CNN-Recherche
Betäubte Frauen vergewaltigen: Wo sich „Sleep Porn“-Fans austauschen

Die Hände einer Frau liegen in den Händen eines Mannes
Manche Männer das Vertrauen in einer langjährigen Ehe, um ihre Frau zu betäuben und zu vergewaltigen (Symbolbild)
© Darya Komarova / Getty Images

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Der Fall von Dominique Pelicot, der seine Frau betäubte und Fremden zur Vergewaltigung anbot, schien ein monströser Einzelfall zu sein. Doch das ist offenbar ein Irrtum.

62 Millionen – so viele Besuche verzeichnete eine Website mit Vergewaltigungsvideos bewusstloser oder betäubter Frauen laut CNN allein im Februar. Der US-Nachrichtensender hat – nach eigenen Angaben – in monatelangen Recherchen ein Portal im Darknet analysiert, auf dem User unter dem Begriff „sleep“ mehr als 20.000 Videos hochgeladen haben sollen. 

Versehen sind die Clips laut CNN mit Hashtags wie #passedout oder #eyecheck – auf Deutsch etwa „ohnmächtig“ und „Augenkontrolle“: Männer ziehen darin ein Augenlid der offenbar bewusstlosen Frau hoch, um zu zeigen, dass sie vom Missbrauch nichts mitbekommen wird. Auch tauschen sich laut der Recherche Männer auf der Plattform aus und geben einander Tipps, wie sie eine Frau betäuben können. CNN zeigt Screenshots aus einer entsprechenden Chatgruppe – allerdings mit geschwärzten Namen, Medikamenten und Dosierungen.

Darin schreibt ein Mann: „Das wollte ich schon seit Ewigkeiten mit meiner Frau machen. Ich kann an [geschwärzter Medikamentenname, d. Red.] herankommen. Allerdings habe ich wirklich eine Heidenangst vor einer Überdosis.“

Tipps für Dosierungen

Daraufhin antwortet ihm einer: „Fang IMMER niedrig an. Denke langfristig, und falls es beim ersten Mal nicht ausreicht, erhöhe die Dosis.“

Ein Dritter nennt daraufhin die Dosierung eines Mittels, das er seiner Frau in einem Milchshake verabreicht haben will. „Ihr wurde schlecht, daraufhin gab ich ihr Imodium [ein Mittel gegen Durchfall, d. Red.]. Habe sie gut gef***t, aber sie war nicht weggetreten genug und ich hatte kein [Betäubungsmittel, d.Red.] mehr.“

Handel mit Vergewaltigungsdrogen?

Laut CNN hat einer der User angegeben, ein Unternehmen zu betreiben, das „Schlaftropfen“ verkauft und an jede Adresse weltweit versendet. Im Messengerdienst Telegram habe er 150 Euro für eine Flasche des geruch- und geschmacklosen Mittels verlangt: „Deine Frau wird nichts spüren und sich an nichts erinnern.“ 

Einige Nutzer bewarben Livestreams, in denen der Missbrauch von unter Drogen gesetzten Frauen in Echtzeit gezeigt wurde, für 20 Dollar pro Zuschauer – bevorzugt per Kryptowährung, berichtete CNN. Ein anderer User soll mit einem Ausschnitt eines vergangenen Livestreams vom Missbrauch einer Betäubten für seinen nächsten geworben haben. Einen Mann und sein mutmaßlich argloses Opfer – seine Ehefrau – will CNN in Polen ausfindig gemacht haben.

Andere Frauen haben irgendwann mitbekommen, dass ihre Ehemänner oder Partner sie betäuben und vergewaltigen. Eine von ihnen ist Zoe Watts. Als sie erfuhr, dass ihr Mann, mit dem sie seit 16 Jahren verheiratet war, die Schlaftabletten ihres Sohnes in ihren Tee gemischt und sie vergewaltigt hatte, während sie bewusstlos war, brach laut CNN ihre Welt zusammen. „Wir machen uns Gedanken darüber, wer hinter uns herkommt, wer die Straße entlanggeht oder wer uns auf Facebook als Freund hinzufügt“, sagte sie CNN. „Wir haben Angst, spätabends auf einem Parkplatz zu unserem Auto zu gehen, aber wir machen uns keine Gedanken darüber, neben wem du liegst. Mir war nicht klar, dass ich das muss.“ 

An einem Sonntag im Jahr 2018 habe ihr damaliger Mann, mit dem sie vier Kinder hat, nach der Rückkehr vom Gottesdienst seine „Verfehlungen“ aufgezählt. „Als wäre es eine Einkaufsliste“, sagte Watts laut CNN.

Ehemann gesteht Opfer Vergewaltigung

Er habe erzählt, dass der Missbrauch schon seit Jahren andauere. „Er sagte einfach so etwas wie … ‚Ich habe das Schlafmittel unseres Sohnes genommen und es in deine letzte Tasse Tee am Abend gemischt, um dich ruhigzustellen, Fotos von dir zu machen und dich zu vergewaltigen.‘“ Am Ende eines sehr anstrengenden Tages sei sie einfach dankbar für eine Tasse Tee vor dem Schlafengehen gewesen und dass sie die nicht selbst habe zubereiten müssen. „Man erwartet von seinem Partner nichts anderes als Unschuld.“

Zunächst habe sie diesen massiven Vertrauensbruch auch wegen der Kinder für sich behalten. Schließlich habe Watts sich ihrer Schwester anvertraut. Ihre Mutter habe die Polizei alarmiert. Ein vierjähriger Gerichtsprozess habe ihre Kinder in der Schule Mobbing ausgesetzt und ihren Freundes- und Bekanntenkreis fast vollständig zerstört, so CNN. Wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung mit Penetration und Verabreichung von Betäubungsmitteln sei Watts Ex-Mann schließlich zu elf Jahren Haft verurteilt worden.

Auch sie kämpfe noch immer mit Scham, Schuldgefühlen und Gedanken wie: „Oh, vielleicht hätte ich es wissen müssen, oder ich kann nicht glauben, dass ich es nicht bemerkt habe. Warum habe ich diese Zusammenhänge nicht erkannt?“

Psychologin erklärt „Sleep Porn“-Nutzer

Für Nutzer von „Sleep Porn“ liege der Reiz des Missbrauchs nicht nur in der Tat selbst, sondern auch in der kollektiven Dynamik, die sie umgibt, sagte Annabelle Montagne, Psychologin und Gutachterin im Pelicot-Prozess, CNN. „Innerhalb dieser Plattformen herrscht auch so etwas wie ein Gefühl der Brüderlichkeit.“ Die Teilnehmer seien dabei, „Bindungen zu knüpfen“, die ihre „narzisstischen“ Bedürfnisse befriedigen und stärken.

Und von diesen Männern gibt es offenbar viel mehr, als man denkt.

Quelle: CNN.

tkr

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