VG-Wort Pixel

6. Januar 2021-Untersuchung Secret Service soll während Kapitol-Erstürmung gesendete SMS gelöscht haben

Secret Service SMS Kapitol
Polizei und Secret Service auf dem Capitol Hill in Washington
© Matthew Cavanaugh/EPA / Picture Alliance
Wegen eines "Geräteaustauschprogramms" sind beim Secret Service Textnachrichten verloren gegangen, die beim Sturm auf das US-Kapitol verschickt worden sind. Der zuständige Untersuchungsausschuss sorgt sich, ob das Absicht gewesen sein könnte.

Der für den Schutz des US-Präsidenten zuständige Secret Service hat nach Angaben eines Regierungsbeamten Textnachrichten seiner Agenten im Zusammenhang mit der Kapitol-Erstürmung im Januar 2021 gelöscht. Viele SMS, die kurz vor und während der Unruhen geschickt wurden, seien "im Rahmen eines Geräteaustauschprogramms gelöscht worden", schrieb der Generalinspekteur des Heimatschutzministeriums, Joseph Cuffari, in einem Brief an den Kongress. 

SMS nach Anfrage gelöscht 

Die Nachrichten seien gelöscht worden, nachdem sein Büro Aufzeichnungen der elektronischen Kommunikation rund um den 6. Januar angefordert habe, hieß es in dem Schreiben, das unter anderem an den Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses zur Kapitol-Erstürmung, Bennie Thompson, adressiert war.

Unklar ist, ob die Nachrichten absichtlich entfernt wurden, um etwas zu vertuschen. Der Secret Service wies dies aber zurück: "Die Unterstellung, der Geheimdienst habe Nachrichten auf Anfrage böswillig gelöscht, ist falsch", hieß es in einer Mitteilung. Der Geheimdienst habe vielmehr uneingeschränkt mit dem Heimatschutzministerium zusammengearbeitet. Die Daten seien bei einem zuvor geplanten Austausch im Januar 2021 verloren gegangen, weil Mobiltelefone auf ihre Werkseinstellungen zurückgesetzt wurden. Das Ministerium habe jedoch erst am 26. Februar Daten angefragt - Wochen, nachdem der Austausch der Geräte begonnen hatte.

"Der Ausschuss wird über diese außerordentlich beunruhigende Vernichtung von Unterlagen unterrichtet werden und entsprechend reagieren", zitierte CNN Thompson. Das Gremium soll die Hintergründe der Ereignisse rund um den 6. Januar 2021 aufklären. Generalinspekteur Cuffari kritisierte daneben, dass der Secret Service die Bereitstellung anderer Unterlagen verzögert habe. 

Der Sprecher des Secret Service, Anthony Guglielmi, wies die Vorwürfe zurück. Die Handys der Personenschützer seien im Rahmen eines geplanten Austauschprogramms gelöscht worden, das begonnen habe, bevor das Heimatschutzministerium die Informationen sechs Wochen nach den Unruhen angefordert habe. Dabei seien bestimmte Telefondaten verloren gegangen, aber "keine der gesuchten Textnachrichten".

Kapitolsturm schwarzer Tag in der Geschichte

Hunderte Anhänger des damaligen US-Präsidenten Donald Trump hatten am 6. Januar mit Gewalt den Parlamentssitz in der Hauptstadt Washington gestürmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Sieg seines demokratischem Herausforderers Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl zu zertifizieren. Die Kapitol-Erstürmung mit fünf Toten gilt als schwarzer Tag in der Geschichte der US-Demokratie.

Der Ausschuss arbeitet nun die Attacke auf. In den vergangenen Wochen gab es zahlreiche öffentliche Anhörungen, bei denen Trump schwer belastet wurde.

Der Secret Service stand zuletzt nach einer Zeugenaussage einer ehemaligen Mitarbeiterin des Weißen Hauses im Fokus. Cassidy Hutchinson schilderte, dass Trump seine obersten Personenschützer des Secret Service am 6. Januar angeblich wütend aufgefordert habe, ihn zum Kapitol zu fahren. Trump verunglimpfte Hutchinson daraufhin als "Verrückte" und wies die Vorwürfe zurück. Laut CNN soll ein Polizist aus der US-Hauptstadt Washington einige Aussagen Hutchinsons bestätigt haben.

Droht Donald Trump eine Anklage?

Der Ausschuss erwägt laut des "Wall Street Journals" die Vorladung Trumps. Das Ausschussmitglied Adam Kinzinger geht davon aus, dass das Gremium dem Justizministerium eine strafrechtliche Verfolgung des früheren Präsidenten empfehlen werde. Der Ausschuss selbst kann keine rechtlichen Schritte einleiten.

nik DPA AFP

Mehr zum Thema



Newsticker