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Internet: Seniorin surft mit Vollgas

Sie wollte nie ins Netz - jetzt hat sie den schnellsten Internetzugang der Welt: Mit 40 Gigabits in der Sekunde rast die Seniorin Sigbritt Löthberg aus dem schwedischen Dorf Råtorp durch das weltweite Web.

Mit 40 Gigabyte pro Sekunde könnte die Seniorin in zwei Sekunden einen Film herunterladen

Mit 40 Gigabyte pro Sekunde könnte die Seniorin in zwei Sekunden einen Film herunterladen

Die 75-jährige Sigbritt Löthberg aus Karlstad hat wohl den weltweit schnellsten Internetanschluss in einem Wohngebiet. Mit 40 Gigabits in der Sekunde rast sie aus dem schwedischen Dorf Råtorp durch das Internet. Über ihre Glasfaserverbindung könnte sie in weniger als zwei Sekunden einen ganzen Film herunterladen, wie Hafsteinn Jonsson mitteilte, der Leiter des Netzwerkes von Karlstad. Eingerichtet haben die Verbindung Jonsson und Lothbergs Sohn Peter, wobei sie eine neue Modulationstechnik nutzten.

"Wir hatten nie Internet, und wir haben es auch nicht gebraucht", sagt Frau Löthberg gegenüber stern.de. "Das war alles die Idee meines Sohns." Peter Löthberg arbeitet als IT-Entwickler in den USA. Er war es leid, sich "wie in der Sahara" zu fühlen, wenn er seine Eltern daheim in Schweden besuchte. Also gab er Gas und entwickelte einen einzigartigen Router für Mama Sigbritt und Papa Stig. 500 Leute haben über fünf Jahre an dem einen Meter hohen Router gearbeitet. Den stellte er kurzerhand in die Garage der Eltern. "Aber der Computer steht natürlich im Haus, das wäre ja sonst ungemütlich", erklärt die Seniorin.

Sie könnte Spielfilme in zwei Sekunden downloaden

"Wir wollten zeigen, dass es im Internet keine Grenzen für die Geschwindigkeit gibt", sagte Jonsson. Und Peter Lothberg erklärte, er wollte die Möglichkeiten der Technik demonstrieren und seiner Mutter gleichzeitig einen Internetanschluss beschaffen. "Sie ist ein Internet-Neuling", sagte Lothberg telefonisch aus Kalifornien. "Vorher hatte sie nicht einmal einen Computer." Seine Mutter reizt vielleicht auch deshalb ihre Möglichkeiten noch nicht ganz aus. Bislang liest sie noch vor allem Internet-Zeitungen.

Sigbritt Löthberg ist ein wenig unentschlossen, wie sie die neue digitale Welt finden soll. "Ich bin Anfängerin, ich muss das jetzt erst mal alles lernen." Dabei hilft ihr Tochter Anna. Sie tastet sich langsam voran: "Ich schaue so dies und das nach und surfe über Nachrichtenseiten". Eigentlich könnte sie mit der Höchstgeschwindigkeit ihrer Online-Verbindung alle zwei Sekunden einen Spielfilm runterladen. "Vielleicht später", sagt sie lachend.

"Zukunftsmusik" sind für sie auch Videokonferenzen mit Sohn Peter. Aber sie freut sich schon darauf: Da er größtenteils in den USA lebt und viel reist, bekommt sie ihn dann häufiger zu Gesicht. Und schneller.

Inga Leister mit AP
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