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Skandal in Spanien: Irre Smartphone-Überwachung: Wie "La Liga" Millionen Fußball-Fans zu Spitzeln macht

Ein Spionage-Skandal erschüttert die spanische Fußball-Welt. Die Spitzenliga "La Liga" überwacht die Fans per Mikrofon und GPS ihres Smartphones - und redet sich mit einer dreisten Ausrede heraus.

Auch die Real-Star Ronaldo spielt in "La Liga"

Auch die Real-Star Ronaldo spielt in "La Liga"

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Stellen Sie sich vor, Sie installieren sich die App der Bundesliga auf Ihr Smartphone, um Spielstände zu checken und regelmäßig die neuesten Updates mitzubekommen. Und plötzlich stellt sich heraus: Die App belauscht Sie ständig - und merkt sich außerdem, wo Sie sich herumtreiben. Genau das ist gerade den spanischen Fußball-Fans passiert.

"La Liga" wird die erste Liga, die "Primera División", in Spanien genannt. Auch die offizielle App heißt so. Sie ist extrem beliebt, mehr als 10 Millionen Nutzer haben sie heruntergeladen. Und machen damit ihr Smartphone zum Spion. Die App nimmt ständig Sound-Schnipsel aus ihrer Umgebung auf und wertet sie aus. Das irre Ziel: Die Primera División will so illegal geschaute Fußball-Übertragungen entdecken.

Spitzeln gegen Schwarzseher

Ähnlich wie in Deutschland sind auch in Spanien viele Spiele nur per Pay-TV zu sehen. Kneipen müssen bis zu 300 Euro im Monat für die Empfangsrechte zahlen, in Privathaushalten sind es 10 und 30 Euro, berichtet die britische Sportseite "Joe". Entsprechend gibt es viele Schwarzseher. Entdeckt die App anhand der Soundschnipsel, dass ein Fußball-Spiel geschaut wird, gleicht es per GPS ab, ob am Standort eine Lizenz vorliegt - und meldet sonst den Verstoß.

Die Liga verteidigt das Vorgehen in einem Statement gegenüber "El Diaro". Mit dem Vorgehen wolle man nur gegen Kneipen ohne Sende-Lizenz vorgehen. Dadurch würden Schäden von 150 Millionen Euro im Jahr entstehen. Die Liga vertritt hier die Interessen der Clubs: In Spanien verhandelt nicht die Liga mit den Fernsehsendern, sondern jeder Verein für sich. Große Clubs wie Real oder Barca können so viel höhere Summen heraushandeln.

Dass man dafür sämtliche Benutzer der App bespitzelt, sieht man nicht als Problem. Niemand habe Zugriff auf die gespeicherten Tonsamples, so der Verband gegenüber "El Diaro". Sie würden sofort in Binärcode umgewandelt. Der werde dann automatisch mit dem Code von vorhandenen Aufnahmen abgeglichen. Man könne dann ermitteln, ob schwarzgesehen wird "ohne Aufnahme oder Inhalt zu speichern", redet man sich heraus. Wie lange schon geschnüffelt wird, blieb unbeantwortet.

Spielverderber DSGVO

Entdeckt haben den Skandal spanische IT-Experten. Sie mussten nicht mühsam die App analysieren, sondern nur die Benutzungsbedingungen lesen. Offenbar kam die Spionage nur im Rahmen der gerade in Kraft getretenen Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO, heraus. Die zwingt Firmen, Bürger für die Sammlung von Daten um Erlaubnis zu fragen. 

Auch bei der "La Liga"-App muss man nun bei der Installation oder dem Update auf die neueste Version entsprechend zwei Haken setzen. Dass kaum einer die Texte liest, dürfte auch "La Liga" wissen - und macht es sich entsprechend zu Nutze. Der Punkt, hinter dem sich das Spitzeln versteckt, nennt sich: "Schütze dein Team!"