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Nach zehn Jahren Jagd 50.000 Bitcoin in einer Popcorn-Dose versteckt: US-Behörden beschlagnahmen Milliarden-Beute

Die Beute wurde auf Datenträgern, als Bargeld und in Form von Edelmetallen beschlagnahmt
Die Beute wurde auf Datenträgern, als Bargeld und in Form von Edelmetallen beschlagnahmt
© Department of Justice
Immer wieder werden in Verbindung mit Online-Raubzügen atemberaubende Summen erbeutet. Der US-Steuerbehörde gelang nun ein besonderer Coup. 

Wo steckt die Beute aus einem Verbrechen? Diese Frage beschäftigt die Ermittlungsbehörden oft genauso intensiv wie die Suche nach den Tätern. In den USA wurden Ermittler in einem besonders skurrilem Versteck fündig. Und stießen an ungeahnter Stelle auf Milliarden Euro in Bitcoin.

Das meldete das Justizministerium gestern in einer Pressemitteilung. Demnach war es Sonderermittlern der Steuerbehörde IRS nach jahrelanger Arbeit gelungen, einen cleveren Bitcoin-Dieb aufzuspüren. Als sie das Haus des 32-jährigen James Z. durchsuchten, wurden sie tatsächlich fündig: Er hatte neben Bargeld und "verschiedenen Metallbarren – vermutlich Gold und Silber – auch über mehrere Datenträger verteilte Bitcoin zu Hause gehortet. Und das nicht zu knapp: Über 50.000 der digitalen Münzen konnten die Ermittler beschlagnahmen. Gesamtwert zum Zeitpunkt der Durchsuchung: sagenhafte 3,39 Milliarden Dollar.

Milliarden im Badezimmer-Schrank

Dabei war der Angeklagte bei seinen Verstecken durchaus kreativ gewesen. Ein klassisch versteckter Bodensafe enthielt neben Geldbündeln und Edelmetallen auch 25 sogenannte Casascius-Münzen, eine Art physische Kryptomünze im Wert zehntausender Euro. Der echte Schatz war aber schon deutlich subtiler versteckt. In einem Badezimmer-Schrank stießen die Ermittler auf eine Blechdose, die früher Popcorn enthalten hatte. Unter in den darin gelagerten Handtüchern entdeckten sie schließlich einen eingewickelten USB-Stick – und darauf über 50.000 Bitcoin.

Die stammen aus einem Überfall, den Z. bereits gestanden hat. Das Ziel: Ausgerechnet die größte Drogenplattform der damaligen Zeit, die berüchtigte Darknet-Seite Silk Road. Dem Dieb Z. war es im September 2012 gelungen, das Bezahlsystem der Seite auszutricksen, fanden die Ermittler heraus. Dazu zahlte er Bitcoin in sein eigens dafür eingerichtetes Konto auf dem Drogenumschlagplatz ein. Und hob es gleich wieder ab. Allerdings nicht nur einmal. Mit einem Programm ließ er mehrere Dutzend Mal innerhalb einer Sekunde den gleichen Betrag abheben. Weil die Seite überfordert war, zahlte sie ihn für jede der Anfragen einzeln aus. Auf einem Account soll er 50 Abhebungen geschafft haben, bevor die Seite ihn sperrte.

Schon zum Zeitpunkt des Diebstahls hatte Z. ein kleines Vermögen eingenommen. Der Bitcoin hatte gerade die Marke von 10 Dollar pro Münze geknackt, stieg dann auf 12 Dollar an. Z. war also auf einen Schlag zwischen 500.000 und 600.000 Dollar reicher. Doch der wahre Boom kam erst noch. Immer weiter kletterte der Kurs nach oben. Als die Polizei im letzten November sein Haus durchsuchte, hatte er gerade sein Allzeithoch überschritten. Jede einzelne der erbeuteten Münzen war fast 60.000 Dollar wert.

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Harte Strafe zu erwarten

Dass Z. nicht von gesetzestreuen Bürgern, sondern von dem längst verurteilten Betreiber der Silk Road stahl, interessiert die US-Behörden nicht. Die Anklage lautet auf "Wire Fraud", also Überweisungs-Betrug. Die Höchststrafe liegt nach Angaben des Justizministeriums bei 20 Jahren Gefängnis. Weil Z. aber gestanden hat und freiwillig etwa 1000 weitere erbeutete Bitcoin aushändigte, dürfte er aber eine geringere Strafe erhalten.

Für die Behörden ist der Fall ein gigantischer Erfolg. Fast zehn Jahre lang war es geradezu ein Mysterium gewesen, wer den Darknet-Marktplatz bestohlen hatte. Z. war es gelungen, die Anonymität des Darknets und der Kryptowährung geschickt zur Verschleierung zu nutzen. Dass die Steuerbehörde ihm nun trotzdem auf die Schliche kam, dürfte anderen Online-Kriminellen ein Warnsignal sein.

Quelle:US-Justizministerium

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