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Travis Kalanick in München: Wie der Uber-Chef mit seinen Guerilla-Taxis Europa umwirbt

Er ist das Enfant Terrible im Silicon Valley: Travis Kalanick, der Chef des Taxikonkurrenten Uber. In München hat er gegenüber den Europäern eine ungewohnte, liebliche Tonart angeschlagen.

Von Florian Güßgen

Travis Kalanick verspricht in München viel: Jobs, Umwelt, schönere Städte. Alles dank Uber.

Travis Kalanick verspricht in München viel: Jobs, Umwelt, schönere Städte. Alles dank Uber.

Da ist er also: Travis Kalanick, 38, Tech-Millionär, Uber-Chef - und für das traditionelle Taxigeschäft, auch in Deutschland, so etwas wie der Leibhaftige höchstpersönlich. "Wir befinden uns im Wahlkampf", hatte er einst gesagt, "und der eine Kandidat ist Uber und der andere ein Arschloch namens Taxi." Guten Tag auch. Spätestens seit diesem Spruch hat Kalanick sein Image weg.

Da ist er also, an diesem Sonntagnachmittag, auf der Bühne der Digitalkonferenz DLD in München, im hellgrauen Hemd, im dunkelgrauen Anzug - und erzählt eine neue, fast schon liebliche Uber-Story. Und die geht so: Uber werde in Europa allein im Jahr 2015 rund 50.000 neue Jobs bringen, den Kohlendioxid-Ausstoß reduzieren und mit seiner App dafür sorgen, dass nicht unsinnig viele ungenutzte Autos die Straßen der Städte verschandeln. "Wir wollen, dass 2015 das Jahr wird, in dem wir eine neue Partnerschaft mit europäischen Städten eingehen", sagte Kalanick.

Jobs. Umwelt. Schönere Städte. Alles dank Uber. Klingt gut. Gleichzeitig gehe es darum, alte, überkommene Gesetze an die Gegebenheiten der neuen Technologie anzupassen. "Sobald es eine neue Technologie gibt, ergeben manche alte Gesetz keinen Sinn mehr", sagte Kalanick. Doch was für Jobs er schaffen will, ließ der Uber-Chef offen.

Imagewandel dringend nötig

Mit seinem Auftritt in München hat Kalanick versucht, Ubers Image in Europa ein Stück weit aufzupolieren - ohne freilich von dem Ziel abzurücken, dass sich die Europäer an Uber anpassen müssen und nicht umgekehrt. Die Sprache ist freundlicher, auch wenn die Interessen gleich geblieben sind.

Uber hat diesen Imagewandel dringend nötig. Seit 2009 ist die Firma auf dem Markt - und wächst und wächst und wächst. Scheinbar um jeden Preis, scheinbar gegen jeden Widerstand. Uber bietet eine App, die Fahrten mit dem Auto vermittelt, mal im privaten Wagen, mal in der Luxuslimousine, mittlerweile, nach Ubers Angaben, in rund 50 Ländern. Umstritten ist dabei vor allem der Dienst UberPop, der private Fahrer vermittelt. Das kollidiert in vielen Ländern mit Vorgaben zur Personenbeförderung. Widerstand, auch juristischen, sogar Verbote nimmt Uber in Kauf, das ist eingepreist. In Spanien, in den Niederlanden, in Thailand, aber auch in Rio de Janeiro wurde Uber zeitweise verboten, in Kalifornien laufen Verfahren, in Südkorea gegen Kalanick persönlich. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Rechtsstreitigkeiten.

Geschätzter Wert: 40 Milliarden Dollar

Diese Rücksichtslosigkeit hat etwas Cooles, Entschlossenes, wie es eine erfolgreiche Techfirma wohl auch braucht. Uber hat nicht nur Investoren wie Google und Goldman Sachs im Rücken, sondern erst im Dezember wieder Investitionen in Höhe von angeblich 1,2 Milliarden Dollar eingesammelt, auch der chinesischen Konzern Baidu gibt Geld. Uber begreift sich dabei, und das wurde auch in Kalanicks Rede auf dem DLD deutlich, nicht in erster Linie als Transportunternehmen, sondern als Technologiekonzern, der nur die Vermittlungs-App zur Verfügung stellt. Ubers Wert wird derzeit auf 40 Milliarden Dollar geschätzt.

Die Rücksichtslosigkeit hat aber auch etwas Ruchloses. Sie stößt ab, nicht nur die Konkurrenz, auch potenzielle Kunden, zumal wenn sie dazu führt, dass Menschen zu Schaden kommen. In Indien ist Uber zeitweise verboten worden, weil ein Fahrer eine Frau vergewaltigte, auch in Chicago und Boston kam es zu Vorfällen. Ein Uber-Manager wurde blöderweise auch noch dabei erwischt, wie er überlegte, im Privatleben von Journalisten zu schnüffeln. Eine Journalistin sprach von einer "Arschloch-Kultur" bei Uber. Das ARD-Magazin "Panorama" berichtete zuletzt davon, dass Uber Daten seiner Kunden verwendet habe, um herauszufinden, wer denn nun zu einem Seitensprung unterwegs sei. In die Kritik geriet Uber auch, als der Dienst im vergangenen Dezember nach der Geiselnahme in Sidney die Preise sprunghaft erhöhte. Der Bedarf an Taxis war in der Not groß. Der folgende Shitstorm auch.