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Jaron Lanier: Der stille Revolutionär

Einst erfand er den Begriff "virtuelle Realität". Heute kämpft Computerpionier Jaron Lanier für mehr Menschlichkeit in der Digitalwelt und träumt von einer Zukunft ohne Datenkraken.

Von Karsten Lemm, San Francisco

Die Welt brauchte ein Schlagwort, und so wurde aus den Aufständen im Nahen Osten flink die "Facebook-Revolution". Jaron Lanier mag den Begriff nicht - auch wenn es stimmt, dass die Revolutionäre in Tunesien, Ägypten und anderswo soziale Netzwerke, Twitter und SMS-Nachrichten nutzten, um sich zu organisieren und zu informieren. "Ich denke, Technik hat eine Rolle gespielt", sagt der bekannte Autor und Computerpionier, "aber eher in der zweiten Reihe. Das Entscheidende war die Bevölkerungsentwicklung: Wann immer eine große Zahl an jungen Menschen erwachsen wird, stehen traditionelle Gesellschaftsstrukturen vor großen Herausforderungen." Für Millionen Arbeitslose im besten Alter, ohne Aussicht auf Jobs, Wohlstand und eine bessere Zukunft, wurden die neuen Medien zum Mittel, ihren Ruf nach Freiheit in die Welt zu tragen.

"Facebook-Revolution" hingegen - da könnte man meinen, der "Arabischen Frühling" sei dem Internet selbst zu verdanken, seelenloser Software, nicht Menschen aus Fleisch und Blut, die bis heute ihren Kopf dafür hinhalten, Diktatoren aus dem Amt zu jagen. Als ob Technik Menschen ersetzen könnte. Seit Jahren kämpft Lanier gegen diese Vorstellung: dass unser Leben automatisch immer besser wird, solange wir uns nur mit immer mehr Gerätschaften umgeben und den Versprechen der Digitalwelt gefügig hingeben.

"Die Menschen sind das Produkt"

"Gadget: Warum die Zukunft uns noch braucht" heißt Laniers jüngstes Buch, ein Bestseller, der von der "New York Times" als eines der zehn besten Bücher des vorigen Jahres gepriesen wurde. Darin rechnet Lanier ab mit Facebook und Google, dem Web 2.0 und mit allen anderen, die versuchen, Menschen in ein Raster zu pressen, die Vielfalt des natürlichen Lebens in eine Folge aus Einsen und Nullen zu verwandeln und die Daten, die dabei abfallen, für ihre Geschäftsinteressen auszubeuten. "Viele Menschen, die kostenlose Internetdienste wie Facebook und Google nutzen, glauben, sie seien dort die Kunden", sagt Lanier. "Aber es ist wichtig, dass sich jeder klar macht: Sie sind nicht der Kunde - sie sind das Produkt."

Lanier ist ein Mensch, der selbst in kein Raster passt: ein massiger Mann mit rundem Gesicht und rötlichem Haar, das ihm in langen Rastalocken über die Schultern fällt, hinab bis auf den Rücken. Er sammelt obskure Instrumente, musiziert mit Leidenschaft und hat mehrere Alben aufgenommen. Trotz seiner körperlichen Fülle spricht Lanier mit der dünnen, hohen Stimme des sorgsam abwägenden Denkers, der sich lieber in filigranen Satzgebilden verliert, als mit der Faust auf den Tisch zu donnern - selbst wenn er wütend ist. Und was derzeit in der Onlinewelt passiert, macht ihn wütend. Lanier sieht Suchmaschinen und soziale Netzwerke wie Facebook nicht als willkommene Weiterentwicklung des ursprünglichen Internet-Gedankens, Menschen und Informationen weltweit zu verknüpfen, sondern als Perversion dieser Ideale zum Wohle einiger weniger Großkonzerne.

Keine Chance gegen die Supermächte des Internet

"Facebook sammelt Daten in der Art, wie es Nachrichtendienste tun - um anschließend den Zugang zu den Nutzern in Form von Anzeigen zu vermarkten", sagt Lanier voller Verachtung. Nicht einmal Wikileaks und die Anonymous-Hackertruppe hätten eine Chance gegen die Supermächte des kommerziellen Internets, glaubt er: "Ich fordere Julian Assange heraus, eine der Datenbanken, die das Herz von Google und Facebook bilden, öffentlich zugänglich zu machen. Wenn er herausfinden möchte, wie echter Widerstand aussieht, kann er das gern versuchen." Lanier lacht. Anonyme Hacker, die sich erfolgreich vor ihren Häschern verstecken? "Es gibt keine echte Anonymität", sagt er. "Es gibt nur Anonymität, soweit Google und Facebook bisher nicht gezwungen wurden, sie preiszugeben." Die Firmen wüssten genau, wer wer ist, "aber sie gewähren keine Einblicke in ihre Daten, weil das nicht in ihrem kommerziellen Interesse liegt."

