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Eskalation im Streit mit Bezos: Verdoppelte Versandpreise für Amazon: So will Trump seinen Lieblingsfeind fertigmachen

US-Präsident Donald Trump will die Versandkosten für Amazon höher treiben, um seinem Intimfeind Jeff Bezos zu schaden. Schuld ist wohl sein Konflikt mit Bezos' Zeitung, der "Washington Post" - oder steckt am Ende etwas ganz anderes dahinter?

Amazon Chef Jeff Bezos im Visier von Donald Trump

Donald Trump hat an Amazon-Chef Jeff Bezos einen Narren gefressen

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Es gibt wohl keine Zeitung, die Donald Trump mehr hassen dürfte als die "Washington Post". Täglich macht das Blatt mit neuen Skandalen aus dem Weißen Haus auf, stets gespickt mit Zitaten Dutzender Insider. Kein Wunder, dass der US-Präsident schäumt vor Wut. Die richtet sich am liebsten gegen den Besitzer der Zeitung, den Amazon-Chef und reichste Mann der Welt Jeff Bezos. Jetzt scheint Trump mit ganz konkreten Maßnahmen das Geschäft verderben zu wollen.

Schon in den letzten Monaten hatte der Präsident immer wieder geschimpft, dass Amazon mit seinen viel zu günstigen Lieferungen der US-Postbehörde USPS massiv schaden würde. Dass die Leiterin der Behörde,  Megan Brennan, ihm vehement widersprach und Amazons Lieferungen sogar als wichtige Einnahmequelle nannte, focht ihn nicht an. Und Trump schien es nicht bei Twitter-Tiraden belassen zu haben.

Trump will höhere Versandkosten

Gleich bei mehreren Gelegenheiten soll er Brennan bedrängt haben, die Versandkosten für Amazon und einige andere Firmen drastisch zu erhöhen - auf den doppelten Preis. Sein Argument: Die angeblich zu günstigen Lieferpreise seien eine versteckte Subvention für Amazon und andere. Das berichtet - wie sollte es anders sein - die "Washington Post" mit Berufung auf gleich drei anwesende Personen. Für Amazon würden dadurch Milliarden an Mehrkosten entstehen. Brennan scheint die Bemühungen bisher abgewehrt zu haben.

Das könnte sich aber ändern: Trump unterschrieb im April eine "Executive Order", eine Art Präsidial-Dekret, die eine Regierungs-Prüfung der finanziellen Lage des USPS veranlassen soll. In der Folge könnte auch eine Gebühren-Erhöhung für die Online-Händler drohen. Die dürften Amazon wiederum härter treffen als viele andere Händler: Weil viele Kunden über die Lieferflatrate Prime bestellen, kann der Konzern die Mehrkosten nicht an diese Kunden weitergeben.

Folgen kaum einzuschätzen

Die Folgen wären kaum einzuschätzen. Andere US-Anbieter wie FedEx oder UPS rufen bei Firmenkunden ähnliche Preise wie  USPS ab. Sie dürften aber nicht für eine vollständige Übernahme aller Amazon-Sendungen in der Lage sein. Trotzdem könnte Amazon zumindest mit einem Teil seiner Lieferungen zu den Konkurrenten abwandern. Dann würde der Schritt der Post-Behörde eventuell sogar weniger, statt mehr Geld einbringen. Auch unter den von der "Washington Post" befragten Mitarbeitern des Weißen Hauses herrschte deshalb Uneinigkeit über die Nützlichkeit des Schrittes.

Eventuell könnte aber auch mehr dahinter stecken: Bereits seit Jahren versuchen republikanische Politiker immer wieder, den USPS zu untergraben und seine Aufgaben in den privaten Sektor zu verlagern. Interpretiert man Trumps Angriffe aus diesem Blickwinkel, könnte er hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen - und Amazon und dem USPS gleichzeitig schaden. 

mma