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Anonymous-Angriff: Hacker legen ein Fünftel des Darknets lahm

Hackern ist ein Schlag gegen Kinderpornografie geglückt. Mitglieder von Anonymous entdeckten im Darknet große Datenmengen dieser Art und nahmen tausende Seiten eines Hosting-Dienstes komplett offline.

Das Darknet gilt als Schwarzmarkt im Web

Das Darknet gilt als Schwarzmarkt im Web

Das Darknet gilt als anonymer Ort im Internet, wo unter anderem Waffen oder Drogen gehandelt werden - quasi ein Schwarzmarkt des Netzes. Dieser Markt hat sich am vergangenen Freitag schlagartig verkleinert: Etwa 10.000 Websites des Hosting-Diensts Freedom Hosting II sind jedenfalls verschwunden, nachdem Mitglieder der Hackergruppe Anonymous dort auf kinderpornografisches Material gestoßen waren. 

Rund 20 Prozent des gesamten Darknets, auch Hidden-Services genannt, wurden durch den Angriff offline genommen. Obwohl Freedom Hosting II angibt, kinderpornografische Inhalte nicht zu tolerieren, entdeckte die Hacker-Gruppe Unmengen solchen Materials. In einem Interview mit der Zeitschrift "Vice" gab ein Hacker an, dass die Gruppe auf mehrere Websites gestoßen sei, die Gigabytes an Darstellungen von Kindesmissbrauch enthielten.

Anonymous straft Darknet-Hoster ab

Der Hosting-Dienst stellt normalerweise jedoch lediglich ein Kontingent von 256 Megabyte, und damit wesentlich weniger Speicherplatz zur Verfügung. Die Schlussfolgerung der Hacker: Der Betreiber müsse für die höheren Datenmengen bezahlt werden und somit Kenntnis über die Inhalte haben. Nach dieser Entdeckung wurden kurzerhand alle Seiten von Freedom Hosting II vom Netz genommen.

Seitdem erhalten Nutzer, die die besagten Seiten aufrufen wollen, eine für Anonymous typische Nachricht, die über den Hack aufklärt. Diese veröffentlichte die Gruppe auch auf ihrem Twitter-Account. Der beteiligte Hacker zeigte sich zufrieden: "Sollte sich jemals wieder so eine Chance bieten, würde ich nicht zögern, es wieder zu tun". Er räumte gegenüber "Vice" aber ein, dass die Aktion nicht geplant gewesen sei. 

Hacker stahlen auch Nutzerdaten

Die Daten der Websites stellten die Hacker vor der Aktion sicher. Neben dem Bildmaterial stahlen sie auch Nutzerdaten inklusive Nutzernamen und E-Mail-Adressen. Diese Informationen sollen an Ermittlungsbehörden weitergeleitet werden. Ob die Aktion bei den Behörden aber auf Freude stößt, bleibt abzuwarten, da deren jahrelange Arbeit, etwa eingeschleuste Maleware, nun ebenfalls offline ist. 

Schon 2013 wurde Freedom Hosting I, ein Vorgänger des nun gehackten Hosting-Dienstes, im Rahmen einer Poizeiaktion wegen Kinderpornografie vom Netz genommen. Die Forscherin Sarah Jamie Lewis erstellte jüngst eine Übersicht über die aktuell stillgelegten Seiten. 

Anonymous setzt sich nach eigenen Angaben für Informationsfreiheit und Menschenrechte ein, Websites mit Kinderpornografie aber auch Scientology, Regierungsbehörden und US-Präsident Donald Trump fielen der Gruppe schon zum Opfer. 

fri