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#jluoffline: Mutmaßlicher Hackerangriff: Uni Gießen ist seit mehr als einer Woche komplett offline

Dass das Internet in vielen Bereichen beinahe unersetzlich ist, zeigt sich gerade an der Uni Gießen. Dort wurde man nach einem mutmaßlichen Hackerangriff aus Sicherheitsgründen komplett vom Netz genommen – und das sorgt für gewaltige Probleme.

"Die Website ist nicht erreichbar" wird angezeigt

An der Universität Gießen sind die Computersysteme vollständig ausgefallen

DPA

Das Internet ist aus unserem Leben gar nicht mehr wegzudenken. Auch Universitäten, ihre Angestellten und Studierenden nutzen es täglich zum Lernen, Lehren und zur Organisation. Wie sehr man darauf angewiesen ist, zeigt sich gerade an der Justus-Liebig-Universität (JLU) im hessischen Gießen: Seit dem 8. Dezember ist das Datennetz der Universität lahmgelegt. Betroffen sind Internet, E-Mail und interne Netzwerke – die nun nicht mehr genutzt werden können, wie die Uni in einem offenen Brief vom 13. Dezember mitteilt.

Nach einem "schwerwiegenden IT-Sicherheitsvorfall" hat die Universität ihre Server heruntergefahren. "Aktuell sind keine Informationen zur Dauer des Serverausfalls möglich. Vom Ausfall betroffen ist auch das Prüfungsverwaltungssystem. "Dies hat zur Folge, dass die Universität derzeit nicht in der Lage ist, ihren Absolventinnen und Absolventen sowie ihren Studierenden Zeugnisse oder sonstige Bescheinigungen über ihr Studium zu erteilen."

Uni-Präsident spricht von "digitalem Notstand"

Der Totalausfall führt zu weiteren Folgeproblemen: Die Ausleihe von Büchern in der Bibliothek, der Internetzugang in Studierendenwohnheimen oder Raumreservierungen sind unmöglich oder erschwert. Immerhin eine Ersatz-Internetseite der Uni funktioniert, zeigt aber nur noch Informationen zum mutmaßlichen Hackerangriff und zu den Maßnahmen, die dazu getroffen wurden. Das ganze Desaster wurde mit dem Hashtag #jluoffline betitelt. In einem FAQ gibt die Universität Antworten darauf, was alles funktioniert und was nicht. Die Bewerbung für Studienplätze sei beispielsweise weiterhin möglich und Abgabefristen seien verlängert worden.

Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der Universität, wandte sich in einer Videobotschaft an Beschäftigte und Studierende der Uni, in der er von einem "digitalen Notstand" spricht und allen Betroffenen und Beteiligten dankt. "Wir werden noch einen weiteren, längeren Weg vor uns haben, bis wir die volle Funktionsfähigkeit in der digitalen Welt für uns zurückgewonnen haben. Deswegen hoffe ich sehr, dass wir auch in den nächsten Tagen und Wochen als universitäre Gemeinschaft zusammenstehen." Den Studierenden versichert er, dass ihnen "keine Nachteile entstehen werden".

Schlange stehen für ein neues Passwort

Um wenigstens die E-Mail-Kommunikation vor Weihnachten wieder zum Laufen zu bekommen, sollen die Studierenden neue Passwörter bekommen. Aus Sicherheitsgründen allerdings persönlich, weshalb nun rund 38.000 Studierende sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Turnhalle des Campus – welches zum Passwort-Ausgabe-Zentrum umgewandelt wurde – Schlange stehen müssen, wie der Radiosender Deutschlandfunk Nova berichtet.

Wann wieder alles so wie gewohnt läuft, ist noch unklar. Es könnte tatsächlich mehrere Monate dauern. Laut dem Onlineportal "Heise Online" würde für die Bereinigung des Systems das Programm Desinfec't genutzt. Es wurde außerdem Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, wie das Magazin "Zeit Campus" berichtet.

Quellen: Universität Gießen, Deutschlandfunk Nova, "Heise Online", "Gießener Anzeiger", "Zeit Campus"

rw