Marion Knieper Rezepte a la Carte


"Marions Kochbuch" steht in der Gunst der Internet-Nutzer ganz weit vorne. Carsten Scheibe hat der Meisterin in die brodelnden Töpfe geschaut.

Frau Knieper, Könnten Sie uns kurz ein paar Worte zu Ihrer Person sagen?

Ich wurde 1960 in Hamburg geboren und bin dort aufgewachsen. Jetzt lebe ich mit meinem Mann und unserem Sohn in einem kleinen Dorf in der wunderschönen Lüneburger Südheide.

Kochrezeptseiten gibt es sehr viele im Internet. Die meisten verzichten auf Fotos, und die Rechtschreibung ist teilweise gruselig. Wie kommt es, dass Ihr Online-Angebot so professionell gestaltet ist?

Mein Mann ist bereits seit über 25 Jahren Hobbyfotograf und stellt deshalb sehr hohe Ansprüche an das Erscheinungsbild der Seite. Wer das Kochbuch schon länger kennt, wird sicherlich festgestellt haben, dass alte Fotos durch bessere ersetzt wurden. Aufgrund meiner damaligen Tätigkeit als Chefsekretärin in einem Hamburger Außenwirtschaftsverband bin ich in Sachen Rechtschreibung sehr sicher.

Machen Sie sich die ganze Mühe wirklich nur "ehrenamtlich"? Oder steckt ein Finanzmodell hinter Ihrer Seite?

Ja, da haben Sie schon Recht. Wir finanzieren unser Kochbuch durch Werbung, und seit Kurzem leben wir auch davon. Einen großen Konzern als Werbepartner haben wir leider noch nicht gefunden. Aber auch über einen Verlag, der unser Kochbuch als gebundene Ausgabe herausbringen würde, würden wir uns freuen.

Wie viele Rezepte haben Sie auf Ihren Seiten veröffentlicht? Wie viele Leser nutzen diesen Service eigentlich?

Wir haben zurzeit 2.173 Rezepte veröffentlicht, jeden Tag kommen zwei neue Rezepte hinzu. Pro Tag haben wir über 30.000 Leser und im Monat über fünf Millionen Seitenabrufe - mit stark steigender Tendenz.

Kochen Sie jeden Tag etwas Neues? Haben Sie eine große Familie, die von dieser Experimentierwut profitiert?

Die Hälfte der Rezepte sind neue Rezepte, die ich ausprobiere. Die andere Hälfte sind Rezepte, die bereits in diversen Kochbüchern vorhanden sind und die ich noch einmal nachkoche, um Fotos zu erstellen. Auf zwei bis drei Rezepte pro Tag komme ich leicht, da es sich nicht nur um Hauptgerichte, sondern auch um Snacks, Salate, Cocktails, Desserts oder Kuchen etc. handelt. Die beliebtesten Rezepte sind die, die sich leicht nachkochen lassen und die keine teuren oder ausgefallenen Zutaten enthalten. Aber zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel zu Weihnachten, Ostern und an Geburtstagen werden natürlich auch ausgefallene Gerichte gesucht, die ich ebenfalls im Kochbuch habe.

Was passiert mit der Seite, wenn Sie Urlaub machen? Kochen Sie vor?

Urlaub steht schon seit vielen, vielen Monaten auf unserer Wunschliste. Wir geben die Hoffnung auch nicht auf, mal eine Woche dazwischen zu schieben. Dafür haben wir natürlich einen Puffer vorgesehen, um die Zeit überbrücken zu können.

Woher beziehen Sie Ihre Anregungen für neue Rezepte? Gibt es die kochkundige Großmutter noch? Oder steuern auch die Leser schon einmal Rezepte bei?

Zunächst einmal habe ich natürlich mit meinen Familienrezepten angefangen. Später haben wir ein sehr erfolgreiches, großes Forum für Kochbegeisterte betrieben, welches wir leider aus Zeitgründen schließen mussten. Viele der Rezepte haben wir jedoch auf der Kochbuchseite verewigt. Diese Rezepte sind bereits alle erprobt und dienen mir oft als Quelle. Natürlich erhalte ich auch Rezepte von Lesern. Wer einmal in meinem Gästebuch stöbert, wird sehen, dass mein Kochbuch weltweit gelesen und genutzt wird. Gerade bei den Gerichten aus aller Welt bemühe ich mich, möglichst authentische Rezepte zu veröffentlichen.

