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In die Falle gegangen Anom: Der verschlüsselte Messenger war beliebt bei Kriminellen – doch dahinter steckte das FBI

In die Falle gegangen: In Essen wurden im Rahmen der weltweiten Großaktion ein Bürogebäude durchsucht
In Essen wurden im Rahmen der weltweiten Großaktion ein Bürogebäude durchsucht
© Stephan Witte/KDF-TV & Picture/ / Picture Alliance
Jahrelang fühlten sich Drogendealer und andere Kriminelle auf der verschlüsselten Kommunikations-Plattform Anom sicher vor den Behörden. Jetzt kam der große Schlag. 

Drogen- und Waffengeschäfte und sogar Auftragsmorde: Ging es um schmutzige Geschäfte, verließen sich viele Kriminelle rund um den Globus auf die vermeintliche Sicherheit der verschlüsselten Plattform Anom. Jetzt klickten weltweit die Handschellen. Denn die App war nichts anderes als eine geniale Falle der Behörden.

In mindestens 16 Ländern wurden am Montag nach Angaben der Strafverfolgungsbehörden knapp 800 Verdächtige verhaftet. Der Schlag gelang nur, weil die amerikanische Bundespolizei FBI sowie die australische AFP die Plattform Anom drei Jahre lang selbst betrieben hatten. Im Frühjahr 2018 wurde der Kommunikationsanbieter Phantom Secure in Kanada hochgenommen, der nahezu ausschließlich Kriminelle als Kunden hatte und ihnen abhörsicher Telefone verkaufte. Die suchten nun eine Alternative.

Geschickte Falle

Die boten ihnen ausgerechnet die Strafverfolgungsbehörden. Die Idee kam von einem Spitzel: Er hatte die Kriminellen mit den Phantom-Secure-Geräten versorgt und war entsprechend vernetzt. Nun nutzte er das Vertrauen seiner Geschäftspartner, um seine eigene Haut zu retten. "Man bekam diese Telefone nicht einfach. Man musste einen Kriminellen kennen, der einem eines dieser angepassten Geräte besorgte", erklärte ein Beamter der australischen Polizei der "BBC". "Sie konnten nicht klingeln oder Mails empfangen. Man konnte nur mit anderen Nutzern der Plattform sprechen." Da die neuen Anom-Geräte von Anfang an auch von hochrangigen Kriminellen genutzt wurden, waren sie in der Szene schnell etabliert und wurden als sicher angesehen. Wohl auch, weil sich die Polizei eine monatliche Gebühr zahlen lies, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen.

Für die Behörden waren die Geräte der Jackpot: Über eine Hintertür konnten sie die gesamte Kommunikation hochrangiger Krimineller verfolgen und fleißig Beweise sammeln. "Die reden nur über Drogen, Gewalt, sich schlagen, Unschuldige, die ermordet werden sollen, alles was man sich vorstellen kann", erklärte die australische Bundespolizistin Reece Kershaw bei einer Pressekonferenz. "Im Prinzip waren wir so nah am organisierten Verbrechen, wie es bisher noch nie der Fall war."

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Die "Operation Ironside" genannte Aktion umfasste rund um den Globus mehrere Tausende Polizei- und Zollbeamte, die am Montag Büros, Wohnungen und Lagerräume durchsuchten. Alleine in Deutschland wurden nach Angaben des BKA etwa 70 Verdächtige festgenommen, bei denen 145 Kilogramm Marihuana und Haschisch sowie 6000 Cannabis-Pflanzen, ein Kilogramm Kokain und auch 20 Waffen sichergestellt worden seien. Weltweit wurden jeweils mehrere Tonnen Cannabis, Kokain und Crystal Meth sowie 140 Millionen Dollar in Bar gefunden. 

Quellen: Pressekonferenz, BBC

mma

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