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Zwei Millionen Dollar offen Eine Kanzlei half, Twitters Milliardendeal mit Musk zu sichern. Jetzt will er nicht dafür bezahlen

Tesla-CEO Elon Musk bei der Eröffnung der Tesla-Gigafactory in Grünheide im vergangenen März
Elon Musk bei der Eröffnung der Tesla-Gigafactory in Grünheide im vergangenen März. Er könnte die Rolles des CEO des Elektroauto-Unternehmens künftig in andere Hände geben.
© Political-Moments / Imago Images
Bis zum letzten Moment versuchte sich Elon Musk gegen seine Übernahme von Twitter zu wehren. Doch mit Hilfe von Rechtsexperten konnte sich der Kurznachrichtendienst letztlich durchsetzen. Nun klagt das Beratungsunternehmen selbst gegen Musk. 

Seit Wochen sind Elon Musk und sein Neukauf Twitter immer wieder in den Schlagzeilen. Von Massenentlassungen über den erratischen Führungsstil bis zu den finanziellen Schwierigkeiten sorgt Musks Umgang mit dem Kurznachrichtendienst immer wieder für neuen Gesprächsstoff. Daher vergisst man schnell, dass das Chaos schon vor der Übernahme begann. Nun holt Musk der eigentlich geklärte Streit wieder ein.

Die Rechtsberatung Charles River Associates (CRA) hat am Donnerstag in Boston Klage gegen Twitter eingereicht, das berichten mehrere US-Medien. Die Kanzlei wirft dem Unternehmen vor, nicht für erbrachte Rechtsberatungen gezahlt zu haben. "Twitter hat diesen Vertrag gebrochen, indem die Leistungen nicht gezahlt wurden", so die Klage. Insgesamt geht es um 2,19 Millionen Dollar (etwa 2 Millionen Euro). Das pikante Detail: Bei der Beratung ging es ausgerechnet um die Frage, ob Elon Musk Twitter nun kaufen musste oder nicht.

Musk soll Beratung gegen sich selbst bezahlen

Dass Musk Twitter wirklich übernehmen würde, war noch wenige Tage vorher alles andere als klar. Nach einer ersten Interessenbekundung im Frühjahr hatten sich der Tesla-Gründer und die frühere Unternehmensführung zwar schnell über die Übernahmebedingungen geeinigt. Musk überlegte es sich aber doch anders. Und versuchte, sich aus dem Deal zu wieseln. Letztlich wurde er von einem Gericht dazu verdonnert, das Geschäft doch abzuschließen. Und die vereinbarten 44 Milliarden Dollar auf den Tisch zu legen, die mittlerweile selbst von neutralen Beobachtern als viel zu hoher Kaufpreis erachtet werden.

Die Kanzlei, vor allem der dort arbeitende Rechtsprofessor Mark Zmijewski, hatten Twitter bei der Entscheidung unterstützt. CRA habe Recherche- und Analysearbeit beigesteuert, weitere Expertenmeinungen eingeholt und Twitters Rechtsabteilung beratend bei der Erstellung des Gegendarstellungsberichtes unterstützt, erklärt die Klage nun. Zudem habe Zmijewski als Experte im Prozess ausgesagt.

Die Twitter in Rechnung gestellten Leistungen seien aber allesamt nicht bezahlt worden. Dabei soll der Kurznachrichtendienst nicht einmal die rechtlichen Möglichkeiten zum Widerspruch gegen die Rechnungen genutzt haben. Sie wurden nach Darstellung der Kanzlei schlicht ignoriert. Das könnte nun teuer werden: CRA fordert nicht nur die in Rechnung gestellte Summe, sondern zusätzlich noch Schadensersatz. Insgesamt will die Kanzlei die doppelte bis dreifache Summe der offenen Forderungen einklagen.

Nicht die erste unbezahlte Rechnung

Auch wenn man nun den Eindruck gewinnen kann, dass Musk nicht für die Anwälte bezahlen möchte, die ihm den 44-Milliarden-Dollar-Kauf eingebrockt haben: Es ist längst nicht gesagt, dass der neue Twitter-Eigentümer von den Rechnungen auch nur weiß. Dass sie nicht gezahlt wurden, dürfte allerdings durchaus mit Anweisungen Musks zu tun haben. Weil Twitter unter Musk finanziell erheblich schlechter da steht als vorher (Details erfahren Sie hier), musste Musk zu teils drastischen Maßnahmen greifen. Neben Massenentlassungen setzte er auch auf eine rechtlich reichlich fragwürdige Strategie: Und wies die Finanzabteilung an, Rechnungen über Reisen, Rechtsberatungen und sogar die Miete einfach nicht zu bezahlen (hier erfahren Sie mehr).

Die Folgen dürften Musk in den kommenden Wochen zunehmend einholen. Nicht nur klagen neben CRA auch immer mehr andere Firmen wegen der unbeglichenen Zahlungsforderungen. Twitter hat im ersten Quartal unter Musk auch ein Viertel seiner erwarteten Umsätze verloren. Musk hatte ähnliches offenbar bereits befürchtet: Schon im November hatte er vor Angestellten verkündet, dass er eine Insolvenz Twitters nicht ausschließen kann.

Quellen:Klageschrift (via Ars Technica), Bloomberg

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