VG-Wort Pixel

Facebook-Angebote Schnäppchen lauern überall


Mit dem neuen Dienst Angebote zeigt Facebook reale Rabatte in der Umgebung an. stern.de-Redakteur Gerd Blank probierte den mobilen Schnäppchenführer auf einem Rundgang aus.

Mit einem neuen Service macht Facebook seinen mobilen Nutzern ein Angebot, dass man (fast) nicht ausschlagen kann. Der Dienst nennt sich Facebook-Angebote und funktioniert nur per Smartphone und eingeschaltetem GPS-Signal. Unternehmen können per Facebook auf Sonderaktionen und Schnäppchen in ihren Geschäften hinweisen. Doch wie schlägt sich der virtuelle Schnäppchenführer in der Praxis und welche Gegenleistung muss ein Nutzer erbringen, um den Service zu nutzen?

Die wichtigste Voraussetzung ist natürlich eine Mitgliedschaft bei Facebook. Da ich mein Smartphone mit meinem Profil verknüpft habe, kann ich den Service nutzen. Um nachzuschauen, ob es in der Umgebung spannende Angebote gibt, muss ich innerhalb der App auf den Punkt Orte tippen. Von Angeboten ist dann allerdings noch keine Spur - hier werden lediglich die letzten bekannten Aufenthaltsorte von meinen vernetzten Freunden angezeigt. Bevor ich nach Schnäppchen suchen darf, muss ich Facebook erst einmal mitteilen, wo ich mich gerade befinde. Dafür klicke ich auf den Punkt Wo bist du? Jetzt sieht man all die Orte in der unmittelbaren Umgebung, die bereits von Privatleuten oder Unternehmen markiert wurden.

Virtuelle Notizzettel

Diese Unternehmen haben die Möglichkeit, bestimmte reale Plätze für sich zu beanspruchen und Handelsketten können die Standorte ihrer Geschäfte reservieren. Der GPS-Chip im Handy checkt die Position des Smartphones und zeigt nur die markierten Plätze in der unmittelbaren Umgebung an. Zum Start des neuen Dienstes sind Unternehmen wie H&M, Douglas oder Esprit dabei. Ein cleverer Schachzug, denn Filialen dieser Ketten gibt es im gesamten Bundesgebiet in allen wichtigen Einkaufszentren. So kann Facebook mit wenigen exklusiven Partnern eine größtmögliche Streuwirkung erzielen.

Tatsächlich entdecke ich beim Bummel durch eine Hamburger Einkaufsstraße prompt die ersten Angebote, diese sind mit einem gelben Hinweisschild gekennzeichnet. Ein Klick auf einen Eintrag verrät, was angeboten und rabattiert ist. So bietet der Mode-Discounter H&M bei einem Einkauf einen Rabatt von 25 Prozent auf ein beliebiges Teil an und die Parfümerie Douglas verschenkt einen Duft oder gibt 15 Prozent Rabatt auf den Einkauf. Will ich diese Angebote nutzen, muss ich lediglich auf "Einlösen" tippen und die Bestätigung an der Kasse vorzeigen. Das klappt sofort, bei dem Testkauf in der Parfümerie wird mir der Rabatt sofort gewährt.

Einige Aktionen lassen sich auch mit Freunden teilen: Wer mit drei Freunden in ein Lokal der Restaurant-Kette Vapiano geht und diese bei Facebook markiert, bekommt kostenlos eine Flasche Prosecco und Bruscetta. Allerdings gibt es bei Facebook-Angebote nicht nur Schnäppchen, Unternehmen können mit diesem Dienst auch etwas Gutes tun. Dafür brauchte ich den Laden nicht einmal betreten und spendete so im Vorbeischlendern an einem Esprit-Geschäft fünf Euro an die SOS Kinderdörfer.

Einträge im Profil

Natürlich hat kein Unternehmen wirklich etwas zu verschenken. Die Gegenleistung der Nutzer: Infos über meine eingelösten Gutscheine wurden automatisch in meinem Facebook-Profil für alle meine vernetzten Freunde sichtbar veröffentlicht und ich dadurch zum Werbeträger für die Unternehmen. Ein Facebook-Sprecher sagt zwar, dass Nutzerdaten anonymisiert an die Unternehmen übermittelt werden, dennoch ist es denkbar, dass beispielsweise die Parfümerie bei meinen Freunden damit werben möchte, dass ich in einer Filiale einen Gutschein eingelöst habe. Glücklicherweise habe ich in diese Möglichkeit in meinen Privatsphäre-Einstellungen unterbunden.

Zum Start von Facebook-Angebote gibt es nur wenige Schnäppchen. Allerdings wird sich das schnell ändern. Ob Pizzeria oder Reisebüro, künftig erscheinen sicher immer mehr kleine Notizzettel auf dem Display. Der Service könnte schnell Stempelkarten für Stammkunden, Schnäppchen-Flyer und Anzeigen in regionalen Zeitungen ablösen. Und in den Statusmeldungen meiner Freunde erscheinen dann zwangsläufig immer mehr Meldungen über eingelöste Gutscheine. Auch wenn mir die Suche nach Schäppchen anfangs Spaß gemacht hat: künftig werde ich bei der Nutzung zurückhaltender sein. Der Preis für die Rabatte ist mir zu hoch. Es muss nicht jeder Freund wissen, wo ich gerade einkaufe. Für den Gegenwert von ein paar Cent möchte ich keine Werbung für Unternehmen machen.

Kaum Freunde dabei

Das sehen meiner Kontakte wohl auch so: Fünf Tage nachdem Facebook-Angebote gestartet ist, hat kaum einer meiner Freunde einen Gutschein eingelöst - und das, obwohl die meisten Facebook per Smartphone nutzen. Vielleicht greifen meine Freunde auch einfach nur zu einem einfachen Trick: ein zweites Facebook-Profil. Wer eine zweite E-Mail-Adresse hat, kann sich damit ein weiteres Konto beim weltgrößten Netzwerk registrieren. So bleiben die eigenen Statusmeldungen werbefrei, auch wenn man die Gutscheine nutzt. Allerdings dürfte das weder Facebook noch den Schnäppchen-Anbietern gefallen - denn schließlich läuft die Werbung damit ins Leere.

Lesen Sie auch bei unserem Partner pcwelt.de: "Vorsicht - Malware nimmt Facebook-Konten als Geisel"

Von Gerd Blank

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker