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Microsoft und Yahoo: Verzweifeltes Ziehen an einem Strang

Yahoo und Microsoft gehen bei der Websuche nun gemeinsame Wege. Auf Basis von Microsofts Suchtechnik Bing solle "die Zukunft der Internet-Suche" angegangen werden. Ob die Nutzer ihr auf Google ausgerichtetes Suchverhalten deshalb ändern werden? Die Branche ist skeptisch.

Eineinhalb Jahre lang haben Microsoft und Yahoo Katz und Maus gespielt. Der lachende Dritte blieb Marktführer Google, der seine Position im Online-Werbemarkt weiter ausbauen konnte. Jetzt aber haben sich die beiden doch noch zusammengerauft und eine enge Zusammenarbeit bei der Internet-Suche vereinbart, dem Schlüssel für die Werbemilliarden im Netz. "Bing" soll die Zauberformel heißen, die die neuen Partner zusammenschmieden soll.

Erst Anfang Juni hat Microsoft diese neue Suchplattform als Google-Alternative eingeführt, nachdem alle Vorgänger wie MSN Search oder Live Search nicht wesentlich vorangekommen waren. Das am Mittwoch bekanntgegebene Abkommen sieht vor, dass die Web-Portale von Yahoo die bisherige eigene Suchtechnik aufgeben und Bing übernehmen. Damit erhöht sich die Reichweite der Microsoft-Technik schlagartig um alle Nutzer von Yahoo. Und Microsoft ist überzeugt, dass Bing genauso gut, wenn nicht besser ist als die Suche mit Google. "Microsoft und Yahoo wissen, dass die Internet-Suche noch so viel mehr sein kann", erklärte Microsoft-Vorstandschef Steve Ballmer. "Diese Vereinbarung gibt uns die Größe und die Mittel, um die Zukunft der Internet-Suche anzugehen."

Die erste Reaktion beim Adressaten der Partnerschaft ist Gelassenheit. "Unsere Erfahrung zeigt, dass Wettbewerb am Ende immer gut ist für die Nutzer", sagte der Hamburger Google-Sprecher Stefan Keuchel. "Wir sind gespannt darauf, mehr Einzelheiten zu dem Abkommen zu erfahren."

Branche schätzt Partnerschaft skeptisch ein

In der Internet-Branche wird die Partnerschaft von Microsoft und Yahoo allerdings eher skeptisch eingeschätzt. "Das ist der verzweifelte Versuch, einem De-Facto-Monopolisten Paroli zu bieten", sagte der Geschäftsführer des Internet-Unternehmens myON-ID, Mario Grobholz. "Diese Kooperation resultiert nicht aus einer Position der Stärke heraus." Das Abkommen sei Ergebnis der Einsicht, "dass es kaum eine Chance gibt, durch organisches Wachstum und eigene Innovationen dem Marktführer näherzukommen." Der Geschäftsführer des Internet-Startups StepMap, Ole Brandenburg, sieht die Partnerschaft ähnlich. "Yahoo schwächelt generell, und Microsoft hat im Bereich Search noch nie ein Bein auf den Boden bekommen." Eine wesentliche Änderung bei der Nutzung der Suchmaschinen sei kaum zu erwarten. "Ich wüsste nicht, warum die Leute jetzt eine andere Suchmaschine wählen sollten", erklärte der Internet-Unternehmer. "Bing ist nicht schlecht, aber ich kann keinen nennenswerten Vorteil erkennen."

Für Yahoo bringt die Kooperation vor allem Cash. Microsoft zahlt Monat für Monat, gleichzeitig fallen mit einem Schlag die immensen Ausgaben für die eigene Suchmaschine weg. "Es ist eine großartige Gelegenheit, unsere Investitionen auf andere Bereiche zu konzentrieren, die für unsere Zukunft wichtig sind", erklärte Yahoo- Chefin Carol Bartz. Denn auch im Portalgeschäft lauert große Konkurrenz - etwa das rasant wachsende Online-Netzwerk Facebook.

Das erklärt vielleicht auch die skeptische Reaktion der Anleger: Während die Microsoft-Aktie an der New Yorker Börse am Mittwoch zunächst leicht zulegte, sackte das Yahoo-Papier um zehn Prozent ab.

Das Kartellamt wartet schon

Allerdings haben die Unternehmen noch nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt. Die amerikanischen Wettbewerbshüter werden sich den Deal genauer ansehen. Prophylaktisch kündigten die beiden Partner an, bei Produkten und Geschäftszweigen außerhalb der Suche intensiv zu konkurrieren - etwa bei E-Mail-Diensten und Bannerwerbung. Zudem ist der Verhandlungsmarathon, der nach Microsofts Übernahmeangebot vor anderthalb Jahren begann, noch nicht vorbei: Die Unternehmen müssen ihre Geschäfte bündeln, IT-Systeme vereinheitlichen, Abteilungen zusammenlegen.

Mit seinem früheren Projekt PageFlakes hat Brandenburg auch einmal versucht, in einem Teilbereich in Konkurrenz zu Google zu treten und weiß: "Es ist nicht unbedingt schlau, Google in deren Kerngeschäft anzugreifen."

Keine Traumpartner

Nach Einschätzung von Grobholz haben die langen Verhandlungen zwischen Microsoft und Yahoo gezeigt, dass die beiden Unternehmen nicht unbedingt Traumpartner füreinander sind. Microsoft hatte im Februar vergangenen Jahres bis zu 47,5 Milliarden Dollar für eine Übernahme von Yahoo geboten. Nach langwierigen Verhandlungen scheiterte dieser Deal jedoch am Widerstand des Yahoo-Mitbegründers Jerry Yang. Die jetzige Yahoo-Chefin Carol Bartz hat das Abkommen mit Microsoft nach sechs Monaten unter Dach und Fach gebracht. Schon kurz nach der Übernahme des Managements machte sie klar, dass sie für "Bootsladungen von Geld" auf die Suchmaschine von Yahoo verzichten werde - solange das Unternehmen weiter Informationen über die Interessen der Nutzer erhalte. Am Mittwoch benutzte sie noch einmal den Begriff der "boatloads": "Dieses Abkommen bringt Bootsladungen von Werten für Yahoo, unsere Nutzer und die Branche, und ich bin überzeugt, dass es eine neue Ära der Internet-Innovation begründet." Innovationen sind der zentrale Faktor im Internet-Geschäft. Bisher hat da Google eindeutig die Nase vorn, wie Brandenburg feststellt: "Google hat das Internet besser verstanden und auch die Monetarisierung besser im Griff."

Peter Zschunke/AP / AP