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Blog "Lookismus gegen Rechts": Hetzer am Online-Pranger

Ein neues Blog sammelt rechtsradikale Online-Kommentare und zeigt sie zusammen mit Bildern der Schreiber. Lustige Anti-Nazi-Aktion oder Pranger? stern.de hat mit dem Macher gesprochen.

Von Timo Brücken

Thomas trägt gerne Hut zur Lederjacke und wünscht sich eine "deutsche Bürgerwehr". Da kann er gleich Martin anheuern, der macht nämlich Kampfsport - und möchte, dass seine Heimat "weiß bleibt". Mit Olaf würde sich die beiden bestimmt gut verstehen, denn der hat die Lösung: "Gleich ab schieben", fordert er. Ganz offen, mit Bild, auf Facebook, genauso wie Thomas und Martin.

Wer regelmäßig Facebookeinträge oder Leserkommentare zu Artikeln liest, die etwa mit Zuwanderung, Muslimen oder Israel zu tun haben, kennt das: hasserfüllte, rassistische und antisemitische Kommentare, die den Untergang des Abendlandes an die Wand malen. Gepostet von Menschen, die nicht nur mit Ausländern, sondern oft auch mit der deutschen Rechtschreibung auf Kriegsfuß zu stehen scheinen. Und die offensichtlich gar nicht erst versuchen, ihre wahre Identität zu verschleiern und stattdessen ungeniert hetzen. Unter Klarnamen und oft mit Profilfoto.

Ein neues Tumblr-Blog sammelt solche Kommentare nun und montiert sie auf Bilder aus den Facebook-Galerien der Schreiber*. "Lookismus gegen Rechts" ist eine bizarre Sammlung ziemlich hässlicher Aussagen auf nicht weniger unansehnlichen Bildern. Teigige Männer in Badehosen, die sich über "Deutschenfeindlichkeit" beschweren, neben jungen Frauen mit Weihnachtsmann-Mütze, die sich als NPD-Wählerinnen outen. "Ich habe hohe Ansprüche an die Hässlichkeit der Personen und die Dummheit der Kommentare", sagte der Macher des Blogs, der lieber anonym bleiben will, zu stern.de.

Nazis outen ist nichts Neues

Das Ziel von "Lookismus gegen Rechts" sei es, "solchen Leuten den Wind aus den Segeln zu nehmen", indem man sich über sie lustig mache. Menschen, die in Kommentarspalten großspurig zum Kampf gegen den angeblichen Untergang Deutschlands aufriefen, stellten sich in der Realität oft als "ziemlich traurige Gestalten" heraus. "Indem ich die Kommentare mit Bildern ergänze, hoffe ich, ihren stolzen deutschen Ton zu brechen", sagt der Macher. Die Idee für den Blog sei ihm gekommen, als er auf der Facebook-Seite einer großen Zeitung unter einem Artikel über die Opfer rechter Gewalt "ziemlich viele sehr dumme Kommentare" gelesen habe.

Rechtsradikale zu outen, ist nichts Neues. Antifa-Aktivisten machen das schon lange, etwa mit Neonazis an Universitäten. Auch die Person hinter dem Tumblr war früher in der linken Szene aktiv. Aus dieser Zeit stammt auch die Idee für den Namen des Blogs: Der Begriff Lookismus bezeichnet das Phänomen, dass Menschen allein aufgrund ihres Aussehens diskriminiert werden. Und genau das tue "Lookismus gegen Rechts", werfen einige Kritiker dem Macher vor. Er selbst sieht darin hingegen "einen nicht ganz unironischen Seitenhieb auf die eigene Szene".

"Darf man die Leute so anprangern?"

Auf Facebook und Twitter sind die Reaktionen auf den Blog größtenteils positiv. Die meisten User lachen über die Einträge. Manche fragen allerdings, ob Kommentare auf möglichst hässliche Bilder zu montieren, wirklich das richtige Mittel für den Kampf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist. "Darf man Rechte so anprangern?", twittert zum Beispiel Sebastian Jabbusch. Und @Spidiffpaffpuff spricht sogar von "Denunziantentum".

Geht der Blog womöglich wirklich zu weit? "Dass er die Leute in gewisser Weise an den Pranger stellt, lässt sich nicht leugnen", gibt der Macher zu, sagt aber auch: "Sie denunzieren sich selbst, indem sie ihre Kommentare öffentlich posten." Schließlich lege er den Kommentatoren nichts in den Mund, sondern zitiere sie nur.

Lustige Aktion oder moderner Pranger? Facebook sperrte das Profil von "Lookismus gegen Rechts" jedenfalls am Mittwochabend. "Wahrscheinlich hat jemand die Seite gemeldet", vermutet der Betreiber. Wer das sein könnte, weiß er nicht. Bis dahin hatten rund 2700 Menschen auf "Gefällt mir" geklickt.

*stern.de hat die Gesichter der Gezeigten nachträglich verpixelt, im Original sind sie vollständig erkennbar.

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