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Kuriose Grundschulstudie: Was sich aus "Mario Kart" fürs Leben lernen lässt

Textnachrichten ins Handy zu tippen, während man mit dem Auto fährt, ist keine gute Idee. Die - nicht ganz ernst gemeinte - Studie einer kanadischen Ärztin zeigt, dass das auch für Videospiele gilt.

Distracted Driving, abgelenktes Fahren, so nennt man es, wenn Menschen im Auto nicht ganz bei der Sache sind, weil sie ihre Aufmerksamkeit gerade etwas anderem als der Straße widmen. Dem Smartphone zum Beispiel, um darauf eine Textnachricht zu schreiben. Ein ernsthaftes Problem, das in wissenschaftlichen Studien als "einer der Hauptgründe für Autounfälle" beschrieben wird. Die kanadische Ärztin Jen Gunter wollte das Thema hingegen abseits realer Straßen untersuchen. Sie fragte sich: "Beeinflusst Distracted Driving durch SMS-Schreiben auch die Leistung bei Mario Kart?"

Auf ihrem Blog beschreibt sie die (wohl nicht ganz ernst gemeinte) Studie, die sie zusammen mit Grundschülern durchgeführt hat: Neun Probanden - hauptsächlich Kinder und Jugendliche sowie zwei Erwachsene - wurden rekrutiert, um unter Beobachtung das berühmte Rennspiel für Nintendos Wii-Konsole zu spielen. Als Belohnung winkte ein gemeinsames Taco-Essen. Alle mussten mit derselben Spielfigur und auf derselben Strecke antreten. Ab der Hälfte des Rennens schickte Gunter den Probanden Fragen aufs Handy. "Was ist dein Lieblingsfilm?", zum Beispiel oder: "Was hast du zu Mittag gegessen?" Wer nicht antwortete, bekam eine Zeitstrafe von 30 Sekunden. Am Ende verglich Gunter die Zeiten beider Rennhälften.

Kollisionen mit Kühen

Das Ergebnis: Die Runde, in denen sie SMS schreiben mussten, absolvierten die Probanden deutlich langsamer. Und nicht nur das, sie kamen von der Strecke ab, kollidierten mit Zäunen und Kühen oder blieben mitten auf der Strecke stehen. Gunter beobachtete drei verschiedene Methoden des Schreibens beim Fahren: Einige Teilnehmer hielten ihre Smartphones vor den Fernsehschirm, um beides gleichzeitig im Sichtfeld zu haben. Andere wechselten mit dem Blick ständig zwischen Handy und TV. Eine dritte Gruppe schaute hingegen gar nicht mehr auf die virtuelle Straße, während sie tippte.

Damit dürfte klar sein: SMS schreiben beim Fahren ist gefährlich, das gilt auch für Videospiele. Wie das Spiele-Blog "Kotaku" berichtet, wollen die Schüler ihre Forschungsergebnisse später in diesem Jahr auf einem "Jugend forscht"-Wettbewerb vorstellen, ein Plakat haben sie dafür jedenfalls schon gemalt. Die Studie sei zwar von keiner wissenschaftlichen Kommission anerkannt worden, gibt Gunter zu. "Aber das war auch keine Voraussetzung für den Grundschul-Wettbewerb." Kein Ruhm in der Forschergemeinde also, aber Gunter dürfte ohnehin mehr auf den Erziehungseffekt gehofft haben.

Timo Brücken
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