den Hilfsmitteln auskommen, die im virtuellen Inventar stecken oder von den Entwicklern im Level verteilt wurden. Nicht so in "Scribblenauts". Hier können DS-Besitzer sich die Gegenstände herbeiwünschen, die ihnen einfallen. Vom Seil über Pinguine bis hin zur Medusa.

Spieleheld Maxwell bereist 220 Levels, um so genannte Starites einzusammeln. Sein Hilfsmittel auf der Suche nach den begehrten Sternen ist ein Zauberblock. Alles, was der Spieler darauf schreibt, erscheint direkt auf dem Bildschirm und kann von Maxwell benutzt werden. "Es gibt keine vorgefertigten Lösungen", sagt Spieldesigner Marius Fahlbusch von 5th Cell Media, "Alles hängt von der Kreativität des Spielers ab".

Steckt ein Stern auf einem Baum, gibt es drei Wege, ihn zu ergattern: Maxwell auf den Baum schicken, den Starite vom Baum fallen lassen oder die ganze Pflanze zu Fall bringen. Ob der Spieler sich dazu ein Bett zum Hüpfen, eine Angel, eine Axt oder einen Raketenrucksack herbeizaubert, entscheidet er selbst. Kreative lassen einen Panda auf ein Einrad steigen und setzen den Helden auf diese Konstellation, damit der in die Baumkrone greift.

Action- und Puzzlemodus

Während die Starites im Actionmodus gut sichtbar hinter Hindernissen stecken, erscheinen sie in den Puzzle-Levels erst nach dem Lösen von Aufgaben. Sollen Kinder in Halloween-Kostümen vom Grundstück verschwinden, damit der Stern auftaucht, helfen entweder Süßigkeiten oder ein Gespenst.

Geister und Vampire sehen hier ebenso niedlich aus wie Elefanten und Blumen. In der bunten Comic-Welt wirkt alles wie auf einer Kinderzeichnung. Trotz der knuffigen Optik wird das Spiel mit der Zeit so knifflig, dass auch ältere Spieler sich schon mal zehn Minuten lang den Kopf zerbrechen, um einen Level zu lösen.

Was kennt das Spiel?

Es klingt simpel, sich alles herbeiwünschen zu können. Doch die freie Wahl macht das Entscheiden für ein Objekt nicht gerade einfach. Während Kinder kreativ Drauflosprobieren, fällt Erwachsenen bei manchen Aufgaben zunächst gar nichts ein. Haben ältere Spieler sich dann mit dem Spielprinzip angefreundet, geht das Experimentieren los. Immer ungewöhnlichere Wörter werden erdacht und auf die virtuelle Tastatur getippt. Im Entdecken neuer Objekte und der Spannung, wie sie wohl mit der Umgebung interagieren, liegt der große Reiz des Spiels. Kennt Scribblenauts das Wort "Donut", und wie reagiert ein Polizist darauf, wenn er ihn sieht?

Erkennt es einen Begriff nicht, ist die Enttäuschung groß. Die verschwindet aber beim Entdecken der nächsten Skurrilitäten, etwa wenn das Programm auf die Eingaben "Antimaterie" und "Gott" reagiert. Die Firma 5th Cell hat zu Beginn der Entwicklung eigens eine Wörterbuchgruppe abgestellt. Eine handvoll Mitarbeiter hat sechs Monate lang alle möglichen Wörter gesammelt, die ins Spiel sollten. Vom Ritter über Salat bis hin zu exotischen Fischarten haben sie zehntausende Begriffe festgehalten. In jeder der elf Sprachen tauchen außerdem eigene, lokale Begriffe auf. So gibt es in der deutschen Version ein Dirndl und die Buddel.

Was brennt? Was schwimmt?

Zu jedem Wort haben die Designer ein Objekt entworfen und ihm Eigenschaften zugeordnet. Sie haben festgelegt, ob es brennbar ist, im Wasser untergeht, fliegt oder ob es sich um einen Fleischfresser handelt. "Das Spiel hat keine Ahnung von den speziellen Objekten, was ein Auto, Tyrannosaurus oder Skateboard ist", sagt Fahlbusch. "Es kennt nur eine große Anzahl von Modulen und wie sie mit der Welt interagieren". So lassen sich alle Dinge untereinander kombinieren und führen manchmal zu lustigen Interaktionen. Wer hätte gedacht, dass ein Adler eine Biene angreift, wenn er sie trifft.

"Scribblenauts" ist das ungewöhnlichste Spiel des Jahres. Schade, dass die tolle Idee nicht in eine zusammenhängende Handlung eingebettet wurde und nur aus einzelnen Levels besteht. Trotzdem macht das kreative Wortspiel einfach Spaß.

Scribblenauts

Hersteller/Vertrieb

5th Cell Media / Warner Bros. Interactive

Genre

Puzzle

Plattform

Nintendo DS

Preis

ca. 35 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

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