HOME

Schlag gegen "Wall Street Market": Das Darknet - Wie gelangt man dahin und sollte man es überhaupt tun?

Das sogenannte Darknet, in dem die illegale Handelsplattform "Wall Street Market" online war, ist der dunkle Bereich des Internets. Ihn nutzen Menschen, die im Internet verborgen bleiben wollen, wie etwa Whistleblower und Regimekritiker, aber auch Drogendealer und Waffenhändler.

Nicht alle Webseiten im Internet können über Suchmaschinen aufgefunden werden. Das Darknet hat sich daher zu einem Marktplatz für illegale Geschäfte entwickelt. 

Ermittler in Deutschland haben mithilfe von Kollegen in den Niederlanden und den USA die weltweit zweitgrößte illegale Handelsplattform im sogenannten Darknet lahmgelegt. Bereits Ende April nahmen sie in Deutschland nach verdeckten und aufwendigen Ermittlungen die drei mutmaßlichen Betreiber der illegalen Handelsplattform "Wall Street Market" fest und beschlagnahmten die dazugehörigen Server. Über die Plattform wurden demnach vor allem Drogen sowie gestohlene Daten, gefälschte Dokumente und Schadsoftware verkauft.

Den drei mutmaßlichen Betreibern im Alter zwischen 22 bis 31 Jahren könnte eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren drohen, teilten die Ermittler bei einer Pressekonferenz mit. Ihnen wird gewerbsmäßige Verschaffung einer Gelegenheit zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln vorgeworfen. Auch die US-Behörden haben Strafverfolgung gegen die drei mutmaßlichen Täter eingeleitet. Die deutschen Ermittler betonten aber, dass sie nach einer Verurteilung nicht wegen des gleichen Verbrechens in anderen Ländern angeklagt werden dürften.

Bei den Beschuldigten wurden mehr als 550.000 Euro Bargeld sowie Beträge in Kryptowährungen in sechsstelliger Höhe sowie teure Autos beschlagnahmt. Auch in den USA kam es zu Festnahmen.

Wie gelangt man ins Darknet?

Das Darknet wird vor allem von Kriminellen genutzt, um zum Beispiel Waffen, Drogen oder gefälschte Dokumente zu kaufen und verkaufen. Aber auch Regimekritiker oder Whistleblower nutzen das verborgene Netz. Doch um dorthin zu gelangen, braucht es einige Kniffe.

"Darknet" in eine Suchmaschine einzugeben, reicht nicht. Vielmehr müssen User einen speziellen Browser wie "Tor" installieren. Tor ist die Abkürzung für "The Onion Routing" - auf Deutsch heißt das ungefähr "Internetstreckenführung nach dem Zwiebelprinzip". Es handelt sich um ein ursprünglich für eine Forschungs- und Entwicklungseinrichtung der US-Marine entwickeltes Programm zur Anonymisierung von Internetverkehr. Es verschleiert Herkunft und Ziel von Datenpaketen, die Nutzer verschicken, wenn sie im Netz surfen. Zugleich schützt es sie vor Ausspähung. Die Ermittlungsbehörden teilten aber auf der Pressekonferenz zum "Wall Street Market"-Fall mit, dass es ein Trugschluss sei, im Darknet anonym zu sein.    

Was kann man im Darknet finden?

Im Darknet gibt es laut Vergleichsportal Verivox Blogs, Foren, Nachrichtenseiten, anonyme E-Mailprogramme und vieles mehr, was nicht unbedingt illegal ist. Aber das Darknet ist demnach auch ein idealer Ort für den Schwarzmarkt, Drogen- und Waffenhandel, Kinderpornografie, Geldwäsche, Kreditkartenbetrug und illegales Filesharing. Denn Straftäter sind im Darknet nur schwer zu identifizieren und nutzen dies für ihre kriminellen Machenschaften.   

Wie viele Seiten im Darknet sind illegal?  

Laut einer Studie der britischen Sicherheitsfirma Intelliagg seien 48 Prozent der Seiten im Darknet nach britischem und US-Recht illegal. 52 Prozent sind also legal. Allerdings stammt die Intelliagg-Untersuchung bereits aus dem Jahr 2016.

Welche Gefahren birgt das Darknet?

Angesichts von 48 Prozent illegaler Seiten verweist Verivox auf die recht hohe Wahrscheinlichkeit, auf einer solchen Seite zu landen. Unerfahrene Nutzer könnten schnell unabsichtlich in Schwierigkeiten geraten. Klicke ein Nutzer beispielsweise versehentlich und ohne es vorher abschätzen zu können auf einen Link, der Kinderpornografie enthält, riskiere er, Post von der Staatsanwaltschaft zu bekommen - sobald der Anbieter auffliegt.

Ahnungslose Besucher könnten aber auch schnell zu Opfern werden: Auf den Märkten findet laut Verivox beispielsweise häufig Betrug statt. Außerdem tummeln sich im Darknet jede Menge Viren und Trojaner, die nicht nur den PC infizieren, sondern oft auch persönliche Daten des Nutzers weiterleiten. Wer sich nicht in Schwierigkeiten bringen möchte, sollte vom Darknet lieber die Finger lassen, rät das Vergleichsportal.

Illegaler handel im Web: Schlag gegen Internet-Kriminalität – Ermittler heben zweitgrößten Darknet-Marktplatz aus
rw / mit Agenturen / AFP / DPA