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"Fifty Shades of Grey" Softpornos machen E-Books zum Erfolg


Bisher waren elektronische Bücher nicht gerade Verkaufsschlager. Doch das ändert sich gerade mit "Fifty Shades of Grey". Der Softporno aus Großbritannien ist der erste Mega-Bestseller der E-Book-Ära.
Von Bernhard Hübner

Anastasia wollte doch nur diesen "mysteriösen CEO" für ihre Studentenzeitschrift interviewen, diesen "megawichtigen Industriemagnaten". Und siehe da: Wenn sie ihn anblickt, schaut sie auf den "leibhaftigen Adonis" und spürt "dieses seltsame Knistern zwischen uns". So geht es geschlagene 16 Seiten. Was klingt wie das Tagebuch einer 15-Jährigen, ist der Einstieg eines der bedeutendsten Romans unserer Zeit. Zumindest wirtschaftlich gesehen.

Das Werk heißt "Fifty Shades of Grey", stammt von der britischen Autorin E.L. James und hat einen Umbruch im Buchmarkt ausgelöst. Zwar gelten Bücher zum digitalen Download für tragbare Lesegeräte, schon seit Jahren als größtes Wachstumsfeld der darbenden Branche. Doch bisher machen die Onlinehändler im wichtigsten Segment der Belletristik nur einen Bruchteil ihrer Umsätze mit E-Books. Denn Romane werden vor allem von erwachsenen Frauen gelesen. Und die sind klassischerweise weniger schnell beim Aufsaugen neuer Techniktrends wie junge Männer.

Doch nun gibt es den ersten Mega-Bestseller der E-Book-Ära. Vor wenigen Tagen knackte das Buch als erster Titel die Marke von einer Million bezahlter Downloads für Amazons Lesegerät Kindle. Man verkaufe doppelt so viele digitale wie gedruckte Ausgaben, verkündete der Online-Händler. Der Verlag Random House steigerte den Anteil von E-Books an den US-Umsätzen dank "Shades" auf 25 Prozent - und erwartet auch in Deutschland Großes, wenn das Werk am 9. Juli unter dem Titel "Shades of Grey - Geheimes Verlangen" gedruckt in den Läden und digital zum Download bereit liegt. Aus Branchensicht wäre ein E-Book-Bestseller auch hierzulande dringend nötig. Optimistische Experten schätzen den digitalen am deutschen Belletristik-Markt für dieses Jahr auf rund drei Prozent.

Ein "Mommy Porn"

Das Geheimnis des E-Buchwunders liegt im Genre: "Shades" ist ein Softporno für Frauen über 35. Oder wie es US-Medien nannten: "Mommy Porn". Die Erotik ist so konservativ (der Mann ist reich und dominant, die Frau jung und naiv) dass er sich selbst in den USA gut verkauft und so freizügig (es gibt leicht Andeutungen von Sado-Maso), dass Millionen Käuferinnen das Buch des Schamgefühls wegen in der Öffentlichkeit lieber auf einem diskreten E-Reader lesen, als in einem Buch mit einem durch das ganze U-Bahn-Abteil sichtbaren Titelaufdruck.

Dabei wäre der Verlagsbranche das Buch der bisher hauptberuflich als Managerin in einem TV-Konzern tätigen Autorin E.L. James beinahe durch die Lappen gegangen. "Die Autorin hat online unter dem Psedunym Snowqueen's Icedragon eine frühere Version der Story mit anderen Figuren unter dem Titel 'Master of the Universe' als Fortsetzungsgeschichte veröffentlicht", heißt es am Anfang es Romans.

In der Originalversion hatte die Hauptfigur noch nicht ihren Porno-Namen Anastasia Steele, sondern hieß Bella Swan, wie die Hauptfigur im Teenager-Vampir-Epos "Twilight". Die Art von Literatur ist gewöhnlich unter dem Label Fan-Fiction bekannt. So nennt man das, wenn schreibende Amateure ihren Lieblingsfiguren aus Fantasy- und Science-Fiction-Epen in eigenen Geschichten das hinzu dichten, woran ihnen bei "Star Wars" und dem "Herrn der Ringe" in der Regel mangelt: ein Sexleben.

FTD

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