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Teures Drucken: So wehren Sie sich gegen die Tinten-Abzocke

Drucker, die schon im Leerlauf teure Tinte vergeuden, ärgern die Verbraucher. Wir zeigen Ihnen, wie Sie trotzdem preiswert drucken können. 

Teuer drucken muss nicht sein: Obwohl die Hersteller viele Steine in den Weg legen, kann man mit ein paar Tricks die Kosten senken.

Teuer drucken muss nicht sein: Obwohl die Hersteller viele Steine in den Weg legen, kann man mit ein paar Tricks die Kosten senken.

Seit Jahren ist bekannt, dass die Hersteller von Tintenstrahldruckern bei den Tintenpatronen gewaltig hinlangen. Nun hat die Stiftung Warentest eine dreiste Abzockmasche entdeckt. Denn auch mit der Reinigung des Druckkopfes lässt sich Geld verdienen. Damit die feinen Kanäle im Druckkopf nicht verstopfen, wird der Kopf regelmäßig durchgespült. Dabei wird teure Tinte verbraucht. Bei einigen Herstellern herrscht das Motto: Viel kostet viel. Ihre Drucker verbrauchen allein für die Wartung Tinte im Wert von zehn Euro innerhalb von sechs Wochen.

Wie kann sich der Verbraucher wehren? Bei Neukauf eines Geräts sollte er ein sparsames Gerät aus dem Test aussuchen. Aber ein Problem bleibt: Die orginalen Patronen sind unglaublich teuer.

Druckertinte, so behaupten böse Zungen, sei eine der teuersten Flüssigkeiten der Welt. Unrecht haben sie nicht: Hochgerechnet auf einen Liter kostet das Druckerelixier bis zu 2000 Euro je Liter. Damit platziert sich die teure Tinte irgendwo zwischen Rosenöl (10.000 Euro) und einem mit Swarovski-Kristallen verzierten Champagner (1700 Euro).

Wer nur ab und zu ein Urlaubsfoto druckt, kann die hohen Kosten unter Umständen noch verschmerzen. Bei Kosten von 20 Cent pro Seite - und das ist für günstige Tintenstrahldrucker nicht ungewöhnlich - summiert sich bei Vieldruckern aber schnell eine stattliche Summe. Deshalb bevorzugen viele Nutzer statt der teuren Originalpatronen günstigere Nachbauten aus dem Internet. Bis zu 90 Prozent Ersparnis versprechen die Händler, selbstverständlich bei gleichbleibender Qualität. 

Schwankende Qualität

Die nachgebauten Patronen sind häufig nicht nur voller als die Tanks der Hersteller, sondern auch billiger. Laut Tests von Fachmagazinen wird der günstigere Preis häufig mit Einsparungen bei der Qualität erkauft. Viele Ersatzpatronen versagten in Tests: Mal war die Tinte sehr schmieranfällig, andere verursachten sichtbare Raster oder hatten einen starken Rot- oder Grünstich. Nur den wenigsten Nachahmern gelang ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Auch in punkto Lichtbeständigkeit überzeugten nur wenige Nachahmerprodukte, rund die Hälfte der Bilder war schon nach kurzer Zeit verblasst. Zudem trocknet Alternativtinte in der Patrone schneller ein. Deshalb empfiehlt sich regelmäßiges Drucken, um lange Standzeiten zu vermeiden. Auch ein monatlicher Düsentest (zu finden in den Druckereinstellungen) ist zu empfehlen.

Eine Druckerpatrone ist nicht einfach nur ein Tank für Tinte - dank Computerchip und Co. kommuniziert sie mit dem Drucker, um Fälschungen zu blockieren.

Eine Druckerpatrone ist nicht einfach nur ein Tank für Tinte - dank Computerchip und Co. kommuniziert sie mit dem Drucker, um Fälschungen zu blockieren.

Kopierschutz im Drucker

Vor dem Kauf sollte man nach Erfahrungsberichten mit dem Produkt suchen. Denn es kann auch passieren, dass die Patronen gar nicht erst funktionieren: Denn häufig passen die Billig-Nachbauten zwar in den vorgesehenen Steckplatz, versagen aber den Dienst. Entweder wird der Tintentank als leer angezeigt oder der Drucker erkennt die neue Patrone nicht. Das liegt aber nicht am falschen Einbau, sondern an den zahlreichen Fallstricken, die Hersteller in ihre Geräte einbauen. Um das lukrative Geschäft nicht kampflos günstigeren Fremdherstellern zu überlassen, werden die Sicherheitssysteme in Druckern ständig verändert.

Canon beispielsweise stattet seine Geräte mit intelligenten Chips aus, die erkennen, wenn eine Patrone wiederaufgefüllt wurde - um sie dann zu ignorieren. Um dennoch drucken zu können, benötigt man zusätzlich noch einen Chip-Resetter: Das um die zehn Euro teure Gadget verändert die Informationen auf dem Chip, sodass die Patrone wieder als voll erkannt wird.

In einigen Fällen reicht aber nicht einmal das Manipulieren der Chips. Bei neueren Patronen der Marke Brother ist an der Vorderseite, die in den Drucker geführt wird, ein kleiner Bügel montiert. Jedes Mal, wenn die Patrone entfernt oder eingesetzt wird, unterbricht der Bügel eine in den Drucker installierte Lichtschranke. Das Gerät weiß, dass ein Austausch stattgefunden hat. Um solch einen Kopierschutz auszuhebeln, müssen sich die Hersteller von Ersatzpatronen immer wieder neue Umgehungsmaßnahmen überlegen.

