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Nutzer posten zu wenig: Facebook will endlich mal wieder etwas Persönliches von Ihnen hören

Facebook ist vom Treffpunkt für Freunde immer mehr zum digitalen Marktplatz geworden. Das vertreibt die Nutzer. Nun will das soziale Netzwerk endlich wieder für mehr persönliche Posts sorgen. Mit einem merkwürdigen Plan.

Facebook Mark Zuckerberg

"Gib jedem die Macht, alles mit jedem zu teilen", forderte Mark Zuckerberg bei der hauseigenen Facebook-Messe F8. Dumm nur, wenn dann keiner etwas teilen möchte.

Wer heute durch den Facebook-Feed schaut, sieht dort vor allem geteilte Artikel oder Videos, mehr oder weniger lustige Bilder oder vermeintlich tiefsinnige Sprüche. Echte Informationen oder Neuigkeiten von den vielen Facebook-Freunden bleiben die seltene Ausnahme. Nimmt man dann noch die Unmengen Updates der vielen professionellen Social-Media-Teams von gelikten Seiten dazu, verschwinden sie sogar noch weiter in der Versenkung. Das treibt die Nutzer weg. Nun will Facebook sie zurückgewinnen. Und wieder persönlicher werden.

Dass viele Nutzer das Interesse verlieren, merkt natürlich auch das Netzwerk selbst. Klar, noch wachsen die Nutzer- und die Werbezahlen. Doch das Wachstum stammt vor allem aus Ländern der Dritten Welt. In den USA und Europa sinkt die Nutzung pro Kopf, die Menschen teilen immer weniger eigene Inhalte. Viele jüngere Nutzer haben schon gar keinen Account mehr bei Facebook. Sie treiben sich lieber bei Snapchat und den Facebook-Töchtern Instagram und Whatsapp herum. Die sind einfach persönlicher. Weil viele immer noch fleißig ihr Leben teilen, statt passiv durchzuscrollen und höchstens mal einen Daumen hoch zu vergeben.

Kamera-App gegen die Lethargie

Und auch Facebook will die Menschen vom reinen Feed-Konsum wieder zur aktiven Teilnahme bewegen. Das berichtet das "Wall Street Journal". Nur Facebooks Lösungs-Idee fällt ziemlich unspektakulär aus: Ausgerechnet eine Foto-App soll die Lethargie der konsumierenden Nutzer aufbrechen. Das will die Zeitung von Personen erfahren haben, die an der Entwicklung beteiligt sind.

Diese neue, noch namenlose App soll darum vieles anders machen. Die Facebook-App öffnet sich etwa mit der Feed-Ansicht - und fördert so das Stöbern. Die neue App legt dagegen in der Kamera-Ansicht los wie Snapchat oder Instagram. So sollen die Nutzer zum Knipsen - und Posten - verleitet werden. Auch die Fotos mit Ablaufdatum klaut Facebook von seinem hippen Konkurrenten Snapchat. Als Bonus kommen Livevideo-Übertragungen à la Periscope obendrauf.  Innovationen sehen anders aus.

Facebook will Kreativität - und hat selbst keine Idee

Ob Facebook ausgerechnet mit einer Kamera-App aus der Konsum-Falle entkommt, darf bezweifelt werden. Dazu hat sich das soziale Netzwerk zu sehr zur Werbefläche entwickelt. Andere Ansätze wie Erinnerungen daran, dass man doch mal wieder etwas posten könnte, hatten ebenfalls nicht gefruchtet. Nicht mal die Idee für die zusammengeklaute Kamera-Idee ist neu: Mit "Slingshot" hatte der Konzern schon vor knapp zwei Jahren einen Snapchat-Klon veröffentlicht. Heute erinnert sich zurecht kaum einer daran.

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