30 Jahre Videotext Hässlich, alt - und erfolgreich


Die Grafik ist schlimm und der Seitenaufbau dauert ewig - dennoch ist der Videotext im Fernsehen auch in Zeiten des Internet ein Renner. Jetzt wird das Infoangebot 30 Jahre alt. Sein Erfolgsrezept: Kürze ohne Würze.

Zum 30. Geburtstag des Videotextes am Dienstag lag das Angebot der ARD deutlich vor der Konkurrenz. Der ARD Text kam in den ersten fünf Monaten 2010 auf 18,9 Prozent Marktanteil. Dahinter folgt das ZDF mit 14,2 Prozent vor RTL mit 12,6 Prozent und Sat.1 mit 9,8 Prozent. Trotz des wachsenden Internets erfreut sich der Videotext weiter hoher Popularität: Fast 17 Millionen (verschiedene) Zuschauer in Deutschland nutzen täglich den Text. Ihre durchschnittliche Verweildauer beträgt etwa sieben Minuten.

Der Erfolg liege an der "Beschränktheit" auf kurze Informationen und an der "Eindeutigkeit", sagte Frauke Langguth, Leiterin des ARD Textes, der Nachrichtenagentur dpa. Damit unterscheide sich der Videotext stark vom Internet, das weitaus vielfältiger sei.

In der Kürze liegt immer noch die Würze

Auch neuere Entwicklungen hält Langguth nicht für bedrohlich. "Dass mehr und mehr TV-Geräte demnächst mit Internetzugang ausgestattet sind, ist aus unserer Sicht eine spannende Entwicklung", sagte Langguth der dpa. "Aber das Fernsehen bleibt ein Medium fürs Sofa, nicht für den Schreibtisch. Um sich weiterhin kurz zu informieren, was los ist, bleibt der Videotext ideal."

Übertragen werden die Daten des Videotextes, der vor allem vom Privat-TV als Teletext bezeichnet wird, in einer Lücke im Fernsehsignal, der sogenannten Austastlücke. Der Betrieb wurde von ARD und ZDF gemeinsam am 1. Juni 1980 aufgenommen. Am Jahresende 1980 gab es 70.000 Haushalte in der Bundesrepublik mit teletextfähigen Fernsehgeräten. Bis zum Jahresende 1983 stieg die Zahl auf rund eine halbe Million.

Börse, Sport und Programminformationen

Im Jahr 2008 waren es 33,49 Millionen, was einem Ausstattungsgrad von 96 Prozent entspricht. Im DDR-Fernsehen wurde der Videotext erst nach der Wende im Mai 1990 eingeführt. Seit dem Jahr 2000 gehen ARD und ZDF eigene Wege - jeder bietet für sich seine Seiten an. Hinter den großen vier Fernsehsendern ARD, ZDF, RTL und Sat.1 kommen die Angebote von n-tv auf 4,8 Prozent und von ProSieben und RTL II jeweils auf 3,3 Prozent Marktanteil. Hoch im Kurs stehen Inhalte wie Börse, Programminformationen und Sport, allen voran am Samstag die Bundesligaseite 251, die bei ARD und ZDF sehr ähnlich ist.

Optisch und technisch hat sich der Videotext seit 1980 kaum verändert. Nach wie vor stehen nur 800 Seiten mit Unterseiten, sechs Farben und 23 Zeilen á 40 Zeichen zur Verfügung. Seit ein paar Jahren kann man den Videotext auch im Internet und auf mobilen Endgeräten empfangen. ARD- Programmdirektor Volker Herres bringt es werbend auf den Punkt: "Wenn es keinen Videotext gäbe, müsste man ihn erfinden, denn schneller kann man sich als Fernsehzuschauer kaum über das aktuelle Geschehen informieren."

DPA DPA

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