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"Project Wing" Google testet Boten-Drohne in Australien


Als Amazon den Prototypen einer Zustell-Drohnen vorstellte, hielten das viele für einen Werbe-Gag. Aber auch Google arbeitet an fliegenden Paketboten. Das Ziel: Warenlieferung in ein bis zwei Minuten.

Der US-Internetkonzern Google testet wie der Online-Versandhändler Amazon die Paketauslieferung per Drohne. Seit zwei Jahren tüftle das Unternehmen an unbemannten Fluggeräten, kürzlich habe es erste Testflüge in Australien gegeben, teilte Google am Donnerstag mit. Der Konzern erhofft sich von seinem "Project Wing" eine Revolution des Transportwesens. Drohnen könnten laut Google auch bei Hilfseinsätzen nach Katastrophen zum Einsatz kommen.

Im August hätten die in den zwei Jahren Forschung entwickelten Drohnen Süßigkeiten, Wasser, Medikamente und Hundefutter an zwei Farmen im australischen Queensland geliefert, teilte der Konzern mit. Zwei Jahre lang solle ihr Einsatz noch weiter getestet werden. Dann könnten sie auch in schwer zugänglichen Regionen eingesetzt werden oder bei Notfällen wie nach einem Wirbelsturm oder einem Erdbeben, sagte der Chef der Forschungsabteilung Google X, Astro Teller, der französischen Zeitung "Le Parisien".

"Heute werden Fahrzeuge, die mehr als zwei Tonnen wiegen, dazu eingesetzt, Dinge auszuliefern, die nichts wiegen", kritisierte Teller. Dies sei ineffizient, umweltschädlich und sorge für Staus. Mit einem "fliegenden Transportmittel" könnten diese Nachteile ausgeräumt werden.

Alles in zwei Minuten haben

Google veröffentlichte ein Video von den Testflügen. Die Drohnen in Googles Project Wing sehen wie kleine Flugzeuge mit vier Propellern aus. Sie sind etwa 1,5 Meter breit und 80 Zentimeter hoch. Die Drohnen stehen am Boden auf dem Heck, starten senkrecht und gehen dann in den Horizontalflug über. Bei der Zustellung der Fracht landen sie nicht, sondern lassen das Paket an einem Seil herunter. Das sei unter anderem für die Sicherheit gedacht, erläuterte Projektleiter Nick Roy der US-Website "The Atlantic". Kunden neigten dazu, nach dem Paketen zu greifen, auch wenn sie wüssten, dass die Rotoren der Drohnen gefährlich seien. Man habe auch den Abwurf der Fracht mit kleinen Fallschirmen ausprobiert - das sei aber zu ungenau gewesen.

Die Drohnen sollen in Höhen von etwa 40 bis 60 Metern automatisch zu ihrem Ziel fliegen. Dafür könnten Googles Kartendienste und die Ortsdaten von Smartphones mit dem Android-System von Google nützlich sein, sagte Teller der "Berliner Zeitung". Um Lieferungen zustellen zu können, werde es etwa entscheidend sein, den Aufenthaltsort der Person zu bestimmen. "Google hat sehr viele Daten, die dabei helfen können, dieses Problem zu lösen."

"Das langfristige Ziel ist es, nahezu jeder Person nahezu alles innerhalb von ein bis zwei Minuten bringen zu können", sagte Teller der "Berliner Zeitung". "Wir denken, dass Geschwindigkeit entscheidend ist, um das Konsumverhalten von Menschen grundlegend zu verändern."

Amazon wartet Genehmigung für US-Flüge

Der US-Internethändler Amazon hatte Ende vergangenen Jahres mit der Ankündigung für Furore gesorgt, seit geraumer Zeit mit Drohnen zu experimentieren. Die von mehreren kleinen Rotoren angetriebenen Mini-Flugroboter sollen Pakete bis zum Kunden nach Hause bringen. Amazon-Chef Jeff Bezos erklärte, seine Kunden schon ab 2015 durch unbemannte Flugobjekte beliefern zu wollen, wenn die US-Behörden dies genehmigten.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA arbeitet daran, Regeln für den Einsatz von Drohnen zu erarbeiten, weil im Luftraum der USA ohnehin schon viel Betrieb herrscht. Der gewerbliche Einsatz von Drohnen ist deshalb ohne Genehmigung verboten. Vergangenen Monat beantragte Amazon bei der FAA Testflüge. Da diese ohne Erlaubnis verboten seien, habe Amazon bisher Testflüge in Gebäuden und in anderen Ländern abgehalten, schrieb der Konzern an die FAA.

ono/AFP/DPA DPA

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