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Streit um Milliarden-Deal Amazon wirft Trump offen Korruption und Vetternwirtschaft vor

Amazon Chef Jeff Bezos im Visier von Donald Trump
Donald Trump hat an Amazon-Chef Jeff Bezos einen Narren gefressen
© Evan Vucci, Cheriss May / Picture Alliance
Es ist einer der größten Tech-Aufträge der letzten Jahre - den Donald Trump wegen seines persönlichen Zwists mit Jeff Bezos nicht an Amazon vergeben wollte. Davon ist der Konzern überzeugt - und erhebt schwere Vorwürfe gegen den US-Präsidenten.

Ein gigantischer Pentagon-Auftrag, zwei der wertvollsten Konzerne - und eine persönliche Fehde zwischen dem US-Präsidenten und dem reichsten Mann der Welt: Die Vergabe des JEDI-Vertrags hat alle Elemente eines großen Dramas. Nun hat es ein Ende gefunden, das Amazon überhaupt nicht gefällt. Der Konzern stellt offen Korruptionsvorwürfe gegen den Präsidenten und das Pentagon in den Raum.

Bei dem Auftrag geht es um viel, nicht nur in Bezug auf das Geld. Die US-Streikräfte jonglieren seit Jahren mit mehreren parallel betriebenen IT-Systemen, die einzeln gepflegt werden müssen und nur teilweise kompatibel miteinander sind. Das 10 Milliarden Dollar schwere JEDI-Programm soll nun alle auf die gleiche Cloud-Architektur bringen. Eine gigantische Aufgabe, auf die sich eine ganze Reihe von Silicon-Valley-Konzernen bewarben. Am Ende setzte sich letzten Oktober Microsoft gegen den letzten verbliebenen Konkurrenten Amazon durch. Aber nur, weil Donald Trump Probleme mit Jeff Bezos hat, glaubt Amazon.

"Scheiß' auf Amazon"

Dieser Vorwurf kommt nicht aus dem Nichts. Im letzten Sommer galt Amazon noch als Favorit für den Auftrag, als Donald Trump sich erstmals öffentlich in die Vergabe einmischte. Es habe "schockierende Beschwerden" über den Konzern gegeben, erklärte der US-Präsident damals. Er werden den Auftrag "genau prüfen lassen." Hinter verschlossenen Türen soll Trump dann deutlich weniger zurückhaltend geklungen "Screw Amazon" soll er über den Konzern seines Lieblingsfeindes Jeff Bezos gesagt haben, eine Phrase, die sowohl mit "Scheiß' auf Amazon", als auch mit "leg Amazon übers Ohr" übersetzt werden kann.

Auch die US-Behörden nahmen die Vorwürfe ernst. Anfang des Jahres konnte eine Klage gegen die Vergabe eine Verzögerung des Auftrags erreichen, Amazon plante sogar, Trump selbst in den Zeugenstand zu rufen. Dass das nicht passieren würde, war dann im April klar: Das Pentagon rechtfertigte sich in einem Bericht zwar ausführlich für den Vergabeprozess, berief sich aber in vielen relevanten Punkten auf das Geheimhaltungsrecht. Am Freitag wurde nun das Ergebnis Prüfung des Verteidigungs-Ministeriums offiziell verkündet: Auch nach einer erneuten Untersuchung sehe man immer noch Microsofts Angebot als das bessere an, heißt es dort. 

Schwere Vorwürfe von Amazon

Bei Amazon fiel die Reaktion überraschend undiplomatisch aus. In einem langen Post bekräftigte die Cloud-Sparte des Konzerns, dass man sich zu Unrecht um den Auftrag gebracht sah. Dabei nimmt man kein Blatt vor den Mund. "Der Präsident hat in letzter Zeit immer öfter seine Rolle missbraucht, um aus politischen Gründen Regierungsaufträge zu beeinflussen", heißt es etwa. "Selbst jene, die unserem Land in ihrem Streben nach Gerechtigkeit und Fairness dienen wollen, wurden vom Präsidenten aufs Abstellgleis befördert, und durch blanke Vetternwirtschaft ersetzt." Die Rechtfertigung des Verteidigungsministeriums solle nur "eine fehlerhafte, voreingenommene und korrupte Entscheidung" legitimieren, schimpft der Blogpost geradezu.

