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Foldable Motorola Razr 5G im Test: Klappe, die zweite

Klappt gut: das Motorola Razr 5G
Klappt gut: das Motorola Razr 5G
© Christoph Fröhlich/stern
Das Motorola Razr 5G soll ein Retro-Gefühl mit moderner Technik verbinden - und zwar zum Preis von 1500 Euro. Ob das im Alltag funktioniert, verrät unser Test.

Smartphones sind die Schaltzentrale unseres Alltags: Wir nutzen sie als Familienkalender und als Zeitvertreib beim Warten auf den Bus. Wir kaufen auf ihnen digitale Fahrscheine und machen damit Urlaubsschnappschüsse. Und je größer der Bildschirm, desto komfortabler lassen sich diese Dinge erledigen. Dass viele der modernen Telefone gerade noch so in Hosentaschen passen, lässt sich vielleicht noch verschmerzen. Doch mit kleinen Händen gerät man bei den Technik-Brocken schnell an seine Grenzen.

Deshalb gelten faltbare Smartphones - sogenannte Foldables - in der Branche als die Zukunft des Telefons. Sie sollen das Dilemma lösen, indem sich die riesigen Bildschirme zusammenklappen lassen. Das galt vor einigen Jahren noch als Science-Fiction, ist nach einigen Kinderkrankheiten aber mittlerweile serienreife Technologie. Vorangetrieben wurde sie maßgeblich von Huawei und Samsung, mittlerweile mischen aber auch andere Unternehmen mit.

Razr 5G: Motorola lockt mit Retro-Charme

Eines von ihnen ist Motorola. Das US-amerikanische Unternehmen, welches 2014 von Lenovo gekauft wurde, versucht die moderne Technik mit einem "Weißt du noch, damals"-Gefühl massenkompatibel machen: Im vergangenen Jahr sorgte der Start eines neuen Motorla Razr für Aufsehen, das auf den ersten Blick aussieht wie das ikonische Razr V3, welches kurz nach der Jahrtausendwende zum Bestseller wurde. Nun gibt es eine neue Version, die mit 1500 Euro jedoch doppelt so teuer ist als das Original aus dem Jahr 2004.

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Das Scharnier ist ziemlich robust
Das Scharnier ist ziemlich robust
© Christoph Fröhlich/stern

Wie das Original lässt sich auch das neue Spitzen-Smartphone horizontal wie eine Muschel aufklappen. Das geht zwar nicht mehr so schwungvoll mit einer Hand wie damals, dafür ist die Scharnier-Konstruktion zu dick und robust. Doch sobald sich der Bildschirm über die volle, 6,2 Zoll messende Diagonale erstreckt, sind einem die Blicke auf jeder Party sicher. Da es sich um ein OLED-Panel handelt, punktet der Bildschirm mit guten Kontrasten, tiefen Schwarztönen und kräftigen Farben.

Das Razr 5G ist fraglos ein Hingucker. Beinahe jede*r ist erst einmal baff, dass sich das Display eines Smartphones ein- und ausklappen lässt und man im ausgestreckten Zustand keinen sichtbaren Knick sieht. Mindestens drei-, viermal wollen alle das ausprobieren. Dem Hersteller zufolge ist das kein Problem: Mindestens 200.000 Faltvorgänge soll der Faltmechanismus überstehen. Klappt man sein Telefon also viermal pro Stunde zwischen 6 und 22 Uhr auf (64-mal pro Tag), kommt man rund 3100 Tage oder umgerechnet 8,5 Jahre hin. Mindestens.

Im ausgeklappten Zustand erstreckt sich das Display des Moto Razr 5G über 6,2 Zoll.
Im ausgeklappten Zustand erstreckt sich das Display des Moto Razr 5G über 6,2 Zoll.
© Christoph Fröhlich/stern

Was kann der Außenbildschirm?

Damit man das Falt-Phone nicht jedes Mal aufklappen muss, befindet sich auf der Außenseite des Moto Razr 5G ein Mini-Display. Trotz der bescheidenen Größe von 2,7 Zoll kann man dort einige Dinge erledigen, etwa eingehende Nachrichten lesen oder Videotelefonate durchführen. Zwar laufen auch weitere Apps darauf. Dass jemand aber Youtube-Videos im Mäusekino schaut, darf bezweifelt werden. Immerhin ist der XXL-Screen nur einen Aufklapp-Vorgang entfernt.

Im zusammengeklappten Zustand ist das Telefon sehr kompakt (Maße: 91 x 73 x 16 Millimeter) und passt selbst in die kleinste Ecke der Handtasche. Die Handlichkeit ist der eigentliche Pluspunkt der Faltkonstruktion, wenn man sie denn braucht. Das Razr 5G ist aber auch rutschig, deshalb sollte der vorsichtige Umgang mit dem Smartphone kein nachträglicher Gedanke sein.

