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Kichernde Soldaten Angriff im Pappkarton: Militärroboter mit legendärem Trick aus Videospiel überlistet

Metal Gear Solid 2 Sons of Liberty
In der Spielereihe "Metal Gear Solid" ist der Einsatz eines Pappkartons als Tarnung legendär – und funktioniert offenbar auch in der echten Welt.
© Screenshot Metal Gear Solid 2 Sons of Liberty / Konami
Nachdem US-Soldaten einen Militärroboter auf das Erkennen menschlicher Feinde trainiert haben, sollten sie Wege finden, die Technik zu überlisten. Besonders hilfreich waren dabei offenbar taktische Pappkartons.

Seit Ende der Achtziger gehören Pappkartons zur Grundausstattung eines inzwischen weltberühmten Geheimagenten. Die Rede ist nicht von James Bond, sondern von "Solid Snake", der Hauptfigur der "Metal Gear"-Spielereihe. Bereits 1987 tarnte sich der virtuelle Soldat erstmals mit einer Kiste – und machte diese einfache, aber äußerst effektive Tarnung, salonfähig.

Wer es nicht kennt: In "Metal Gear"-Titeln ist es möglich, sich in einem Karton vor dem Feind zu verstecken. Und das teils so effektiv, dass man unmittelbar vor dem Gegner stehen oder sogar gehen kann, ohne dabei entdeckt zu werden.

Künstliche Intelligenz sollte Menschen erkennen

In dem Buch "Four Battlegrounds: Power in the Age of Artificial Intelligence" des Militärexperten Paul Scharre beschreibt der Autor, wie diese Tarnung offenbar den Weg in die echte Welt gefunden hat. 

Darin heißt es, eine Gruppe US-Marines habe der "Defense Advanced Research Projects Agency" (DARPA), einer Behörde des Verteidigungsministeriums der USA, dabei geholfen, eine künstliche Intelligenz zu trainieren. Insgesamt sechs Tage seien die Soldaten im Blickfeld eines Roboters umhergelaufen, damit sich das System einprägen konnte, wie sich Menschen bewegen und woran man sie erkennt.

Am siebten Tag, so heißt es im Buch, habe man entschieden, die Trainingsfortschritte zu überprüfen. Die Marines wurden angewiesen, Wege zu finden, die Erkennung außer Kraft zu setzen. Der Militärroboter wurde auf eine Verkehrsinsel gestellt und die Soldaten erhielten den Befehl, sich aus weiter Entfernung anzunähern, ohne erkannt zu werden.

Was die KI nicht weiß, macht sie nicht heiß

Insgesamt sei es acht von acht Soldaten gelungen, den Roboter ohne Alarm zu erreichen. Die Methoden waren vielfältig. Zwei besonders fitte Marines hätten 300 Meter mit Purzelbäumen hinter sich gebracht, ein anderer Soldat habe sich als Tannenbaum verkleidet und sich "wie ein Tannenbaum" angenähert. Eine genaue Beschreibung, wie das ausgesehen haben soll, fehlt leider.

Zwei Soldaten müssen sich derweil an ihre Jugend und prägende Videospiele erinnert haben. Denn gemeinsam stülpten sich die beiden einen großen Karton über und näherten sich dem Roboter unerkannt. Zu ihrem Glück scheint der Roboter keine Mikrofone gehabt zu haben, denn ein Ingenieur berichtet, dass die beiden nicht aufhören konnten, zu kichern.

Der Grund, warum alle Soldaten den Roboter problemlos erreichen konnten, liegt auf der Hand: Die künstliche Intelligenz war nie auf die ungewöhnlichen Ideen trainiert worden. Sie hielt lediglich Ausschau nach natürlichen Bewegungen von Menschen, die das System vorher gelernt hatte. Deshalb hatten auch die Purzelbaum-Marines und der Tannenbaum-Soldat Erfolg – beides wurde vom Algorithmus nicht als Gefahr oder Person erkannt.

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