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Entwicklerkonferenz F8: Facebook will die Apps auf Ihrem Smartphone killen - mit Chat-Robotern

Bei der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 zeigt Facebook, wie es sich seine Zukunft  vorstellt. Und in der sollen Sie jede Menge Gespräche führen. Allerdings nicht mit  Freunden - sondern mit Chat-Robotern.

Facebook

Der Messenger ist die Zukunft Facebooks, wenn es nach dem Plan des sozialen Netzwerkes geht. Dafür sollen die Bots sorgen.

Dass Facebook irgendwann mal Geld mit dem Messenger oder auch Whatsapp verdienen möchte, liegt auf der Hand. Auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 hat der Konzern nun gezeigt, wie das gehen soll: Die Nutzer sollen die Messenger in Zukunft nicht mehr nur zum Chatten untereinander benutzen, sondern sich endlich auch mehr mit ihrem Smartphone unterhalten - beziehungsweise mit Chat-Robotern, den sogenannten Bots. Und die sollen Unternehmen den direkten Weg zum Kunden ebnen.

Die kleinen Programme leben sozusagen im Messenger und stehen den Nutzern als persönlicher Assistent zu jeder Tages- und Nachtzeit zu Diensten. Siri als Chat-Programm sozusagen, bloß smarter. Über die Bots sollen die Nutzer einerseits einfache Fragen beantwortet bekommen, andererseits aber auch komplexere Aufgaben lösen können, etwa ein Hotelzimmer direkt zu buchen. So sollen sie viele Apps nutzlos machen.

Microsoft hatte schon sein Bot-Desaster

Auch Microsoft kündigte schon Bots als Zukunft der Interaktion zwischen Computer und Mensch an. Bei der Build-Konferenz vor zwei Wochen nannte Microsoft-Chef Satya Nadella Bots "die neuen Apps". Die Redmonder zeigten jede Menge tolle Anwendungsfälle, waren allerdings auch für den bisher größten Totalausfall der neuen Technologie verantwortlich: Der Twitter-Bot Tay sollte als Teenager-Mädel die Nutzer unterhalten und dazulernen. Innerhalb eines einzigen Tages hatte sie sich zum sexgeilen Hitler-Anhänger entwickelt und pöbelte gegen Juden und andere Minderheiten - bis Microsoft endlich die Reißleine zog und den Account abschaltete.

Der Tatsache, dass Gespräche mit intelligenten Programmen als Zukunft der Smartphone- und Computerbedinung gelten, hat Microsofts Bot-Desaster allerdings keinen Abbruch getan. Die Programme sollen mit jedem Gespräch schlauer werden und irgendwann kaum noch von einem menschlichen Chat-Partner unterscheidbar sein. Auch für die Nutzer hat das natürlich Vorteile. Gespräche mit Bots sind einfacher und bequemer, als sich mühsam auf der Webseite eines Unternehmens nach der gesuchten Information durchzuklicken oder für alles eine eigene App installieren zu müssen. Wegen einer einfachen Frage in der Warteschleife zu hängen, könnte so der Vergangenheit angehören.

Endlich mehr Werbung

Natürlich stellt auch Facebook die Bots nicht aus reiner Menschenliebe zur Verfügung. Für das Unternehmen sind sie die lange erwartete Möglichkeit, die Messenger endlich zum Geldverdienen zu benutzen. Schon beim Kauf von Whatsapp äußerte Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dass er es für falsch halte, Messenger direkt über Werbung zu monetarisieren. Die Nutzer nehmen Werbung deutlich eher in Kauf, wenn sie in Form von Kundenservice daher kommt.

Schon im letzten Monat waren Gerüchte aufgetaucht, dass Facebook Unternehmen bald erlauben will, die Messenger-Nutzer direkt anzusprechen - aber nur, wenn die sich zuerst über den Messenger gemeldet haben. Und so ist es denkbar, dass bald eine neue Nachricht das Display aufleuchten lässt, die aber vom Lieblingsschuh-Label stammt, statt von der besten Freundin. Und darüber informiert, dass ein neues Modell im Laden steht. Personalisierte Werbung direkt auf dem Sperrbildschirm, der Traum eines jeden Marketing-Teams. Da fallen andere Vorteile für Unternehmen, wie eingesparte Nachtschichten im Kundenservice, beinahe nicht mehr ins Gewicht.

Bots mit langer Leitung

Im Alltag mag sich das alles allerdings noch etwas anders anfühlen. Der bei der F8 gezeigte Wetter-Bot "Poncho, die Wetterkatze" antwortet etwa "typischerweise innerhalb einer Stunde", wie Facebook auf Nachfrage zugeben musste. Für eine Anfrage bei einem Unternehmen mag das in den meisten Fällen durchaus noch zu verkraften sein, die Wettervorhersage will man aber doch meist sofort bekommen. Und dann ist eine einfache Google-Suche oder das Öffnen einer App nicht nur einfacher - sondern sogar schneller.