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Nervige Verbesserungen: Für dieses Produkt ist ein Update verfügbar

Kaum ein Gerät kommt heutzutage ohne Updates aus. Doch nicht immer sind die "Verbesserungen" für den Kunden von Vorteil - etwa wenn der Drucker plötzlich nur noch originale Patronen akzeptiert.

Von Nora Schlüter

Immer mehr Hersteller setzen auf nachträgliche Updates

Immer mehr Hersteller setzen auf nachträgliche Updates

Doc Casualty" ist sauer. Als "schamlose Gier der Konzerne" bezeichnet er im Forum der Internetseite dslreports.com, was Lexmark da mit seinem Drucker gemacht hat. Nach dem letzten Software-Update frisst das Gerät nur noch die teuren Originalpatronen des Herstellers. Klar, der Doc hatte vor Installation das Kleingedruckte nicht gelesen. Aber wer macht das schon? Lieber gleich die Finger von Updates lassen, empfehlen die Forumskollegen: "Wenn es nicht kaputt ist, dann repariere es nicht."

Nicht nur Handys und Rechner, auch Digitalkameras, Fernseher, Autos oder Waschmaschinen werden von zunehmend komplexer Software gesteuert. Fast jedes Gerät bekommt im Laufe seines Lebens Updates verpasst. Die Softwarepakete sollen nicht nur jene Kunden zufriedenstellen, die von technischen Geräten ständig neue Funktionen erwarten. Sie merzen auch Programmierfehler aus. Doch manches Update produziert statt der erhofften Fortschritte neue Softwaremacken - oder schränkt die Freiheit des Nutzers ein.

Eine Frage der Balance

"Wichtig ist, die richtige Balance finden", sagt Carolina Milanesi, Analystin beim IT-Forscher Gartner. Die Kunden sind anspruchsvoll, besonders bei Unterhaltungselektronik: Sie wollen Verbesserungen, aber nicht mit nervtötender Häufigkeit. Sie wollen, dass neue Geräte schnell auf den Markt kommen - aber nicht mit unausgereifter Firmware, die später mit Updates aufgepäppelt wird. Gerade bei neuen Geräteklassen wie den Tablet-Rechnern werfen Hersteller ihre Modelle hektisch auf den Markt, um der Konkurrenz die Kunden wegzuschnappen. Softwaremängel werden in Kauf genommen. Man kann sie ja einfach später beheben - eine Herangehensweise, die nach Ansicht von Milanesi zunehmen wird.

Auf dem Tablet-Markt finden sich Verfehlungen jedes Schweregrads: Beim Motorola Xoom war der Steckplatz für die SD-Speicherkarte nicht aktiviert. Der Blackberry-Hersteller Research in Motion, dessen Playbook im Juli in Deutschland erhältlich sein wird, musste wegen einer Softwaremacke 1000 Geräte zurückrufen. Als im Sommer 2010 das Wetab der Münchener Firma 4tiitoo auf den Markt kam, funktionierte nicht einmal die Berührungssteuerung richtig. Seitdem gab es neun große und zahlreiche kleine Updates. Zufrieden stellten sie die Wetab-Besitzer nicht, glaubt man den Kommentaren auf der Facebook-Seite. Als "Beleidigung für uns User" bezeichnet ein Nutzer die aktuelle Firmwareversion von Ende April.

"Grundsätzlich ist ein Geschäftsmodell denkbar"

Auch für Smartphonehersteller sind Updates ein Balanceakt. Ältere Modelle können dank frischer Software eine Weile mit brandneuen Geräten konkurrieren. Doch je vielseitiger die Programme werden, desto schwieriger ist es, sie fehlerfrei zu schreiben. Das erste Paket zur Fehlerbeseitigung gibt es meist wenige Wochen nach Verkaufsstart. "Die neue Herausforderung ist: Je mehr Smartphones zum Mainstream werden, desto mehr Kunden gibt es auch, die Updates als Belastung sehen", sagt Christof Fromm, der bei LG Deutschland das Produktmarketing verantwortet. Halbgare Produkte auf den Markt zu werfen könne man sich aber nicht leisten, sagt sein Kollege Ingo Klesing, Manager für Technik und Support in LGs Mobilfunksparte. "Man steht unter externer Beobachtung durch die Netzbetreiber." Die testen alle Updates für ihre Kunden. Grobe Fehler nehmen sie übel.

Bei der heimischen Haushaltselektronik können bisher nur Techniker Firmware-Updates aufspielen. Frische Software bekommt ein Gerät höchstens, wenn es hakt. Doch die Zeiten ändern sich: "Grundsätzlich ist ein Geschäftsmodell denkbar, wo man den Kunden Updates anbieten kann", sagt Eduard Sailer, Geschäftsführer bei Miele. Wer etwa möchte, dass seine Waschmaschine bei niedrigeren Temperaturen wäscht, könnte im Netz eine kostenpflichtige Software herunterladen und selbst aufspielen. Allerdings müsse die Technik kundensicher sein, sagt Sailer: Wird der Updatevorgang unterbrochen, darf die Maschine nicht abstürzen.

Für die Autohersteller ist solch ein Geschäftsmodell keine Alternative: Geht hier ein Update schief, kann das lebensgefährlich sein. Nicht nur Navigationsgerät und Unterhaltungselektronik, auch Motor und Assistenzsysteme werden von Software kontrolliert. Updates für die Steuerungselektronik gibt es daher nur in der Werkstatt und nur wenn nötig. Bastelt man selbst an der Software herum - etwa, um die Geschwindigkeitsbegrenzung zu knacken -, verliert der Wagen auf der Stelle Versicherungsschutz und Betriebserlaubnis.

FTD