Miterfinder unseres Alltags

Es ist der gerechte Zorn eines Mannes, der unseren Alltag mit erfunden hat, als dieser noch in der Zukunft lag. Mitte der 1980er Jahre suchte Lanier, damals ein junger Programmierer von Computerspielen, im Silicon Valley nach Möglichkeiten, sich und die Wirklichkeit, die ihn umgab, in Bits und Bytes abzubilden, zu erweitern, zu bereichern. Er baute Brillen, so genannte "Head-Mounted Displays", in denen Computersimulationen so verblüffend echt schienen, dass sie die Wirklichkeit verdrängten. "Virtuelle Realität" nannte er diese neue Technik und legte damit den Grundstein für eine Revolution, die heute in Operationssälen ebenso nachwirkt wie im Autobau und in Kinderspielzimmern.

Laniers Pionierarbeit verdanken es Chirurgen, dass ihnen Rechner vor Augen führen, wie sich das Herz in den Leib des Patienten einfügt, und Architekten erkennen mit Computerhilfe schon vor dem ersten Spatenstich, wie gut ihr Wolkenkratzer dereinst dem Wintersturm standhalten wird. Dieser Mann, sollte man meinen, müsste sich vor allen anderen für die Segnungen der modernen Welt begeistern können. Stattdessen sitzt Lanier, inzwischen 50 Jahre alt, gefeierter Autor, Forscher und Uni-Professor, in seinem Lieblingscafé in Berkeley bei San Francisco und sagt: "Dies hier ist die wahre Welt, hier gibt es echte Freunde, echte Beziehungen. Dies ist kein künstliches Zeug, das irgend eine Datenbank ausgespuckt hat."

Wikipedia? Langweilig!

Manche mögen hoffen, im kollektiven Strom von Twitter-Nachrichten die "Weisheit der Masse" zu entdecken - etwa, um Zuckungen der Börse vorauszuahnen. Lanier sieht darin lediglich eine moderne Form von Selbstbetrug: Letztlich fresse der nötige Aufwand, um solche Einsichten zu gewinnen, alle Vorteile wieder auf, argumentiert er. "Sicher lässt sich mit Marktanalysen etwas erreichen, das lange Zeit wie Profit aussehen mag - doch am Ende untergraben die Kosten, den Markt zu verstehen, immer wieder genau diesen Profit."

Selbst die Wikipedia, das Musterbeispiel für uneigennützige Zusammenarbeit der Netzgemeinde, kann Lanier nicht wirklich begeistern. Das Nachschlagewerk, bei dem alle mitmischen dürfen, gilt dem Technikphilosophen eher als Musterbeispiel für Einheitsbrei und Mittelmaß - eben genau das, was man erwarten darf, wenn viele Menschen ohne eigene Stimme gemeinsam Texte schreiben. "Das Grundprinzip, nach dem Wikipedia arbeitet, macht alles Interessante langweilig", kritisiert Lanier. "Leben wird auf bloße Informationen reduziert und in einem Standardformat präsentiert, völlig ohne einen eigenen Standpunkt." Richtig gut sei das Gemeinschafts-Lexikon deshalb eigentlich nur bei Themen wie Physik und Mathematik, bei denen es auf Meinung und Perspektive nicht ankomme - und, kurioserweise, bei vielen Popkultur-Einträgen, wenn sich die Wikipedia-Schreiber nicht an ihre eigenen strikten Regeln halten mögen: "Sie sind vielleicht Science-Fiction-Fans und lieben ihr Thema", sagt Lanier, "und dann, wenn ihre eigene Meinung herauskommt, wird Wikipedia richtig gut. Das finde ich großartig."

Visionen aus der Frühzeit

Die Lösung für viele Probleme, die seiner Meinung nach die Onlinewelt plagen, sieht Lanier in einem Vorschlag aus den Frühzeiten des Internet: "Der ursprüngliche Gedanke war, einen einzelnen, universellen Einkaufsladen einzurichten, verbunden mit einem Zahlsystem für kleine wie große Beträge", erklärt Lanier. Alle könnten mitmachen und mitverdienen - ob es um Texte geht oder Musik, um Basteleien oder Videos: "Jeder könnte Dinge verschenken oder verkaufen und selbst entscheiden, was mit seinen Daten passieren soll." Nur so ließen sich die Konflikte zwischen Kleinen und Großen in der Onlinewelt entschärfen, argumentiert er. "Wenn jeder Einzelne ein finanzielles Interesse an seinen Daten hätte, ginge es nicht mehr darum, was diese oder jene finstere Gestalt in geheimen Rechenzentren damit anfängt." Stattdessen hätten alle ein gemeinsames Interesse, dass niemand die Informationen missbraucht. "Das ist die einzige Art und Weise, wie eine Demokratie tatsächlich funktionieren kann", sagt Lanier. "Wettkämpfe unter Dritten um die Frage, wer am meisten Macht über unser Leben gewinnt, machen in einer zivilisierten Gesellschaft keinen Sinn. Das kann nur schiefgehen."

Mag sein, dass das sehr idealistisch klingt, nach weltfremder Träumerei ohne Chance, jemals wahr zu werden. Doch wer weiß - es wäre nicht die erste Revolution, die mit einem einfachen Traum beginnt.

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.