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Streaming Netflix überarbeitet seine Top 10 – und will endlich zeigen, was wirklich beliebt ist

Ein Mann sucht nach Filmen und Serien auf Netflix
Die Top-10-Funktion bei Netflix bekommt eine neue Berechnungs-Grundlage
Welche Serien und Filme werden am meisten geschaut? Bei dieser Frage ist Netflix überraschend zurückhaltend. Nun will der Streaming-König seine Bestenlisten transparenter machen.

Was schauen die anderen? Diese Frage beantwortete Netflix lange so gut wie gar nicht. Erst mit der Einführung der Top-10-Serien und -Filme in der Oberfläche bekam man einen besseren Eindruck, was eigentlich beim Streaming-Pionier beliebt ist. Doch auch bei dieser Maßnahme wurde Netflix immer wieder vorgeworfen, nur die Rosinen herauszupicken. Mit einer neuen Maßnahme will der Konzern nun für mehr Transparenz sorgen.

Das kündigte Netflix am Dienstag in einem Blogpost an. Man habe eine Menge Kritik wegen der bisherigen Praxis bekommen, gibt der Konzern gleich in der Einleitung unumwunden zu - und verspricht nun, es besser zu machen. Mit einer Webseite namens "Top10 on Netflix" will der Konzern nun jede Woche verraten, welche Serien und Filme rund um die Welt und in einzelnen Ländern am besten ankamen. 

Wer schaut was?

Dabei will Netflix auch seine bislang genutzte und extrem umstrittene Praxis zur Messung des Erfolgs ändern. Bisherige Rankings gaben nur an, wie viele Accounts die ersten zwei Minuten eines Inhaltes ansahen. Ob sie dann weiter schauten oder genervt abschalteten - das spielte keine Rolle. Die Aussagekraft ließ entsprechend zu wünschen übrig. Das hat wohl auch Netflix eingesehen. "Herauszufinden, wie man Streaming-Erfolg am besten misst, ist wirklich schwer. Und es gibt nicht einen perfekten Wert", gibt der Anbieter zu.

Statt der Anfangsminuten hat man sich nun für ein neues Modell entschieden: Netflix listet von nun an die gesamten Minuten, die eine Serie oder Film geschaut wurde - unabhängig davon, wie viele Menschen sie sahen oder wann abgeschaltet wurde. Das hat bei genauer Betrachtung eine interessante Auswirkung: Serien, die von vielen Menschen durch einen gewissen Hype gesehen werden, bekommen dadurch Konkurrenz durch solche, die zwar weniger Zuschauer anziehen, diese dann aber länger fesseln.

"Squid Game" bleibt ungeschlagen

Um auch vergangene Hits mit der neuen Erfolgsmessung vergleichbar zu machen, listet Netflix zudem auch seine bisher am längsten geschauten Filme und Serien, jeweils gemessen an den geschauten Stunden in den ersten 28 Tagen. Die klare Nummer 1 bei den Filmen ist damit der Thriller "Bird Box" mit Sandra Bullock, bei den Serien läuft keine "Squid Game" auch nur annähernd den Rang ab: Mit 1,6 Milliarden Stunden hatte die Hype-Serie über zweieinhalbmal so viele Zuschauer wie der Zweitplatzierte, die erste Staffel von "Bridgerton". Auch in der deutschen Top-10-Liste war die Serie demnach seit September durchgehend die Nummer 1. Schade: Die gesamte Minutenzahl für ein einzelnes Land wird weiterhin nicht verraten.

Ohnehin ist Netflix Liste weiterhin nicht so transparent, wie es eigentlich wünschenswert wäre. Schließlich liegen dem Konzern auch sämtliche Werte wie die durchschnittlichen Zuschauerzahlen für einzelne Folgen oder der häufigste Moment für einen Abbruch vor. Und auch die gesammelten Minuten verraten zwar, welche Inhalte oft gesehen werden - aber nicht, welche lieber gemieden werden. Daten dieser Art bleiben auch weiter in Netflix' Archiven verborgen.

Das liegt sicher auch daran, dass Netflix diese Form der Transparenz nicht als Funktion der Listen sieht. "Die Leute wollen wissen, was einen Erfolg in der Streamingwelt darstellt und diese Listen sind die klarste Antwort darauf", erklärt der Post. Und verrät dann, worum es dem Dienst in erster Linie mit der Maßnahme gehen dürfte: "Vor allem hoffen wir, dass unseren neuen wöchentlichen Top 10 den Fans helfen wird, neue Geschichten zu finden", heißt es unumwunden am Ende. Sie sollen also vor allem das tun, was auch die bisherigen Listen erreichten: Die Zuschauer auf neue Inhalte aufmerksam machen. Und sie so an den Streamingdienst zu binden.


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