VG-Wort Pixel

Umstrittener Fahrdienst Uber Ein Großkotz-Start-up vor dem Fall


Uber will die Transportbranche weltweit revolutionieren, einfach indem man alle Vorschriften ignoriert. Doch Arroganz, Verachtung der Gerichte und Skandale bringen den Riesen ins Straucheln.
Von Finn Rütten

Uber zählt zu den wertvollsten Start-up-Unternehmen der Welt. Nicht wenige prophezeien dem kalifornischen Fahrvermittlungsdienst mit dem zweifelhaften Image eine große Zukunft. Doch in den vergangenen Tagen und Wochen hagelt es Negativ-Schlagzeilen. Das führt dazu, dass man den geschätzten Wert von über 40 Milliarden US-Dollar – nur vier weniger als die Deutsche Bank – zumindest hinterfragen muss.

In Indien droht dem Konzern nach dem Verbot in der Hauptstadt Neu-Delhi nun womöglich ein landesweites Verbot. Vorausgegangen waren die Vergewaltigungsvorwürfe gegen einen Uber-Fahrer, der wegen eines ähnlichen Vergehens nur gegen Kaution auf freiem Fuß war. Uber hatte seine kriminelle Vergangenheit nicht überprüft, obwohl sich die Firma gerne als "sichere Alternative zu Taxis" darstellt. Sollte sich das landesweite Verbot in der 1,25 Milliarden-Nation durchsetzen, wäre das ein herber Schlag für das Start-up. Schließlich erhofft man sich gerade in den aufstrebenden Märkten, wie etwa Indien oder China, große Wachstumschancen.

Uber bietet verschiedene Dienste an. Die Fahrgäste werden via UberBlack an Fahrer mit Mietwagen oder via UberPop an Privatpersonen mit eigenem Auto vermittelt. Besonders die App UberPop wird scharf kritisiert, da hier unerfahren Privatleute Personenbeförderung betreiben. Mit der App UberTaxi können aber auch reguläre Taxis gebucht werden. Durch das Online-Buchverfahren werden hier Vermittlungskosten gespart.

In vielen Ländern schon verboten

Auch in den Niederlanden und Thailand musste das Start-up seinen Dienst UberPop bereits einstellen. Niederländische Gerichte drohten sowohl Uber als auch den Fahrern fünfstellige Bußgelder an. Das Unternehmen gab daraufhin in der gewohnt überheblichen Art bekannt, etwaige Strafen übernehmen zu wollen.

Erst kürzlich zog auch Spanien nach. Massenhafte Proteste von Taxifahrern waren vorangegangen. Die Personenbeförderer dort - wie auch in anderen Ländern - werfen Uber unlauteren Wettbewerb vor, da deren Fahrer nicht die zum Teil sehr teuren Prüfungen für Taxifahrer durchlaufen müssten und dann mit günstigeren Preisen den Markt kaputt machen würden. Die spanischen Richter entschieden, dass es illegal sei, wenn Privatpersonen Kunden gegen Geld im eigenen Auto chauffieren, und untersagten Uber die Nutzung der App UberPop.

Ähnlich urteilten bereits zwei deutsche Gerichte in Hamburg und Berlin und verboten Uber die weitere Vermittlung von Fahrten mit Blick auf das Personenbeförderungsgesetz. Von der deutschen Taxi-Branche wird dem Unternehmen vorgeworfen, die Uber-Fahrer besäßen nicht die entsprechenden Genehmigungen, um gegen Geld Chauffeur-Dienste anzubieten und seien nicht dafür versichert.

Mangelnde Sicherheitschecks

Dem Unternehmen wird oft vorgeworfen, die Fahrer nicht ausreichend zu überprüfen, wie bei dem Fall in Indien. Aber auch an der Heimatfront gibt es in dieser Frage nun auch Ärger: In Kalifornien wird Uber vorgeworfen, seine Kunden mit falschen Angaben zu den Sicherheitschecks ihrer Fahrer getäuscht zu haben. So habe man behauptet, seine Fahrer besser als der Rest der Branche zu überprüfen, obwohl normale Taxi-Vermittlungen ihre Angestellten wesentlich gründlicher durchchecken würden.

In der Realität sehen die "gründlichen" Kontrollen von Uber so aus, dass Untersuchungen an private Firmen delegiert werden, die im Wesentlichen Alkohol- und Drogentests durchführen und öffentlich zugängliche Personendaten auswerten. Kontrollen von Fingerabdrücken zum Abgleich in der FBI-Datenbank, wie von gängigen Taxiunternehmen in den USA praktiziert, will Uber hingegen nicht.

Außerdem werfen die Staatsanwälte dem Unternehmen vor, dass Fahrer ohne Genehmigung Aufträge an Flughäfen übernommen hätten. In San Francisco hätten die Uber-Chauffeure dabei sogar eine Gebühr von vier Dollar gefordert – als angeblich übliche Abgabe für den Flughafen. Doch dieses Geld sei nie weitergereicht worden, da ja gar keine Verträge zwischen Uber und den Flughafenbetreibern vorlagen. Uber kündigte im üblichen Duktus an, "mit den Behörden kooperieren zu wollen".

Miserables Image

Die im Subtext mitschwingende Überheblichkeit vieler offiziellen Äußerungen des Unternehmens kommt nicht von ungefähr: Die Führungsriege von Uber machte in der Vergangenheit vermehrt mit Negativ-Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Mitkonkurrent Lyft und Uber gerieten in die Schlagzeilen, weil sie sich gegenseitig vorwarfen, den jeweils anderen mit massiven Falschbestellungen manipulieren zu haben.

Der ranghohe Uber-Manager Emil Michael, zuständig für das operative Geschäft, hatte ebenfalls erst kürzlich für einen Skandal gesorgt: Bei einer Veranstaltung in New York hatte er von seinen Plänen gesprochen, Spezialisten anzuheuern, die über Gegner des Unternehmens und einige ihm zu kritische Journalisten Nachforschungen für eine Schmutzkampagne anstellen sollten. Deren Privatleben und Familien sollten durchleuchtet werden. Eigentlich sei die Veranstaltung vertraulich gewesen, monierte Michael nach den Veröffentlichungen. Später musste er sich öffentlich entschuldigen.

Massive Investitionen

Investoren scheinen sich von den dubiosen Methoden und dem weltweiten juristischen Gegenwind nicht abschrecken zu lassen. Das Geld geht Uber bislang nicht aus. Erst im Dezember gab es eine 1,2 Milliarden US-Dollar schwere Finanzspitze. Insgesamt 2,7 Milliarden haben die Geldgeber des Silicon Valley damit bislang in den Fahrvermittler investiert. Das Geld investiert Uber fleißig, wirbt neue Fahrer an und ist mittlerweile in 250 Städten aktiv. Viel Geld floss auch in Lobbyismus. Allein in Kalifornien hat Uber nach Angaben der New York Times 650.000 US-Dollar für Lobbyisten ausgegeben.

Die Konzernverantwortung in puncto Sicherheit nehme man sehr ernst, teilte das Unternehmen zu den Vorwürfen in Kalifornien mit. Allein 2014 habe man mehr als zwei Millionen Fahrer einem Background-Test unterzogen. Zumindest in Indien scheinen diese nicht tief zu gehen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker