VG-Wort Pixel

Internet-Radio und Web-TV Jeder Fünfte glotzt und horcht online


Der traditionelle Fernsehabend wird in deutschen Wohnzimmern immer unwichtiger. Stattdessen gucken die Menschen ihre Lieblingssendungen im Internet. Eine große Chance für private Anbieter - wenn da nicht GEZ wäre.
Von Hanna Grabbe

14,2 Millionen Menschen in Deutschland haben im ersten Vierteljahr über das Internet Radio gehört oder fern gesehen. Im Vergleich zum Vorjahr (10,3 Millionen) ist das ein Zuwachs von rund 38 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Damit nutzten 19 Prozent aller Deutschen ab zehn Jahren das Internet für Radio und Fernsehen.

Vor allem die Öffentlich-Rechtlichen locken mit einem breiten Angebot an Unterhaltung und Nachrichten im Netz. Die privaten Rundfunkanstalten und Verlage sehen darin eine unfaire Konkurrenz zu ihren Produkten - schließlich haben ARD und ZDF durch die Zwangsgebühren wesentlichen Wettbewerbsvorteil. Und auch Online-Nutzer kommen ums Zahlen inzwischen nicht mehr herum.

Antworten auf die die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wer nutzt den Online-Rundfunk?

Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsene ist Radiohören und Fernsehen per Internet äußerst beliebt. Über 39 Prozent der 16- bis 24-Jährigen machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. In der Altersgruppe der 10- bis 15-Jährigen nutzte knapp jeder Vierte das Internet für solche Zwecke, bei den 25- bis 44-jährigen war es fast jeder Dritte.

Menschen über 45 Jahren setzen dagegen eher auf konventionelle Übertragung: Nur 13 Prozent der 45- bis 64-Jährigen hörten Internet-Radio oder sahen Internet-Fernsehen. Ab 65 Jahren lag der Anteil sogar nur bei drei Prozent.

Auch zwischen Männern und Frauen gibt es eklatante Unterschiede bei den Fernsehgewohnheiten: Im ersten Vierteljahr 2008 hörten beziehungsweise sahen 26 Prozent der Männer über dieses Medium Radio oder Fernsehen. Bei den Frauen waren es nur halb so viele.

Was kostet das staatliche Internet-Programm?

Um Rundfunkgebühren kommt man im Internetzeitalter kaum noch herum: Seit dem 1. Januar 2007 zahlen die Nutzer 5,76 Euro im Monat für Radio und/oder ein "neuartiges Rundfunkgerät". Dazu zählen Computer, Handys und alle anderen Geräte, die internetfähig sind oder ein entsprechendes Empfangsteil besitzen.

Dabei begründet allein der Besitz der Apparate die Gebührenpflicht. Es kommt nicht darauf an, ob die Angebote auch genutzt werden. Selbst wer nur Privatsender hört oder sieht und noch nie auf den Webseiten von ARD und ZDF geklickt hat, muss zahlen.

Wer aber seinen Fernseher verschrottet und künftig nur noch im Netz glotzt, könnte seine Gebühren von derzeit 17,98 Euro auf 5,76 Euro reduzieren.

Wer ist von den "Online-Gebühren" betroffen?

Eigentlich geht es nur um Privathaushalte, die weder ein Radio noch einen Fernseher angemeldet haben und auch mit keinem Autoradio angemeldet sind, sondern beispielsweise nur einen internetfähigen PC oder ein UMTS-Handy haben. Statistisch gesehen haben aber nahezu 100 Prozent der Privathaushalte zumindest ein Radio. Sobald es angemeldet ist, handelt es sich bei den neuartigen Rundfunkgeräten um ein gebührenfreies Zweitgerät.

Für Firmen, Selbständige und Behörden gilt: Ist für die Betriebsstätte oder das Büro weder ein Fahrzeug mit einem Autoradio noch sonst ein Rundfunkempfangsgerät angemeldet, so fällt für sämtliche Internet-PCs und UMTS-Handys, unabhängig von ihrer Anzahl, eine Gebühr in Höhe von 5,76 Euro monatlich an.

Ist eine Abgabe für bloßen PC-Besitz rechtmäßig?

In der Frage der Computer-Gebühren haben Gerichte bundesweit bisher unterschiedliche Auffassungen vertreten: Vergangenen Herbst befand ein Gericht in Münster, aus dem bloßen Besitz des Computers könne nicht automatisch auf Rundfunkempfang geschlossen werden (Az.: 7 K 1473/07) .

Das Verwaltungsgericht Würzburg dagegen entschied vor Kurzem: Für einen internetfähigen Computer sind Rundfunkgebühren fällig, wenn der Besitzer nicht schon für normale Rundfunkgeräte zahlt. Es spiele dabei keine Rolle, dass in dem PC keine Soundkarte und keine Programme zur Aufzeichnung von Rundfunksendungen installiert seien (Az.: W 1 K 08.1886).

Liegt Wettbewerbsverzerrung vor?

Bis ins letzte Detail ist diese Frage noch nicht geklärt. Allerdings hat die EU-Kommission im vergangenen Jahr eine von den deutschen Privatsendern angestoßene Untersuchung gegen die Öffentlich-Rechtlichen eingestellt. Im Gegenzug aber forderte Brüssel, verbindlich und präzise zu regeln, welche Angebote die gebührenfinanzierten Sender in Deutschland machen dürfen.

Das betrifft vor allem neue Internet- und digitale Angebote. Die Kommission will sicherstellen, dass Wettbewerbsvorteile nicht über das hinausgehen, was zur Erfüllung des gesetzlichen Auftrags nötig ist. Die Angebote sollen genauer auf ihren gesellschaftlichen Nutzen und die Auswirkungen auf den Medienmarkt geprüft werden. Dabei durchlaufen sie einen Public-Value-Test. In einem dreistufigen Verfahren soll geklärt werden, ob sie dem Versorgungsauftrag dienen und damit aus Gebühreneinnahmen finanziert werden dürfen.

Wieviel Geld kommt durch die Gebühren zusammen?

2007 sammelte die Gebühreneinzugszentrale GEZ insgesamt 7,3 Mrd. Euro von insgesamt 42,3 Millionen zahlenden Haushalten. Der größte Teil davon fließt an die ARD mit 5,4 Mrd. Euro. 1,7 Mrd. Euro gehen an das Zweite und rund 200 Mio. bleiben für den Deutschlandfunk. Zusätzlich kassiert die ARD etwa 360 Mio. Euro Werbegelder. Etwa 200 Mio. Euro sind es beim ZDF. Mit diesen Einnahmen müssen die Anstalten auch ihr Online-Angebot bestreiten.

Wer bestimmt, wieviel bezahlt werden muss?

Im Rundfunkstaatsvertrag ist gesetzlich festgelegt: Alle zwei Jahre melden die Rundfunkanstalten ihren Finanzbedarf an. Diesen prüft die unabhängige Kommission (KEF) und macht dann einen Vorschlag an die Landesregierungen. Er bildet die Grundlage für einen Gesetzesentwurf, der von den Parlamenten gegebenenfalls als Gesetz verabschiedet wird.

Internetradio Test: Hier geht es zum Internetradio Vergleich.

FTD

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker