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Hacker machen Karriere: Von der Anklagebank zum Traumjob

Wenn du sie nicht kontrollieren kannst, zieh sie auf deine Seite: Immer mehr namhafte Unternehmen entdecken die Vorzüge ehemaliger Datenpiraten.

Von Christoph Fröhlich

Bon Voyage nach 50 Tagen: Am Wochenende verkündete die populäre Hacker-Gruppe Lulzsec ihren Rückzug aus der digitalen Unterwelt. Einige Mitglieder werden sich möglicherweise neuen Gruppen anschließen, andere hingegen legale Wege einschlagen. Dass professionelle Hacker in der Wirtschaft längst begehrte Mitarbeiter sind, zeigt der ehemalige Sony-Hacker George Hotz: Sein neuer Arbeitgeber heißt ab sofort Facebook.

Aufstieg und Fall des George Hotz

Der 21-jährige Hotz gilt als einer der talentiertesten Hacker der Welt. Mit 17 gewinnt er den Forschungs-Wettbewerb ISEF, eine Art "Jugend Forscht" für Computerfreaks, mit 18 folgt ein Praktikum bei Google. Sein internationaler Durchbruch gelingt ihm 2009 mit dem Hack des iPhones, der bis heute verfügbar ist. Im Dezember 2009 widmet er sich der Playstation 3: Seit drei Jahren beißen sich Hacker an der Spielkonsole die Zähne aus - Hotz knackt sie in nur fünf Wochen. An dem jungen Hacker mit dem Synonym "geohot" will der Weltkonzern Sony ein Exempel statuieren, es folgt ein monatelanger Prozess. Im März 2011 unterzeichnet Hotz schließlich eine einstweilige Verfügung, er darf nie wieder ein Sony-Gerät freischalten.

Arbeitet Hotz jetzt am iPad?

Seitdem war es still um das Ausnahmetalent, jetzt feiert Hotz sein Comeback: Auf seiner eigenen Facebook-Seite verkündet er, dass Facebook ein toller Arbeitgeber sei und der erste Hackathon bereits hinter ihm liege. Bei einem Hackathon, einer Mischung aus Hack und Marathon, können sich die Entwickler abseits des Tagesgeschäftes austoben, um neue Ideen zu verwirklichen.

Auch der Hacker Joshua Hill alias P0sixninja bestätigt Hotz' Wechsel zu Facebook: Hill versucht momentan Apples iPad 2 zu knacken. Dafür bat er Hotz um Hilfe, doch der lehnte ab, wie er in einem Youtube-Video verkündet. Seine Begründung: Er wolle nicht mehr hacken, denn er arbeite jetzt für Facebook.

Bislang äußerte sich Facebook nicht zu seinem neuen Star-Mitarbeiter. Doch der Technik-Blog TechUnwrapped vermutet, dass Hotz an der Entwicklung einer iPad-Version beteiligt ist. Obwohl das iPad bereits vor mehr als einem Jahr erschien, bietet das soziale Netzwerk bis heute keine eigenständige App an. Das soll sich demnächst ändern, wie die New York Times vergangene Woche ankündigte.

Wenn der Hacker zum Kollegen wird

Auch Apple ist von den kreativen Ideen mancher Hacker begeistert: So ist das neue Benachrichtigungsprogramm des Entwicklers Peter Hajas dem System von Apple deutlich überlegen. Bisher konnten nur Nutzer von freigeschaltenen iPhones vom Programm "MobileNotifier" profitieren. Doch statt Hajas für die nicht-authorisierte Entwicklung zu bestrafen, bot Apple dem unkonventionellen Entwickler flux einen Job an. Zwar gab es bisher keine offizielle Stellungnahme von Apple - allerdings taucht der Name Peter Hajas bereits in der internen Mitarbeiter-Liste für den Bereich App-Entwicklung auf, wie das Apple-Portal Macrumors bestätigt. Außerdem veröffentliche Hajas einen Tweet, dass er bei einer "Frucht"-Firma in Kalifornien arbeitet.

Guter Hacker, böser Hacker

Dass immer mehr Hacker nach ihrer kriminellen Karriere zu Sicherheitsunternehmen wechseln, ist seit Jahren zu beobachten. Allerdings heuern mit Apple und Facebook jetzt auch die 'Big Player' der Branche ehemalige Netzpiraten an. Offenbar lohnt es sich, die Kompetenzen der Hacker zu nutzen, statt sie zu bekämpfen. So soll Microsoft Gerüchten zu Folge George Hotz in seinem langwierigen Prozess gegen Sony unterstützt haben. Dass der jetzt bei Facebook arbeitet, dürfte Microsoft nicht stören - aus zweierlei Gründen.

Nach der Rekord-Übernahme von Skype für mehr als 8,5 Milliarden Euro will der Windows-Riese jetzt noch enger mit Facebook kooperieren. So wird in der neuen Skype-Version der Chat des sozialen Netzwerks integriert und eine Interaktion mit Facebook-Freunden ermöglicht. Auch finanziell könnte sich die mögliche Investition in Hotz' Prozess bald auszahlen: Microsoft hält seit 2007 einen Anteil von 1,6 Prozent an Facebook. Knapp 240 Millionen Dollar legte Microsoft dafür auf den Tisch. Sollte Facebook bei seinem Börsengang im nächsten Jahr wie erwartet mehr als 100 Milliarden Dollar erreichen, könnte der Anteil rund 1,6 Milliarden Dollar wert sein.