Die Deutschen werden immer dicker. Auch durch Ihre Rezepte? Ist es möglich, lecker und gleichzeitig kalorienarm zu kochen?

Es ist unserer Meinung nach eine der großen Herausforderungen, diesem Trend entgegenzuwirken. Unser Kochbuch ist vor allem aus dem Grunde entstanden, dass wir uns selber kalorienbewußt ernähren. Daher haben alle Rezepte auch eine Kalorienangabe. Außerdem gibt es extra eine Kategorie mit Rezepten, die wenig Kalorien haben und für Diäten geeignet sind. Wichtig ist, dass man möglichst frische Zutaten wie Gemüse, Fisch, Geflügel usw. verwendet und sich immer bewusst ist, wie viele Kalorien ein Gericht hat. Das heißt, man kann auch mal ein Gericht mit mehr Kalorien zu sich nehmen und gleicht es durch ein kalorienarmes Gericht bei der nächsten Mahlzeit wieder aus.

Kochen die Eltern von heute nicht zu oft Essen aus der Dose? Ist die Zubereitung dieser Speisen wirklich so viel schneller und leichter als die Ihrer Rezepte?

Im Kochbuch habe ich extra Kategorien nach Zubereitungszeit und Schwierigkeitsgrad eingerichtet. Die Fans der Fertiggerichte und Tütensuppen sollten sich diese Werte einmal genauer anschauen, um zu erkennen, dass man auch mit einfachen Zutaten ein schmackhaftes Gericht schnell zubereiten kann.

Kann ich bei Ihnen das Kochen lernen?

In meinem Gästebuch habe ich viele dankbare Einträge von jungen Menschen, die nicht mehr im "Hotel Mama" leben und selber kochen lernen. Sie bestätigen immer wieder, dass die Rezepte so einfach und genau beschrieben sind, dass sie problemlos damit zurechtkommen. Auch hier gilt - erst einmal mit Rezepten mit einfachem Schwierigkeitsgrad anfangen, und wenn das klappt, langsam zum nächsten Schwierigkeitsgrad übergehen. Wenn dann noch Fragen offen bleiben, beantworte ich sie gerne im Gästebuch oder per E-Mail.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Möchten Sie die Seite noch ausbauen?

Wir sind schon in der glücklichen Lage, dass wir davon leben können. Da mein Mann und ich mit sehr viel Freude an unserem Kochbuch arbeiten, möchten wir im Laufe der Jahre vor allem die internationalen Rezepte weiter ausbauen, sowie die regionalen Rezepte aus Deutschland und alte Rezepte aus der Kindheit, die nicht verloren gehen sollen. Wir haben beispielsweise bereits seit mehreren Jahren vergeblich nach Kochbirnen gesucht. Inzwischen haben wir gelesen, dass diese alte Sorte leider "ausstirbt", was wir sehr schade finden. Gerade durch das Weitergeben von alten Rezepten hoffen wir, dass das Interesse auch an solchen klassischen Zutaten wieder wächst und dass somit durch verstärkte Nachfragen die Kochbirnen wieder in den Handel kommen.

Eine letzte Frage: Der Chef kommt mit seiner Frau zum Essen vorbei. Welches Gericht und welchen Nachtisch würden Sie empfehlen?

Wichtig ist, dass das Rezept vorher bereits erprobt wurde, damit man dem Besuch gelassen entgegensehen kann. Das Gericht sollte nicht zu viel Arbeit machen, damit man nicht völlig abgekämpft und gestresst ist. Auch sollte man nicht den ganzen Abend in der Küche verbringen müssen. Am besten reicht man zu einem kleinen Begrüßungsschluck (dabei unbedingt an alkoholfreie Rezepte für die Autofahrer denken!) kleine Snacks, wie sie in der Kategorie Canapées oder Crostini zu finden sind. Beim Hauptgericht sollte man sich vorher nach Vorlieben und Abneigungen erkundigen. Wenn man sich ein Thema setzt, fällt die Zusammenstellung der Gerichte leichter. Beliebt ist immer ein italienischer Abend.

Ein bis zwei Tage vorher kann man bereits Antipasti zubereiten. Vorweg empfielt es sich, einen Rucolasalat mit Feigen zu servieren. Brasato alla milanese ist ein Schmorbraten, der auch mal eine halbe Stunde länger im Ofen ruhen kann. Als Dessert würde ich z.B. Coppa di albicoche reichen und zum Abschluss vielleicht noch einen Moretto servieren.

Interview: Carsten Scheibe

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