Diese Art von direkten Vorwürfen an den Präsident und seine Regierung ist durchaus bemerkenswert. Tatsächlich hatte sich Amazon bei der Kommunikation gegenüber der US-Regierung deutlich zurückgehalten. Während der Präsident quasi von Anfang an gegen Bezos und Amazon schoss, antwortete der Konzern nicht oder nur vorsichtig. Als Grund hinter den Attacken wird Trumps' Wut auf die "Washington Post" vermutet, die ebenfalls Jeff Bezos gehört. Laut eigenen Angaben hat Besitzer Bezos zwar keinen Einfluss auf die Inhalte der etablierten Zeitung, der Präsident hatte ihn aber immer wieder persönlich für die sehr Trump-kritische Berichterstattung verantwortlich gemacht und Bezos, die "WaPo" und Amazon quasi gleichbedeutend immer wieder attackiert. 

Der Höhepunkt der persönlichen Angriffe war schließlich der Versuch des "National Enquirer", Bezos mit Nacktfotos einer Affäre zu erpressen. Die Zeitung und ihr Chef Dylan Howard  sind eng mit Trump verbunden, die Zeitung hatte mehrfach unliebsame Artikel über ihn aufgekauft und unter den Teppich gekehrt. Als Bezos die Erpressung mit den in einem Whatsapp-Hack erbeuteten Nacktbilder öffentlich machte, hatte das teure Folgen: Die nachfolgende Scheidung von seiner Ex-Frau Mackenzie Bezos, die mittlerweile wieder ihren Geburtsnamen Scott angenommen hat, war die teuerste der Geschichte.

Kultur des vorauseilenden Gehorsams

Ob Amazon dieses Wissen um Trumps Abneigung letztlich nützt, steht auf einem anderen Blatt. Um den Auftrag jetzt noch an sich reißen zu können, müsste der Konzern klar beweisen, dass Trump direkte Anweisungen gegeben hat, den Auftrag an Microsoft zu vergeben, obwohl das Angebot Amazons besser gewesen sei. Das dürfte alleine schon wegen der Geheimhaltung schwierig sein.

Ein weiteres Problem könnte aber sein, dass Trump den Prozess eventuell gar nicht direkt beeinflussen musste. Denn obwohl er der Oberkommandeur der Streitkräfte ist, sind Tweets und Aussagen in Pressekonferenzen keine offiziellen Befehle. Es sei allerdings immer öfter zu beobachten, dass das Militär nach dem Willen Trumps handle, ohne dass er einen klaren Befehl gäbe, berichtete der Militär-Blog "Defense One" im Frühjahr. Stattdessen würde man aus Angst vor einer möglichen Reaktion des Präsidenten schon vorab unliebsame Entscheidungen vermeiden. So soll der damalige Navy-Kommandant Thomas Modly Warnungen eines Kapitäns über Covid-Fälle abgetan haben - weil er nicht das Schicksal seines Vorgängers teilen wollte. Der war von Trump gefeuert worden, weil er dessen Begnadigung eines Kriegsverbrechers nicht unterstützen wollte.

Nur Gewinner Microsoft zeigte sich angesichts des Konflikts weiter vorsichtig optimistisch. "Wir wissen zu schätzen, dass sich das Verteidigungsministerium nach einer ausführlichen Prüfung dafür entschied, dass wir die richtige Technologie zum besseren Preis geboten haben", sagte das Unternehmen "The Verge". 

Quellen:US-Verteidigungsministerium, AmazonDefense One, The Vergesd,


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