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Facebook nach Identitätsdiebstahl: "Auch Gesetzeshüter müssen sich an unsere Regeln halten"

Ein Drogenfahnder meldete sich im Namen einer Frau bei Facebook an - ohne ihre Erlaubnis. Nun stellt Facebook klar: Das verstößt gegen die Nutzungsregeln, die Behörden sollen es bitte unterlassen.

Von Malte Mansholt

Die Ermittlungsmethoden der US-amerikanischen Geheimdienste stehen nicht gerade im Ruf, besonders viel Rücksicht auf die Privatsphäre zu legen. Trotzdem sorgte der vor kurzem bekannt gewordene Fall von Identitätsdiebstahl bei Facebook für ein besonders lautes Echo. Ein Fahnder der unter anderem für Drogen-Delikte verantwortlichen Drug Enforcement Agency (DEA) hatte ein beschlagnahmtes Smartphone und die darauf gefundenen Fotos einfach genutzt, um im Namen einer Frau ein Facebook-Profil zu erstellen. Das befüllte er mit ihren Fotos, auch mit offenherzigen. Dann suchte er Kontakt zu Kriminellen.

Die Reaktion nach Bekanntwerden der Aktion war eindeutig: Ein Sturm der Entrüstung ging durch die Medienlandschaft und die sozialen Netzwerke. Facebook löschte nach vier Jahren das betreffende Profil. Nun hat sich erstmals der Konzern selbst zu dem Fall geäußert - und die Behörden auf seine Nutzungsbedingungen verwiesen.

Offener Brief an Facebook

In einem offenen Brief richtet sich Facebooks Sicherheitschef Joe Sullivan direkt an DEA-Chefin Michele Leonhart. Er fordert sie auf, zu bestätigen, dass die Behörde sämtliche falschen Facebook-Profile deaktiviert hat. Als Grundlage nennt er das in den Nutzungsbedingungen klar formulierte Verbot, im Namen anderer einen Account anzulegen, ohne deren Zustimmung dafür zu haben.

Für Facebook geht es klar um das Vertrauen der Nutzer. Können sich diese nicht sicher sein, mit wem sie es bei Facebook zu tun haben, leidet darunter ihre Bereitschaft Informationen mit dem Netzwerk zu teilen. Zwar verweist Sullivan darauf, der Einsatz von Pseudonymen führe oft zu negativem Verhalten - wie rassistischen Beleidigungen, Betrugsversuchen oder Mobbing -, Handlungen dieser Art kann der Konzern aber wohl kaum den Behörden unterstellen.

Was ist mit verdeckten Ermittlern?

Facebook richtet sich mit der öffentlichen Zurechtweisung also weniger an die DEA, als vielmehr an die Nutzer. Die sollen sich beim Riesen unter den sozialen Netzwerken sicher fühlen - und bereitwilliger und offenherziger posten. Trotzdem wirft der Fall eine interessante Frage auf: Müssen nun auch Behörden, die auf den Einsatz verdeckter Ermittler angewiesen sind, auf Facebook-Profile für diese verzichten?

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