HOME

Angeblich von einer Polizistin: Krankenhaus angegriffen? Die dubiose Audiodatei, die G20-Fake-News verbreitete

Eine angebliche Polizistin berichtet am G20-Freitag in einer Audiodatei von Angriffen auf eine Notaufnahme und einen Kindergarten. Die Falschmeldungen verbreiten sich schnell im Netz. Eine Frage bleibt: Wer hat sie aufgenommen?

Polizeivideo zeigt Ausschreitungen in der Schanze

"Die ungefilterte Kurzversion, die wahrscheinlich nicht in die Presse gelangt ist": Mit diesen Worten kündigt eine vermeintliche Polizistin auf einer Audiodatei eine Botschaft an, die rund um den G20-Gipfel in Hamburg für Verunsicherung sorgte. Ihr gehe es gut und sie habe gerade Feierabend gemacht, erzählt die Frauenstimme auf der am G20-Freitag verbreiteten Nachricht. Dann verkündet sie ihre vermeintlichen Enthüllungen und spricht dabei von "wir", wenn sie über die Polizei redet und von "verletzten Kollegen".

Das Krankenhaus im Hamburger Stadtteil St. Georg sei "angegriffen" worden und die Patienten müssten nun "ausgeflogen" werden, berichtet die Unbekannte. Auch ein Kindergarten sei "angegriffen" worden - wo genau, sagt sie nicht. Zudem sei eine "Kollegin entwaffnet" worden. All das stellte sich schnell als Falschmeldungen heraus. Die Polizei dementierte, auch das Krankenhaus St. Georg widersprach gegenüber dem stern entschieden.

Sogar TV-Sender verbreitete die falschen Meldungen

Bis dahin hatte sich die Audiodatei allerdings bereits rasant über den Messengerdienst Whatsapp verbreitet. Schließlich schienen die Informationen ja direkt von der Polizei zu kommen. "Das muss dann wohl schon stimmen", dachten sich offenbar viele und schickten die Datei an ihre Bekannten weiter. Explizit fordert die Frau am Ende der Aufnahme auch: "Das kannst du gerne streuen in deiner Umwelt, die Menschheit muss vielleicht mal mitkriegen, was noch so passiert, neben brennenden Autos."

Auch auf Youtube wurde die Botschaft bereits am Freitag mit Krawall-Fotos versehen und als Video mit dem Titel "Ungeschönte Berichterstattung vom G20 (Polizistin spricht)" hochgeladen. Mehr als 50.000 Menschen haben sich den Clip dort angesehen. Die Polizei wurde von besorgten Bürgern damit konfrontiert - und musste widersprechen. Selbst mindestens ein Nachrichtensender und mehrere Nachrichtenseiten verbreiteten die falschen Meldungen daraus - und mussten sich später korrigieren.

Geschichte der Falschmeldungen: Warum schon die Nazis von Fake News profitierten

Polizei: "Damit wird sich hier nicht beschäftigt"

Ob es sich bei der Frau auf der Bandaufnahme tatsächlich um eine Polizistin handelt, ob sie lediglich auf falsche Gerüchte hereinfiel und diese ungefiltert weiterverbreitete oder ob es ihr gezielt um Desinformation oder Unruhestiftung ging - all das ist unklar. Ein Sprecher der Polizei Hamburg sagt auf stern-Anfrage, er habe zwar davon gehört, der Polizei liege dieses Video aber nicht vor. Daher könne er dazu nichts sagen. Bereits am Samstag hatte ein anderer Polizeisprecher dem stern allerdings auf Anfrage bestätigt, dass zumindest die Audiodatei auch die Polizeipressestelle erreicht habe. Die Informationen darin seien "Quatsch" und "Fake", so die Auskunft am Wochenende. Auf Nachfrage vom Mittwoch, ob man sich denn mit dem Fall befasse und prüfe, ob die Frau tatsächlich für die Hamburger Polizei arbeitet, sagt der Sprecher: "Das ist nicht mehr verifizierbar. Damit wird sich hier nicht beschäftigt."

Nach G20-Gipfel: Jetzt kann Hamburg endlich aufräumen
fin