Mit wenigen Tricks können Sie beim Drucken bares Geld sparen.

Mit wenigen Tricks können Sie beim Drucken bares Geld sparen.

Tipps zum günstigeren Drucken

Grundsätzlich können sich Käufer zwischen drei verschiedenen Patronen entscheiden: nachgebaute, recycelte oder selbst befüllte Patronen.

Nachbauten kommen oft aus dem Ausland und schwanken stark in der Qualität, sie sind dafür sehr billig. Sechs komplette Nachfüllsätze werden zum halben Preis des Orginal-Sets angeboten. Findet man einen Hersteller mit guter Qualität, ist der Nachbau die beste Alternative. Hersteller versuchen sich mit patentrechtlich geschützten Kartuschen abzusichern. In vielen Ländern sind solche Methoden, die die Verbraucher einseitig benachteiligen, nicht erlaubt. Wer etwas länger sucht, sollte daher die passenden Patronen für sein Gerät finden.

Andere Tintenanbieter kaufen gebrauchte Tintentanks auf und befüllen sie wieder umständlich. Gegebenenfalls hilft ein Chip-Resetter, die Patrone wieder einsatzfähig zu machen. Allerdings ist bei solchen Patronen das Einsparpotenzial geringer, mehr als die Hälfte des Originalpreises wird aber selten fällig. Doch nicht alle Patronen eignen sich für jedes Gerät. Lesen Sie deshalb aufmerksam die Beschreibung, im Zweifelsfall fragen Sie den Anbieter, ob das jeweilige Gerät unterstützt wird. Vor allem neue Drucker sind empfindlich und funktionieren nicht immer mit recycelten Patronen.

Druckerpatrone selbst befüllen

Fast so billig wie Asien-Nachbauten ist das manuelle Befüllen der Patrone. Mit speziellen Wiederbefüllungssets können die Patronen preiswert aufgefüllt werden. Aber Vorsicht: Je mehr Sperren der Hersteller eingebaut hat, umso aufwändiger wird die Prozedur. Etwas handwerkliches Geschick sollten Sie aber mitbringen: Um die Farbe in die normalerweise gut verschlossene Patrone zu bekommen, muss möglicherweise mit einem kleinen Handbohrer gebohrt werden. Doch Vorsicht: Tintenflecken lassen sich nur schwer aus Kleidung entfernen. Legen Sie deshalb den Arbeitsplatz sicherheitshalber mit Zeitung aus und tragen Sie Handschuhe.

Bequemer sind sogenannte Druckertankstellen: Dabei bringen Sie Ihre leere Patrone in eine der Filialen und lassen sie gegen eine Gebühr wieder auffüllen. Bestehen Sie unbedingt auf einen Testdruck! Sind Sie mit der Qualität nicht zufrieden, verlangen Sie das Geld zurück.

Keine Frage der Garantie

Auch wenn Sie nachgebaute Patronen benutzen, behalten Sie ihre Garantie, egal was Händler oder der Service-Mitarbeiter behaupten. Dass Probleme durch eine nicht-zertifizierte Tintenpatrone ausgelöst wurden, muss der Hersteller erst einmal nachweisen. Kann er das nicht, muss das Gerät repariert oder ausgetauscht werden. Anders sieht es aus, wenn sie ihre Tintenpatronen selbst befüllen: Entstehen dadurch Schäden am Drucker, beispielsweise durch ausgelaufene Tinte, erlischt die Garantie.

Tintenstrahldrucker nie vom Netz trennen

Hängt Ihr Tintenstrahldrucker an einer an- und ausschaltbaren Stromsteckerleiste? Dann sollten Sie darauf achten, den Drucker nicht über den Kippschalter der Leiste auszuschalten, sondern stets über den Knopf am Gerät. Denn: Wird der Drucker vom Stromnetz getrennt, fährt der Druckkopf nicht in die Parkposition zurück und die Tinte trocknet ein. Beim Anschalten beginnt er seine Arbeit dann jedesmal mit dem großen Reinigungsprogramm der Düsen, wodurch mehr Tinte verbraucht wird. Außerdem wird der eingebaute Auffangbehälter für Reinigungstinte immer voller, bis der Drucker unter Umständen den Dienst quittiert.

Reicht der Entwurf?

Nicht jedes Dokument muss in bestmöglicher Qualität ausgedruckt werden. Häufig reicht auch der Entwurfmodus - vor allem bei Text sind die Unterschiede nur minimal. Außerdem sparen Sie eine Menge Zeit.

Um einen Entwurf zu drucken, wählen Sie in den Druckoptionen im Treibermenü den Reiter "Druckqualität". Dort finden sie in der Regel viele Auswahlmöglichkeiten - von Hochglanz bis Entwurf.

Laserdrucker rechnen sich

Wer viel druckt, sollte sich möglicherweise nach einem neuen Gerät umsehen: Der Drucker zum Schnäppchenpreis aus dem Discounter sollte nicht die erste Wahl sein, da die Kosten für Kartuschen den Anschaffungspreis häufig um ein Vielfaches überschreiten. Informieren Sie sich stattdessen über sparsame Geräte oder kaufen Sie einen Laserdrucker. Die kosten zwar wesentlich mehr, doch deren Toner trocknen nicht ein und eine Kartusche reicht für bis zu 1500 Seiten. Aber auch hier gilt: Vorsicht bei Geräten, die zu Spottpreisen verramscht werden. Häufig sind die Toner dann nämlich umso teurer.

Christoph Fröhlich