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Digitalkameras: Welcher Kamera-Typ ist der richtige für mich?

Digitale Kompaktkameras protzen mit ausgeklügelten Sonderfunktionen. Spiegelreflexkameras werden immer günstiger. Handys machen auch akzeptable Fotos. Und Bridge-Kameras drängeln sich irgendwie dazwischen. Ein kleiner Führer durch den Systemdschungel.

Von Ulf Schönert

Auge auf beim Digitalkamera-Kauf!

Auge auf beim Digitalkamera-Kauf!

Fast jeder besitzt inzwischen eine Digitalkamera, manche sogar ohne es zu merken. Sie stecken in fast jedem Handy, in Videokameras, in Notebooks, in Ferngläsern, in Armbanduhren, in Taucherbrillen und Spielkonsolen. Manche sind so klein wie früher nur Fotoapparate von Geheimagenten waren, manche noch immer groß und klobig wie alte Analog-Kameras. Mehrere hundert neue Modelle kommen in jedem Jahr auf den Markt. Es gibt sie futuristisch, edel, aus Plastik für Kleinkinder, im Retro-Look, wasserdicht und stoßfest. Die Billigsten kriegt man für weniger als 30 Euro im Sonderangebot, für die teuersten kann man bis zu 10.000 Euro ausgeben. Selbst die Pressefotografen, von denen sich lange Zeit viele zum Teil sehr energisch gegen die neue Technik gesperrt hatten, haben inzwischen fast alle auf digital umgestellt. In Deutschland gibt es 80 Millionen Menschen - und etwa 130 Millionen Digitalkameras.

Noch nie wurde so viel fotografiert wie heute. In Deutschland wird in jeder Sekunde 1 000 Mal der Auslöser einer Digitalkamera oder eines Fotohandys gedrückt. Die Zahl der allein beim Online-Bilderdienst Flickr gespeicherten Fotos geht in die Milliarden - die meisten davon wurden mit Digitalkameras aufgenommen. Die Omnipräsenz der digitalen Fotografie zeigt sich vor allem dann, wenn irgendwo etwas Weltbewegendes passiert: Nur Sekunden vergehen, und der erste Passant hat seine Kamera gezogen, um Fotos vom Autounfall oder vom Flugzeugabsturz zu machen.

Ungeheurer Fortschritt

Wenn man sich vor Augen hält, wie unförmig, teuer und mangelhaft digitale Kameras noch vor zehn Jahren waren, ist es kaum zu glauben, wie klein, billig und gut die Technik heutzutage geworden ist. Funktionen, die früher nur in Profi-Kameras steckten, gibt es inzwischen auch in Anfängerkameras - zum Beispiel den Verwacklungsschutz oder die Gesichtserkennung. Gar nicht hoch genug zu bewerten ist, wie sich die Kapazität von Speicherchips und Batterien verbessert haben. Mussten sich Digitalfotografen früher stets in der Nähe einer Steckdose aufhalten, weil ihnen nach kurzer der Saft auszugehen drohte, können sie heute Tausende Bilder machen, ohne neu aufzuladen. Und auf handelsübliche Speicherkarten passen mehr Bilder, als man in einem ganzen Urlaub knipsen kann.

Inzwischen ist die Technik so ausgereift, dass die Hersteller vor einem ganz neuen Problem stehen. Früher fiel es ihnen leicht, neue Kameras zu verkaufen, denn jede Neuerscheinung war schneller, leistungsfähiger, hochauflösender, energiesparender, kompakter oder gleich alles zusammen. Inzwischen gehen den Herstellern die Argumente aus, warum das jeweilige Nachfolgemodell besser sein soll als der Vorgänger, der im Prinzip auch schon alles konnte. Deshalb spendieren sie ihren neuen Kameras immer neue Funktionen, etwa die Möglichkeit, HD-Videos zu drehen, einen zweiten Monitor an der Kameravorderseite, GPS-Module, einen eingebauten Projektor. Das meiste davon braucht eigentlich kein Mensch.

Wenn alle Kameras alles können: Kann man dann nicht einfach irgendein Modell kaufen? Ganz so einfach ist es auch nicht. Zwar machen auch sehr preisgünstige Kameras inzwischen passable Fotos. Doch noch immer gibt es unterschiedlich ausgestattete Geräte für unterschiedliche Einsatzzwecke.

Vier Klassen von Kameras

Grundsätzlich kann man Digitalkameras in vier Klassen einteilen: Kompaktkameras, Bridgekameras, Spiegelreflexkameras, und seit Neuestem auch so genannte Systemkameras.

Kompaktkameras definieren sich erst einmal durch ihre Größe: Sie sind klein. Weil sie ein Objektiv haben, das sich beim Ausschalten automatisch in das Gehäuse absenken lässt (bei manchen Kameras kommt es gar nicht erst heraus), passen sie problemlos in die Hosentasche. Neben ihren geringen Abmessungen, die sie zum idealen Reisegefährten machen, ist ihr größter Vorteil der geringe Preis. Doch kompakt hat auch Nachteile: Die kleinen Objektive und Fotochips sind längst nicht so leistungsstark wie die der größeren Modelle, was bei schwierigen Lichtsituationen zu Problemen führen kann.

Bridgekameras unterscheiden sich von Kompaktkameras durch die feststehenden Objektive. Die lassen sich nicht einfahren, sind aber qualitativ besser, weil sie mehr Licht in die Kamera lassen. Bridgekameras sind insgesamt größer und schwerer, und meistens insgesamt hochwertiger verarbeitet als Kompaktkameras. Wer mit einer Bridgekamera fotografiert, dürfte in der Regel bessere Fotos machen. Bridgekameras sind aber auch relativ teuer.

Spiegelreflexkameras sind noch mal etwas größer als Bridgekameras. Zum Auslösen verwenden sie einen mechanischen Spiegel, was den Vorteil hat, dass man seine Fotos im Sucher optimal komponieren kann. Spiegelreflexkameras verfügen meist über relativ große Fotochips. Im Gegensatz zu Bridgekameras kann man bei Spiegelreflexkameras die Objektive wechseln.

Zusätzlich zu den klassischen drei Klassen treten neuerdings immer häufiger Mischformen aus Bridgekamera und Spiegelreflexkameras auf, zum Beispiel die E-P1 von Olympus. Die hat zwar keinen Spiegel, wohl aber wechselbare Objektive. Viele Experten glauben, dass diese Bauweise, meist als Systemkamera bezeichnet, langfristig die Bridge- und teilweise auch die Spiegelreflexkameras ersetzen wird, so dass es in Zukunft dann nur noch zwei wichtige Kameraklassen geben könnte: Kompaktkameras und Systemkameras.