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Kameras und Mikrofone IT-Experte hat Angst vor eigenem Saugroboter – und warnt jeden, der einen in der Wohnung hat

Eine Frau liegt auf dem Sofa, ein Saugroboter fährt vorbei. Ein IT-Experte ist besorgt.
Der heimische Saugroboter sieht, bedingt durch seine Arbeit, alles. Sicherheitsforschern missfällt dieser Gedanke sehr, ein IT-Experte warnt.
© Robert Kneschke / Picture Alliance
Moderne Saugroboter haben alles, was eine perfekte Überwachung ermöglicht. IT-Experte und Acronis-Gründer Serg Bell warnt davor, dass die fleißigen Helferlein daher eine ernstzunehmende Gefahr seien.

Serg Bell ist Gründer von Acronis – und damit ein Urgestein der Cybersicherheit. Gegenüber "The Register" verriet der IT-Experte, dass er Angst vor seinem eigenen Saugroboter hat. "Sie sollten sich vor Ihrem Staubsauger fürchten; er ist höchstwahrscheinlich in China hergestellt", sagte er. "Man denkt nicht unbedingt darüber nach, aber es handelt sich um ein potenziell erhebliches Sicherheits- und Datenschutzrisiko."

Gemeint sind natürlich keine besonders günstigen Geräte, die ziellos durch die Wohnungen dieser Welt manövrieren, sondern Modelle mit ausgeklügelter Navigationstechnik, Mikrofonen und – bei sehr teuren Geräten oft Standard – einer Kamera.

IT-Experte: Es besteht keine akute Gefahr – aber eine Abhängigkeit

Nach Meinung des Experten seien die Menschen sehr unvorsichtig geworden, wen oder was sie in ihre Häuser und Wohnungen lassen. Und es stimmt: Ein Saugroboter von Roborock zum Beispiel, der im stern-Test mit tollen Ergebnissen glänzte, bringt genug Ausstattung mit, damit ein Hacker – oder aber auch eine Regierung – theoretisch alles in der Wohnung genauestens überwachen könnte.

Serg Bell warnt aber nicht vor einer konkreten Gefahr, die von einem bestimmten Hersteller ausgeht, sondern nimmt dieses einfache Beispiel, um eine generelle Nachlässigkeit der Menschen aufzuzeigen.

Menschen seien seiner Ansicht nach sehr gut darin, sich allmählichen Veränderungen über eine lange Dauer anzupassen, hätten aber Schwierigkeiten, wenn sich Dinge zu schnell entwickeln würden – was bei Technik seiner Meinung nach seit Jahrzehnten der Fall ist. Die gleichzeitige Abhängigkeit von den Geräten, die niemand im Kern so richtig versteht, ist nach Meinung von Bell ein Problem.

Weniger Technik, mehr Freiheit

Inzwischen, so der Experte, sei sich kaum noch jemand der eigenen Sicherheit, der Privatsphäre und dem persönlichen Schutz bewusst. Die schiere Masse an Technik sorge dafür, dass Menschen sich irgendwann einem Punkt nähern würden, an dem sie ohne die ganzen Geräte nicht mehr funktionieren würden, heißt es weiter. Bedenken spielten dann keine Rolle mehr.

Das führe dazu, dass man der Technik – und damit auch Kameras, Mikrofonen und der exakten Ausmessung der eigenen vier Wände – irgendwann ausgeliefert ist. Und wer glaube, dass die schiere Masse vorhandener Daten es verhindern würde, dass jemand sich genauer damit befasst, liege falsch, sagt Bell. Denn auch die Systeme zur automatischen Analyse vorhandener Daten, etwa durch maschinelles Lernen, seien inzwischen weit genug, um kostengünstig große Mengen durchkämmen zu können.

Eine Lösung für dieses Problem liefert Bell nicht – aber sie liegt auf der Hand. Entweder schafft man sich solche Produkte einfach nicht an, oder man unterbindet den Zugang zum Internet. Mit den Nachteilen, die dadurch entstehen, sofern die Technik überhaupt ohne aktive Verbindung funktioniert, muss man dann leben.

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