Smarte Haushaltshilfe Saugroboter mit Kamera reinigte ihr Bad – danach landeten Bilder einer Frau auf der Toilette im Netz

Frau auf Toilette
Aufnahmen dieser Art will man wirklich nicht im Internet haben. (Symbolbild)
© LuckyBusiness / Getty Images
Saugroboter mit Kamera gibt es inzwischen viele – eigentlich clever, denn es hilft den Geräten bei der Navigation. Unangenehm wird es dann, wenn besonders unvorteilhafte Bilder im Netz landen.

Eine Kamera in einem Saugroboter hat viele Vorteile. Geräte wie der Roborock S7 Maxv Ultra (hier im Test) navigieren sicherer, erkennen Hindernisse aller Art und bieten obendrein die Möglichkeit, aus der Ferne einen Blick in die eigenen vier Wände zu werfen. Doch die ständige Internetverbindung im Zusammenspiel mit einer Kamera kann zum Problem werden – IT-Experten warnen davor (hier erfahren Sie mehr).

Ein konkreter Fall aus Venezuela zeigt nun, dass man einem Roboter mit Kamera nicht die Chance geben sollte, unvorteilhafte Aufnahmen zu machen. Wie "Technology Review" berichtet, knipste ein iRobot Roomba J7 vor rund zwei Jahren besonders pikante Bilder.

Besuch auf der Toilette

Bei dem Roboter handelte es sich um eine spezielle Entwickler-Version, die iRobot nutzte, um mithilfe des Start-ups Scale AI die künstliche Intelligenz der Haushaltshelfer zu trainieren. Dafür schickte er – im Wissen der Nutzer:innen – Aufnahmen an die Spezialisten, damit diese vertraulich ausgewertet werden konnten.

Das Vertrauen in das Projekt war offenbar riesig, denn in einem konkreten Fall schien es eine Testerin nicht zu stören, dass der Roboter das Badezimmer reinigte, während sie auf der Toilette saß. Der Roboter muss die Person als Hindernis erkannt und gemeldet haben, denn die Aufnahme ging zur Auswertung an Scale AI. Dort blieb das Foto aber nicht, sondern fand sich später in privaten Facebook-Gruppen wieder. "Technology Review" erhielt im Rahmen der Recherche rund 15 solcher Bilder, insgesamt sollen die präparierten Roboter mehrere Millionen Aufnahmen an Scale AI geschickt haben – viele davon mit üblichen Hindernissen wie Schuhen und Schränken, andere mit Haustieren und Kindern.

Dem Hersteller ist in diesem konkreten Fall kein Vorwurf zu machen. Bei den Robotern handelte es sich erstens nicht um Verkaufsmodelle, die frei im Handel verfügbar waren, zweitens hatten sämtliche Tester eingewilligt, dass die Geräte Aufnahmen machen und verschicken würden. Auf den Saugern selbst soll ein großer Sticker zu sehen gewesen sein, auf dem "Aufnahme läuft" gestanden haben soll. 

Mit den Firmen, die mit der Analyse der Bilder beauftragt waren, habe man strenge Datenschutzverträge geschlossen, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Die Tatsache, dass die Aufnahmen ins Netz gelangt seien, sei ein klarer Verstoß gegen die Auflagen und werde entsprechend geahndet. Die Geschäftsbeziehung habe man inzwischen beendet und die Sicherheitsvorkehrungen bei anderen Vertragspartnern nochmals nachgeschärft, heißt es weiter.

Menschen vertrauen Technik viel zu sehr

"Technology Review" nimmt diesen konkreten Fall zum Anlass, erneut vor allzu viel Vertrauen in Technik zu warnen – und stützt damit die Sorgen von anderen Experten. Besonders bei der Moderation oder Auswertung von Daten, so das Magazin, sitze immer ein Mensch am anderen Ende – meist in einem fensterlosen Raum, apathisch klickend. 

Jessica Vitak, Informationswissenschaftlerin und Professorin am College of Information Studies der University of Maryland, hält den allgemeinen Umgang mit Technik für problematisch. "Es ist viel einfacher für mich, einen süßen kleinen Staubsauger zu akzeptieren, der sich durch meinen Raum bewegt, als jemanden, der mit einer Kamera durch mein Haus läuft", erklärt sie gegenüber "Technology Review" beispielhaft.

Die Warnung gilt keineswegs aber nur für Saugroboter. Zuletzt geriet auch Smart-Home-Hersteller Eufy in die Kritik, als man herausfand, dass Bilder der Sicherheitskameras ihren Weg nicht völlig ohne externe Speicherorte auf das Smartphone der Kunden finden. Zu einem Datenleck kam es nicht, dem Vertrauen in die Technik hat allerdings auch das geschadet.

Vereinfacht gesprochen: Wo eine Kamera ist, könnte jemand zuschauen – ganz simpel. Grundsätzlich gilt: Halten Sie smarte Kameras mit Internetverbindung von sensiblen Bereichen fern, deaktivieren Sie die Geräte zeitweise oder decken Sie die Kameras von Geräten ab, die sie ohnehin selten brauchen. 

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