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Mysteriöse Krankheitsfälle Ist dies der Hochfrequenzton, mit dem US-Diplomaten in Havanna attackiert wurden?

Die US-Botschaft in Havanna
Die US-Botschaft in Havanna. Seit November vergangenen Jahres sind 22 amerikanische Diplomaten auf mysteriöse Weise erkrankt. Washington vermutet Akustik-Attacken als Ursache.
© Isaac Risco/ / Picture Alliance
War es tatsächlich eine Akustik-Attacke? Nach den rätselhaften Krankheitsfällen unter US-Diplomaten in Havanna hat die Nachrichtenagentur AP einen Ton veröffentlicht, der als möglicher Auslöser der Beschwerden gelten soll.

Im Streit um angebliche Akustik-Attacken gegen US-Diplomaten auf Kuba ist eine Aufnahme des Geräuschs aufgetaucht, das angeblich einige der erkrankten Opfer gehört haben. Die Audiodatei wurde von der US-Nachrichtenagentur Associated Press veröffentlicht. Es sei die erste von vielen auf Kuba gemachten Aufnahmen mysteriöser Töne, die bei den Ermittlern den Verdacht ausgelöst hätten, es könne sich um eine Attacke mit einer Schallwaffe handeln, berichtet AP.

Die Nachrichtenagentur hat nach eigenen Angaben mehrere der unter verschiedenen Umständen in Havanna gemachten Aufnahmen überprüft. Alle beinhalten demnach Variationen desselben hochfrequenten Tons. Nicht alle auf Kuba erkrankten Amerikaner haben auch tatsächlich etwas Verdächtiges in Havanna gehört, Betroffene, die etwas gehört hätten, hätten aber bestätigt, dass die Aufnahmen dem entsprechen, was sie wahrgenommen haben, schreibt AP. "Das ist das Geräusch", zitiert die Nachrichtenagentur einen von ihnen.

Töne sollen extrem laut gewesen seien

Die nun veröffentlichte Aufnahme wurde dem Bericht zufolge digital bearbeitet, um die Lautstärke zu erhöhen und die Hintergrundgeräusche zu reduzieren. Ansonsten sei sie aber nicht verändert worden. Ihr Anhören gelte als ungefährlich, schreibt AP. Klangexperten und Mediziner hätten erklärt, sie wüssten von keinem Ton, der physische Schäden hervorrufen könne, wenn er mit einem herkömmlichen Gerät wie einem Mobiltelefon oder einem Computer für eine kurze Dauer in normaler Lautstärke abgespielt werde.

Was für ein Gerät das Geräusch ursprünglich erzeugt hat, ist laut AP nicht bekannt. Betroffene aus der US-Botschaft in Havanna hätten berichtet, die Töne hätten sie mit extremer Lautstärke getroffen. Ob es zwischen dem Geräusch und den Erkrankungen der Opfer einen direkten Zusammenhang gibt, sei ebenfalls unklar.

Die Aufnahmen aus Havanna seien zur Untersuchung an die US-Nachrichtendienste sowie an die Marine weitergeleitet worden, weil diese hochentwickelte Möglichkeiten zur Schallanalyse habe, schreibt die Nachrichtenagentur weiter. Signifikante Erkenntnisse darüber, was die Diplomaten krank gemacht habe, hätten die Audiodateien aber nicht erbracht.

Gehörverlust, Sehprobleme, Schlafstörungen

Seit November 2016 waren nach jüngsten Angaben 22 US-Diplomaten in Kuba auf mysteriöse Weise erkrankt. Sie hätten schwere Schäden wie Gehörverlust, Tinnitus, Sehprobleme, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Müdigkeitsanfälle und Schlafstörungen erlitten. Nach Angaben von AP wird von andauernden Vorfällen ausgegangen, der letzte sei Ende August gemeldet worden.

Das US-Außenministerium wollte die Echtheit der nun veröffentlichten Aufnahme nicht bestätigen. "Es läuft noch immer eine Untersuchung. Wir wissen nicht, wer oder was dafür verantwortlich ist", sagte eine Sprecherin.

USA haben 17 kubanische Diplomaten ausgewiesen

Die angeblichen Akustik-Attacken sind eine schwere Belastung für die amerikanisch-kubanischen Beziehungen. Zwar hat Washington Havanna bislang nicht direkt für die Vorfälle verantwortlich gemacht, dennoch hat die US-Regierung deswegen bereits insgesamt 17 kubanische Diplomaten des Landes verwiesen. Damit ziehe man die Konsequenz aus dem Mangel an Schutz für die Diplomaten in dem Karibikstaat, begründete Außenminister Rex Tillerson Anfang Oktober die Maßnahme. "Wir glauben, dass die kubanische Regierung die Angriffe auf unsere Diplomaten stoppen könnte", sagte Donald Trumps Stabschef John Kelly.

Havanna reagierte empört auf die Ausweisung seiner Diplomaten. Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla nannte die Maßnahme "ungerechtfertigt" und "nicht hinnehmbar". Kurz zuvor hatte Parrilla erklärt, die Behörden seines Landes hätten keine Belege für die "Akustik-Attacken" gefunden.

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