Konferenz Leweb08 Sillicon Valley in Paris

Ob Internetriese oder -Start-Up: Bei Europas größter Webkonferenz in Paris stehen sich die Unternehmen in Sachen Kreativität in nichts nach. Eine Strategie für harte Zeiten.
Von Lisa Louis, Paris

"Die Unternehmen, die sich am schnellsten an die veränderte Umwelt anpassen, überstehen die Wirtschafts-Krise am besten", sagte Eric Besson, Staatssekretär für Zukunftsfragen und Evaluierung der öffentlichen Politik beim französischen Premierminister, am zweiten und letzten Tag von Leweb08. Beispiele solcher Unternehmen gab es reichlich während der fünften Auflage von Europas größter Internetkonferenz im Nordosten von Paris.

Und sie spalteten sich in zwei Gruppen: Alteingesessene Internetgrößen wie Google und Myspace, die unter Anpassung eine Verbesserung oder Erweiterung ihrer Produkte verstehen. Und aufsteigende Webfirmen beziehungsweise Start-Up-Unternehmen, die mit ausgefallenen Ideen und Nischenstrategien aufwarten.

Marissa Mayer etwa, Vizepräsidentin von Google, begeisterte Internetfreaks mit der Nachricht, der firmeneigene Chrome-Browser sei aus dem Beta-Stadium heraus. Die für ihre Schnelligkeit bekannte Surfmaschine lässt damit die Testphase hinter sich, Google erklärt das Produkt für offiziell ausgereift.

Myspace Music in Europa

Für Freude unter den europäischen Myspace-Music-Fans sorgte Amit Kapur, leitender Geschäftsführer von Myspace: "Wir rechnen damit, dass unsere Musikseite im kommenden Jahr in Europa eingeführt wird", sagte der 27-Jährige. Auf Myspace Music können Internet-Surfer seit September Songs kostenlos anhören oder kostenpflichtig herunterladen. Bis jetzt ist die Seite jedoch nur von den USA aus zugänglich.

In welchem europäischen Land die Anwendung als erstes frei geschaltet wird, wollte Kapur nicht sagen - dazu gebe es noch zu viele offene Fragen in Sachen Urheberrechte. "Klar ist aber: Unsere Anstrengungen sind dort am höchsten, wo das größte Marktpotential bei Online-Werbeeinkünften liegt", fügte er hinzu. Und das ist nach den USA am größten in Großbritannien, Deutschland liegt auf Platz drei.

Die musikalische Vielfalt erhalten

Neben großen Unternehmen wie Myspace waren auch aufsteigende Internetfirmen bei Leweb08 - wie zum Beispiel Magnatune. Die Website bietet Musikdownloads an, im kleineren Stil: "Ich wollte eine Alternativen zu den großen Musiklabels schaffen, um die musikalische Vielfalt in der Welt zu erhalten", sagte John Buckman, Chef und Gründer des alternativen Musiklabels im Internet. So hatte sich der ehemalige Musiker vor fünfeinhalb Jahren ein etwas anderes Geschäftsmodell ausgedacht, bei dem die Einnahmen zur Hälfte mit den Künstlern geteilt werden.

Letztere sind meist wenig bekannt, spielen unter anderem elektronische und klassische Musik, Renaissance und Jazz. Die Auslese ist dabei völlig subjektiv: "Meine Frau und ich entscheiden, welche Musik uns gefällt und welche Künstler wir auf die Seite nehmen", sagte Buckman. Gerade mal zwei Prozent der Anfragen schaffen es so auf Magnatune, bis jetzt sind das 267 Bands.

Die Songs können Benutzer umsonst online hören oder kaufen. Einmal gekauft, haben Letztere das Recht, die Musik kostenlos an ihre Freunde im Netzwerk weiterzugeben. Inzwischen hat die Seite 500.000 Besucher pro Tag, das sechsköpfige Unternehmen macht Gewinn.

Noch nicht die Gewinnschwelle überschritten hat Radionomy, dessen Angebot bis jetzt auf Frankreich und das frankophone Belgien beschränkt ist. Benutzer können dabei kostenfrei auf der Website ihr eigenes Radio gründen. Das Start-Up-Unternehmen stellt einen Grundstamm an Musik zur Verfügung - bisher rund 10.000 Titel - und gewisse Teile des Programms wie die Wettervorhersage. Radiogründer können eigene Musik und Beiträge in das System einspeisen.

Anwärter auf Frankreichs Top 20

"Als Einzelner ist es sehr teuer, ein Radio aufzubauen", sagte Yves Baudechon, Mit-Gründer von Radionomy. "Aber viele kleine Sender zusammen lassen sich besser vermarkten." 1000 Radios sind bisher auf der Seite angemeldet. Für 2009 prognostiziert ihnen der ehemalige Mitarbeiter einer Werbeagentur in Belgien Hörerzahlen von insgesamt 500.000 pro Tag. "Damit rutschen wir unter die Radio Top 20 in Frankreich", meinte er begeistert.

2009 soll Radionomy außerdem weiter ausgebaut werden: Ab Anfang des Jahres sollen Benutzer übers Telefon Töne in ihr Radio einspeisen können. Dafür rufen sie eine bestimmte Nummer an, sprechen beispielsweise etwas aufs Band und können danach entscheiden, ob die Nachricht direkt ausgestrahlt wird oder erst später. Eine echte Liveschalte ist auch in Arbeit, könnte aber noch bis Mitte 2009 dauern.


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