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Lily Ebert 97-jährige Holocaust-Überlebende wird auf TikTok mit antisemitischen Parolen überzogen

Lily Ebert auf TikTok
Lily Ebert hält auf ihrem TikTok-Account die Erinnerung an den Holocaust wach
© Lily Ebert / Tiktok
Lily Ebert überlebte Auschwitz und erinnert auf TikTok an den Holocaust. Dort erlebt sie nun üble antisemitische Beschimpfungen – vor allem aufgrund des aktuellen Konflikts im Nahen Osten.

Im Juli 1944 wurden Lily Ebert und ihre Familie aus der ungarischen Stadt Bonydád von den Nazis in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Die ungarischstämmige Jüdin war damals 14 Jahre alt. Nach vier Monaten im KZ musste sie in einer Fabrik in Leipzig arbeiten, bis die Stadt von den Alliierten befreit wurde. Seit den 60er Jahren lebt Ebert in London. Heute ist sie 97 Jahre alt und versucht als Überlebende des Holocaust, auf der Social-Media-App TikTok junge Menschen an die Verbrechen des Dritten Reichs zu erinnern.

Doch auch dort muss sie die Erfahrung machen, dass Antisemitismus und rechte Parolen um sich greifen. Immer wieder wird Ebert auf der Plattform übel beleidigt. Gerade schlägt ihr der Hass besonders schlimm entgegen – offenbar ausgelöst durch die neuerliche Eskalation der Gewalt im Nahen Osten. Eberts Urenkel Dov Forman veröffentlichte auf Twitter einige der Beleidigungen, die unter den Videos seiner Urgroßmutter gepostet wurden.

Judenhass und Hitler-Verehrung auf TikTok

"Happy Holocaust" wünscht dort ein User, in anderen Kommentaren wird Hitler verehrt und die israelische Palästina-Politik mit den Konzentrationslagern der Nazis verglichen. Das alles unter einem Post, der keinerlei politische Botschaft hat – Ebert wünschte in dem Video den Zuschauern lediglich einen "schönen, friedlichen Sabbat". Der Sabbat ist im Judentum der von Freitagabend bis Samstagabend dauernde Ruhetag, der mit verschiedenen religiösen Ritualen begangen wird.

Ebert, die erst Anfang des Jahres eine Corona-Infektion überlebt hatte, zeigt sich schockiert über den Hass, der ihr im Internet entgegenschlägt. "Ich hätte mir nie im Leben vorstellen können, dass ich heute einen solch schrecklichen Antisemitismus erleben würde", sagte sie in einem Video als Reaktion auf die Kommentare. Ihr Urenkel Dov Forman, der die Social-Media-Accounts für sie betreibt, kündigte an, sich von den Beschimpfungen nicht entmutigen lassen zu wollen. "Wir werden uns dadurch nicht davon abbringen lassen, von den Schrecken der Vergangenheit zu berichten, und davon, wozu Hass führt", schrieb der 17-Jährige auf Twitter. "Hass bringt nur Hass hervor." 

DISKUTHEK: Wann ist Kritik an Israel Antisemitismus? Jüdin vs. Bischof

Seit dem erneuten gewaltsamen Aufflammen des Gaza-Konflikts erleben viele Juden im Internet eine Welle von Beschimpfungen – auch in Deutschland. "Die Bedrohung gegen die jüdische Gemeinschaft wächst", sagte der Präsident des Zentralrats, Joseph Schuster. Er forderte von den Nutzern in den sozialen Netzwerken Solidarität und Beistand. Auch bei anti-israelischen Demonstrationen kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu antisemitischen Vorfällen. 

Quellen: Lily Ebert auf TikTok / Dov Forman auf Twitter / Holocaust Memorial Day Trust

epp

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