Internetunternehmen Yahoo steht vor ungewisser Zukunft


Yahoo-Vorstandschef und Mitgründer Jerry Yang hat die Latte für die kommenden Monate hoch gehängt. Der Manager muss beweisen, dass er mit seiner Strategie in der Lage ist, den Wert der Yahoo-Aktie auf 33 US-Dollar zu treiben.
Von Arndt Ohler

So viel hatte zuletzt Microsoft geboten, bevor der Konzern seine Offerte zurückzog. Vor Microsofts Übernahmeversuch hatte der Kurs der Yahoo-Papiere Ende Januar bei rund 19 $ gelegen. "Wir werden nun in der Lage sein, all unsere Energie auf die Umsetzung der wichtigsten Neuordnung in unserer Geschichte zu fokussieren", schrieb Yang in einer Mitteilung nach der Absage Microsofts.

Eine Runderneuerung ist dringend notwendig. Das Webportal ist seit Langem angeschlagen. Zwar ist Yahoo populär. Doch der Konzern schafft es nicht, den Besucherstrom von monatlich 500 Millionen Menschen in hohe Umsätze umzumünzen. Intern kritisieren Manager, dass Yahoo zu breit aufgestellt sei: von E-Mail über Chat, das Wetter, Onlinevideos und Horoskope. Zudem verschlief das Unternehmen wichtige Trends. Die kürzlich veröffentliche Dreijahresprognose bezeichneten Analysten als zu optimistisch. Yang, der Mitte 2007 an die Spitze des Konzerns aufrückte, hat wenig Positives bewirkt. Im Gegenteil: Vor Microsofts Gebot lag Yahoos Aktienkurs fast ein Drittel niedriger als zum Amtsantritt von Yang. Die ausgeschlagene Offerte könnte Aktionäre verleiten, Klagen einzureichen.

Um dem Konzern mehr Schwung zu verleihen, ist die Suche nach einem alternativen Partner unumgänglich. Laut US-Presseberichten hat die Führung um Yang auch in den vergangen Tagen weiter mit möglichen Partnern wie dem Suchmaschinenkonzern Google, dem Portal AOL oder dem Medienkonzern News Corp. gesprochen.

Die Auslagerung der Internetsuche an Google mitsamt der damit verknüpften Vermarktung der Textanzeigen gilt dabei kurzfristig als wahrscheinlichste Lösung. Eine Fusion mit AOL halten Analysten für unwahrscheinlich. Obwohl für die Tochter des Medienkonzerns Time Warner ein Zusammenschluss mit Yahoo interessant sein dürfte. Denn die enorme Reichweite der beiden Portale dürfte werbetreibende Unternehmen locken.

Google und Yahoo hatten ihre Zusammenarbeit bereits in den vergangenen Wochen getestet. "Es ist sehr angenehm, mit ihnen zu arbeiten, und wir mögen sie sehr", schwärmte Google-Chef Eric Schmidt vor zwei Wochen in Bezug auf den Probelauf. Da Google mit Abstand mehr Umsatz als Yahoo je Klick auf eine Anzeige erwirtschaftet, dürfte dies für beide Seiten ein lohnendes Geschäft sein. Analysten der Bank Sanford C. Bernstein taxieren den Wert der Yahoo-Aktie im Fall einer Kooperation mit Google auf 35 $. Üblicherweise erhält Google bei dieser Art von Partnerschaft einen Anteil von 10 bis 20 Prozent der über die Werbung bei der Internetsuche erzielten Umsätze. Yahoo verhandelt allerdings aus einer schwachen Position.

Dieser Schritt wäre zudem ein Eingeständnis, dass Yahoo es trotz Millioneninvestitionen auf absehbare Zeit nicht alleine schaffen wird, ähnlich erfolgreich wie Google das sogenannte Suchmaschinenmarketing zu betreiben. Dabei hatte der Konzern Anfang vergangenen Jahres unter großem Rummel seine neue Werbeplattform mit dem Codenamen Panama eingeführt. Die Spezialsoftware sollte helfen, das Manko bei den Textanzeigen zu beheben. Der Abschied aus diesem Geschäft wiegt zusätzlich schwer, da die Suchwortvermarktung als eine der lukrativsten Umsatzquellen in der Onlinewerbung gilt. Branchenprimus Google erzielt mehr als 90 Prozent seines Umsatzes mit diesem Geschäft.

Für den führenden Internetsuchkonzern ist die abgesagte Übernahme von Vorteil. Zum einen könnte Microsoft dem Konkurrenten Yahoo in die Arme getrieben haben. Zum anderen ist kein Unternehmen in Sicht, dass Google im Stammgeschäft auch nur annähernd gefährden könnte. Yahoo bleibt mit Abstand Nummer zwei im Markt für Internetsuche. Microsoft rangiert weit dahinter mit einem Anteil von fünf Prozent.

FTD

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