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Internet-Radio: Bedrohte Tonarten

Aufgehorcht: Radios im Internet sind toll - aber einige werden im April verstummen.

Wer im Internet Radio hört, hat die Welt am Ohr: Welche Musik spielt in der Antarktis? Ein Klick, und der Sender "'A' Net Station" tönt aus den Lautsprechern. Ob es da wohl sehr kalt ist? Die Daten rauschen heran, und es klingt, als wäre man da. Oder doch nach Belgien? Das wäre "Zone 80", ein paar Klicks weiter. Eine Station für Mittelalter-Fans heißt "Radio AENA", "Radio DT04" sendet für DDR-Nostalgiker. Und daneben dudeln die etablierten Rundfunkanstalten von BBC bis WDR.

Web-Radios

bieten eine Programmvielfalt, wie es sie seit Erfindung des Mediums vor gut 100 Jahren nicht gegeben hat. Drängeln sich auf der begrenzten UKW-Skala höchstens ein paar Dutzend Sender, können im Netz Tausende aus aller Welt nebeneinander existieren. 2663 Stationen sind allein mit der Software Phonostar (www.phonostar.de) zu empfangen. Im Internet kann jeder Musik-Enthusiast sein eigenes Radio aufmachen, und sei es auch nur für ein Dutzend Hörer. Die Hürden für die Gründung eines Senders sind niedrig: In Deutschland braucht man dafür nicht einmal eine Anmeldung, den Betrieb eines Internet-Radios garantiert die Pressefreiheit.

Früher wurden Internet-Radios eher belächelt: Die wenigen Sender, die es gab, hatten eine miserable Qualität, ständig brach die Datenübertragung (der Stream) ab oder ließ gleich den ganzen Rechner abstürzen. Dass sich das geändert hat, liegt vor allem an DSL. Seitdem Millionen Surfer mit Hochgeschwindigkeitsverbindungen im Netz sind, kommen die Radiodaten nahezu ungebremst an und liefern oft sogar bessere Qualität als "normale" Sender. Weil viele ihre Internet-Nutzung zudem pauschal abrechnen, kann das Online-Radio nonstop aus den Lautsprechern dudeln.

Das klingt wunderbar. Jedoch: Viele Web-Radios werden bald verstummen. Einige kündigen ihr Ende an, andere verschwinden still und heimlich aus dem Netz. Der Sender "dasradio.de" hat abgeschaltet, und "Nightline Radio" wird "aus finanziellen Gründen den Betrieb einstellen", wie es auf der Webseite heißt. Der Grund: Am 1. April tritt eine Gebührenerhöhung in Kraft, die viele von ihnen zum Aufgeben zwingt. Mussten kleine Stationen mit wenigen Hörern bislang monatlich eine Pauschale von etwa 25 Euro an die Rechteinhaber entrichten, müssen sie nun nachweisen, wie viele Hörer wann welches Musikstück eingeschaltet haben, und entsprechend zahlen. Damit könnten sich die Kosten der Internet-Radios vervielfachen.

Das Problem:

Es gibt zwar das so genannte Sendeprivileg, wonach alle Radiostationen - rechtlich garantiert - jede Musik spielen dürfen, die in Deutschland veröffentlicht wurde. Aber sie müssen für eine Vergütung der Künstler sorgen. Das Geld treibt die "Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten" (GVL) ein - und die hat nun die Gebührenerhöhung verfügt. "Es mag sein, dass das für den einen oder anderen Musik-Enthusiasten jetzt zu teuer wird", sagt GVL-Geschäftsführer Tilo Gerlach. "Aber jeder wusste, dass die bisherige Gebührenordnung nur vorläufig war." Dass die neuen Gebühren zu hoch sind, findet er nicht, zumal die GVL die Preiserhöhung in letzter Minute abgeschwächt hat. "Wir haben uns an den Gebühren orientiert, die in den USA üblich sind", sagt er, "und dort gibt es ja auch eine blühende Radioszene."

Doch die Realität hierzulande scheint anders auszusehen. "Schon jetzt haben viele Sender aufgegeben", sagt Constanze Mahnert, die für die Software Phonostar die Senderliste aktuell hält, "und noch mehr haben angekündigt, zum 1. April aufzugeben." Seit Wochen schon protestiert die Radiomacher-Szene mit Seiten wie ich-will-webradio.de oder radioabbau.de gegen die neuen Gebühren. "Die Musikindustrie schickt die GVL in den Ring, um das Web-Radio mundtot zu machen", sagt Frank Brach von gvl-protest.de. "Die wollen uns die Luft abdrehen", schimpft auch Jay Jay, der seit zwei Jahren von Aachen aus sein Web-Radio "Raute-Musik" betreibt. "Wir zahlen ohnehin viel Geld für Server und Datenübertragung. Die GVL-Tarife kann sich doch keiner leisten." Mit einem Trick hat Jay Jay, der eigentlich Yehya El Omari heißt und dessen Familie aus dem Libanon stammt, sich der Gebührenerhöhung entzogen: Er verlegte die Adresse des Senders in den Libanon und so außerhalb der Reichweite der GVL - das Internet macht's möglich.

Doch selbst

wenn alle deutschen Web-Radios abgeklemmt würden: Der Trend zum Ton aus dem Netz ist nicht aufzuhalten. Radio-Portale wie live365.com haben so viele Sender im Angebot, dass man auch nach Monaten noch Neues entdecken kann. Auch auf www.shoutcast.com gibt es Tausende Sender zur Auswahl. Internet-Dienste wie Yahoo und AOL senden ebenso ihr eigenes Programm. Eigentlich müsste so viel kostenlose Werbung der Musikindustrie gefallen. Doch ihr Problem sind wieder mal die echten oder vermeintlichen Raubkopierer. Denn alles, was empfangen werden kann, kann aufgenommen werden. Und wird nicht mehr gekauft, befürchtet die Branche. Software, mit der man Radio mitschneiden kann, gibt es gratis im Netz, sie ist bislang nicht verboten. Um das zu ändern, sind Lobbyisten der Musikindustrie seit Monaten in Berlin im Einsatz. Doch selbst wenn es ihnen gelingt, die Politiker zu überzeugen, kann es noch dauern, bis entsprechende Gesetze in Kraft sind. So lange wird weitergesendet - und aufgenommen.

Ulf Schönert / print
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.