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Weltweites Problem Amazon versucht, Betrugsmasche mit mysteriösen Samenpaketen einzudämmen

Päckchen mit Pflanzensamen
Die mit Pflanzensamen gefüllten Päckchen wurden inzwischen aus allen US-Bundesstaaten gemeldet
© Washington State Department of Agriculture
Weltweit erhalten Menschen ungefragt Pflanzensamen mit der Post. Dahinter steckt offenbar eine skurrile Betrugsmasche. Amazon versucht, das Problem einzudämmen.

Es ist fraglos eine der skurrilsten Betrugsmaschen der letzten Jahre: Erst berichteten nur einzelne Personen in den USA, dass sie kleine, teils versiegelte Tütchen mit Pflanzensamen in ihrer Post entdeckt hatten. Doch dann mehrten sich gleichlautende Meldungen aus immer mehr Ländern, unter anderem aus Großbritannien und sogar aus Deutschland. Meist stammten die Sendungen aus China.

Mittlerweile sind die ungefragt verschickten Samen-Lieferungen solch ein Problem, dass der Onlinehändler Amazon nun die Reißleine gezogen und - zumindest in den USA - für ausländische Verkäufer den Verkauf von Samen eingeschränkt hat. Das berichten übereinstimmend die Nachrichtenagentur "Reuters" und das "Wall Street Journal".

Demnach dürfen künftig ausschließlich Händler aus dem Inland Pflanzensamen verkaufen. Ein Verstoß gegen diese Richtlinie kann die Sperrung des Händler-Accounts zur Folge haben. Laut Amazons Policy-Webseite erstreckt sich das Verbot auf Pflanzen und Pflanzenprodukte. Ob diese Maßnahme das Problem wirklich eindämmen kann, wird sich zeigen.

Samen für Fake-Bewertungen

Laut Angaben von US-Behörden handelt es sich bei der Masche um einen sogenannten "brushing-Scam". Dabei legen sich die Betrüger, das sind in der Regel Drittanbieter eines Produkts, zunächst unter dem Namen des späteren Empfängers bei populären Handelsplattformen wie Amazon oder Ebay ein Konto an. Anschließend wird mit dem Account jene Ware bestellt, die dann an den ahnungslosen Empfänger verschickt wird.

Doch wozu der ganze Aufwand? Bei vielen Plattformen kann eine Produktbewertung ausschließlich nach erfolgter Auslieferung abgegeben werden. Auf diese Weise können die Betrüger sich im Namen des Betrogenen Fünf-Sterne-Bewertungen geben und so den Eindruck erwecken, dass es sich um einen besonders zuverlässigen und glaubwürdigen Anbieter handelt. Das wiederum kurbelt den Verkauf an, schließlich sind die Zahl der Kundenbewertungen und die durchschnittlichen Sterne für die meisten Nutzer zwei maßgebliche Faktoren fürs Online-Shopping.

Für Kriminelle besonders interessant: Die Fake-Bewertungen können für jedes Produkt abgegeben werden, unabhängig davon, welchen Artikel der Empfänger tatsächlich erhalten hat.

Samen bitte nicht einpflanzen

Im Übrigen warnen Behörden in mehreren Ländern davor, unbekannte Samen aus dem Ausland in den heimischen Garten oder auf dem Balkon einzupflanzen. Denn im schlimmsten Fall können Pflanzensamen von nicht-heimischen Gattungen das komplette Ökosystem eines Gebiets durcheinanderbringen. 

Das deutsche Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) rät ebenfalls davon ab, die Samen einzupflanzen und diese "möglichst im Hausmüll zu entsorgen, also auch nicht über den Kompost oder die Biotonne." Denn es besteht nicht nur die Gefahr der Ausbreitung einer invasiven Pflanzenart, womöglich befinden sich im Saatgut auch Pilze, Bakterien oder Viren, die in Europa als Quarantäneschadorganismen eingestuft sind und deren Einschleppung unbedingt verhindert werden soll.

Quellen:Reuters, JKI

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