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Googles Bezahlsystem Wallet Das Internet ist nicht genug


Google ist die Nummer eins bei der Internetsuche - aber das reicht dem Konzern nicht: Mit dem Smartphone-Betriebssystem Android, dem Facebook-Rivalen Google+ und jetzt auch einem Handy-Bezahlsystem stößt er in immer neue Bereiche vor. Das macht so manchem Angst.

"Don't be evil", lautet die Philosophie von Google: "Sei nicht böse!" Geboren wurde der Leitspruch, als der kalifornische Konzern mit seiner Suchmaschine das Internet aufrollte. Mittlerweile ist Google längst jenseits der virtuellen Welt aktiv: So laufen Computer mit dem Google-Betriebssystem Chrome, Handys mit der Software Android. Und Bezahlen sollen wir künftig mit Google Wallet, dem Portemonnaie im Smartphone.

Die Geschwindigkeit, mit der sich der Konzern ausbreitet, hat die Datenschützer und Wettbewerbshüter in aller Welt auf den Plan gerufen. An diesem Mittwoch muss Verwaltungsratschef Eric Schmidt höchstpersönlich einem Ausschuss des US-Senats Rede und Antwort stehen. Die Frage: Ist Google zu mächtig geworden und gängelt nun seine Konkurrenten? Ist Google also "böse" geworden?

Macht und Verantwortung

"Google ist eine großartige amerikanische Erfolgsgeschichte, aber die Größe, Stellung und Macht im Markt haben Bedenken über seine Geschäftspraktiken aufkommen lassen", sagte Senator Richard Blumenthal der "New York Times". Der ehemalige Generalstaatsanwalt von Connecticut sitzt selbst im Wettbewerbsausschuss, der vor allem das Suchmaschinen-Geschäft unter die Lupe nimmt. "Es stellt sich die Frage, welche Verantwortung mit dieser Macht einhergeht."

Google teile das Schicksal des Software-Primus Microsoft, stellte die Zeitung fest. Beide Unternehmen würden gleichsam bewundert und gefürchtet. Wie Microsoft hat Google die Milliardengewinne aus seinem Kerngeschäft - der Internetsuche - dafür genutzt, in immer neue Felder vorzustoßen. Zur Jahresmitte hatte Google unglaubliche 39,1 Milliarden Dollar auf der hohen Kante.

Bezahlen mit dem Handy

Mit dem Geld lässt sich eine Menge anstellen. Und wenn der Internetkonzern etwas anpackt, dann macht er es richtig. So wie bei einem der jüngsten Babys, dem mobilen Bezahldienst Wallet. Per Android-Smartphone lässt sich damit ganz ohne Karte oder Bargeld im Supermarkt, dem Kaufhaus oder beim Krämer um die Ecke bezahlen. Das System funktioniert mittels Funk.

Noch steckt Google Wallet in den Kinderschuhen: Es funktioniert nur in den USA, nur mit einem bestimmten Handy, mit bestimmten Kreditkarten und in einem bestimmten Mobilfunknetz. Doch Google arbeitet fleißig am Ausbau. Ziel ist es, dass jeder Bankkunde mit jeder seiner Karten mobil bezahlen kann. Denn Google stellt zwar die nötige Technik, der Bezahlvorgang selbst läuft aber über die vorhandenen Konten. Das erleichtert den Umstieg.

Google hatte bei der Ankündigung seines Dienstes im Mai kein geringeres Ziel ausgerufen, als das Portemonnaie überflüssig zu machen. Ein Reporter des US-Blogs "TechCrunch" durfte Google Wallet ein Woche lang vor dem offiziellen Start am Montag testen. #link;http://techcrunch.com/2011/09/19/techcrunch-review-google-wallet/;Sein Fazit: "Magisch und beeindruckend."# Es habe in fast allen Läden reibungslos funktioniert: Karte auf dem Handy-Bildschirm aussuchen, Telefon kurz an das Lesegerät halten, fertig.

Zwar arbeiten auch die drei großen US-Mobilfunkanbieter AT&T, Verizon und T-Mobile USA an einem ähnlichen System namens "Isis". Überdies ist der Online-Bezahldienst PayPal in den Markt eingestiegen. Gerüchten zufolge könnte auch Apples lange erwartetes iPhone 5 als Ersatz für die Geldbörse funktionieren. Doch Google scheint einen Vorsprung zu haben. Der Internetkonzern hat sich mit den großen Kreditkarten-Anbietern Visa, Mastercard und American Express verbündet und nutzt deren vorhandene Bezahlstationen an den Kassen.

Allerdings könnte ein kleines Problem dieses Mal Google Vorstoß bremsen. Der "TechCrunch"-Autor stellte die berechtigte Frage: "Kann mir jemand sagen, was ich machen soll, wenn mein Akku leer ist und ich gar kein Portemonnaie mehr mithabe?"

Daniel Schnettler und Andrej Sokolow, DPA DPA

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