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Internet: BBC setzt auf Web-TV

Der Sender BBC hat den Testbetrieb seines Internet-Fernsehens gestartet. Briten können jetzt Sendungen der vergangenen sieben Tage auf ihrem PC sehen. Während in England Aufbruchstimmung herrscht, diskutieren ARD und ZDF über ihre TV-Präsenz im Netz.

Von Thomas Soltau

Eigentlich wollte der britische Staatssender mit der Einführung seines Video-On-Demand-Service bis zum Herbst warten. Doch überraschend zog der verantwortliche BBC-Programmdirektor Ashley Highfield den Start des Internet-Fernsehen auf Ende Juli vor. Die Zahl der Teilnehmer, die im Testbetrieb zunächst auf 20 000 begrenzt ist, soll bis zum Jahresende weiter erhöht werden.

Voraussetzung für den Fernsehspaß am Computer ist der iPlayer, den die Zuschauer kostenlos herunterladen können. Die BBC stellt die Software zunächst nur für das weit verbreitete Windows XP zur Verfügung - Versionen für Vista, Apples MacOS X und eventuell Linux sollen folgen. Weil die Software ausschließlich den Microsoft-Mediaplayer unterstützt, will das Open Source Consortium (OSC) eine Beschwerde bei der EU-Kommission einreichen. Die Organisation verlangt von der BBC, als gebührenfinanzierter Sender allen Zuschauern ihr Programm zugänglich zu machen - unabhängig vom jeweiligen Betriebssystem.

400 Stunden TV-Programm

Wer sich mittels iPlayer den Zugang zum TV-Angebot verschafft, den erwartet eine kleine Wundertüte: TV-Serien, Dokus und Nachrichten locken den Zuschauer. Dabei erreicht die Bildqualität durchaus das Niveau von Fernsehsendungen. "Mit dem iPlayer stellen wir unseren Zuschauern das Fernsehangebot einer ganzen Woche zur Verfügung, das sind rund 400 Stunden TV-Programm", sagt Programmdirektor Ashley Highfield. Etwa 200 Millionen Euro Entwicklungskosten und drei Jahre Planungen stecken in dem Projekt, das weltweit zu den größten Video-On-Demand-Portalen zählt.

Die Einführung des Internet-TV-Angebots durch einen öffentlich-rechtlichen Sender ist in Großbritannien nicht unumstritten. Das zuständige Aufsichtsgremium hatte bestimmte Auflagen erteilt, bevor es dem Ausbau des Online-Service zustimmte. TV-Serien dürfen nach der Vereinbarung erst dann via Web laufen, wenn die Ausstrahlung bereits im klassischen Fernsehen gesendet wurde. Darüber hinaus ist die Nutzung der Downloads auf 30 Tage beschränkt - danach werden die gespeicherten Sendungen auf dem PC automatisch gelöscht. Zudem bleiben Sportsendungen und Spielfilme vom Angebot ausgeschlossen, da die Übertragungsrechte nicht für das Internet gelten. Wer also auf Spitzenspiele aus der Premier League hofft, guckt in die Röhre.

Warnung vor ungebremster Expansion

In Deutschland tobt schon lange eine Diskussion um die Online-Auftritte von ARD und ZDF. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hat unlängst vor der ungebremsten Expansion der öffentlich-rechtlichen Sender ins Internet gewarnt. Sollten die Sender die Zeit bis zu einem neuen Staatsvertrag 2009 nutzen, um mit ihren Digitalplänen Fakten zu schaffen, werde die Politik das zu verhindern wissen, so Oettinger. Bislang dürfen die die Öffentlich-Rechtlichen maximal 0,75 Prozent ihres Budgets für digitale Projekte ausgeben. Bei ARD und ZDF sind derzeit 53 Millionen Euro Gebührengeld für Onlineaktivitäten eingeplant. Ob man künftig die Grenze aufhebt, anhebt oder beibehält sei noch nicht entschieden. Kritiker fordern stets, dass sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten auch im Netz auf ihren Auftrag konzentrieren und lediglich "programmbegleitend" aktiv werden.

Auf der britischen Insel lächelt man über die Diskussion zur Selbstbeschränkung. Das Angebot der BBC soll zukünftig sogar weltweit zu sehen sein - allerdings nur gegen Gebühr. Die Planspiele gehen noch viel weiter: die Verantwortlichen wollen ihre Inhalte auch auf Mobiltelefone und digitale Fernsehgeräte bringen. "Schließlich versucht die BBC bei solchen Projekten immer, so viele Zuschauer wie möglich zu erreichen", erklärt Programmdirektor Ashley Highfield.