Entsperrt wird das Moto Razr 5G mit einem Fingerabdruckscanner, der tadellos funktioniert, aber leider nicht an der idealen Stelle untergebracht ist. Ich hatte im Laufe des Tests zumindest einige Male Mühe, den Scanner zu treffen und dabei das Telefon nicht aus der Hand fallen zu lassen. Als Alternative gibt es einen Gesichts-Scanner, der zwar nicht so sicher, aber komfortabler in der Nutzung ist.

Foldable: Motorola Razr 5G im Test: Klappe, die zweite
© Christoph Fröhlich/stern

5G und kein taufrischer Prozessor

Das Moto Razr 5G unterstützt - der Name macht es bereits mehr als deutlich - den neuen Mobilfunkstandard 5G. Der bietet, den passenden Tarif vorausgesetzt, unter Idealbedingungen deutlich schnellere Download- und Upload-Speeds und minimalste Verzögerungen. Gut zu wissen: Das Motorola-Smartphone unterstützt auch die neuen 5G-Frequenzen um 2.100 und 700 Megahertz, die vor allem in Deutschland genutzt werden. Im Gegensatz zum Razr von 2019 besitzt das 5G-Modell nun nicht nur eine eSIM, sondern auch einen physischen SIM-Karten-Steckplatz.

Abgesehen vom innovativen Falt-Mechanismus und der 5G-Unterstützung handelt es sich beim Moto Razr 5G jedoch um ein normales Smartphone der gehobenen Mittelklasse. Als Betriebssystem setzt Motorola auf Android 10 mit leichten Anpassungen, ein Update auf Android 11 ist angekündigt. Der Speicher ist mit 256 Gigabyte üppig, jedoch nicht erweiterbar. Der Lautsprecher an der Unterseite klingt bestenfalls mittelmäßig.

Der Chip vom Typ Snapdragon 765 reicht für Alltagsdienste wie Netflix und Surfen vollkommen aus. Allerdings bieten andere Smartphones für weniger Geld bereits modernere und effizientere Prozessoren. Schade, dass Motorola hier nicht den aktuellsten Chip eingebaut hat. Die Akkulaufzeit ist in Ordnung, mit durchschnittlicher Nutzung schafft man es durch den Tag. In etwas unter zwei Stunden ist das Telefon mit dem mitgelieferten 18-Watt-Netzteil wieder aufgeladen.

Das Mini-Display wird zum Kamera-Sucher
Das Mini-Display wird zum Kamera-Sucher
© Christoph Fröhlich/stern

Kamera nicht erste Liga

Während die Konkurrenz auf riesige Kamera-Riegel mit drei und mehr Linsen setzt, steckt im Razr 5G eine einzige Hauptkamera. Diese macht gute, wenn auch keine herausragenden Fotos mit einer Auflösung von 12 Megapixeln. Die Bilder sind detailreich, vor allem bei Tageslicht. Bei schummrigem Licht gerät die Kamera jedoch schnell an ihre Grenzen, die Farben sind dann meist zu grell. Auch hier machen andere Smartphones für weniger Geld eine bessere Figur.

Hinzu kommt: Die Kamera ist nicht ansatzweise so vielseitig wie bei Huawei, Samsung oder Apple. Eine Ultraweitwinkel-Linse oder optische Zooms gibt es hier nicht. Die Hauptkamera filmt in 4K, die Qualität bleibt jedoch hinter den Fotos zurück.

Die Frontkamera ist ein deutliches Upgrade verglichen mit der ersten Generation des Telefons. Allerdings ist es ratsam, das Telefon zusammenzufalten und die Hauptkamera für Selfies zu verwenden, da die Bilder in jeder Hinsicht besser sind. Die Selfie-Cam eignet sich eher für Videotelefonate, allerdings ist hier bei Full-HD (1080p) Schluss.

Foldable: Motorola Razr 5G im Test: Klappe, die zweite
© Christoph Fröhlich/stern

Moto Razr 5G: Spannendes Konzept mit Kompromissen

Das Motorola Razr 5G ist ein spannendes Telefon, das vor allem mit seinem Formfaktor die Blicke auf sich zieht. Die Kombination aus kleinen Außen- und großem Innenbildschirm funktioniert im Alltag gut. Allerdings muss man einige Kompromisse in puncto Performance und Kamera eingehen, weshalb ich das Gerät für den Preis von 1500 Euro nicht empfehlen kann. Für die meisten Nutzer dürfte die Produktkategorie der Klapp-Phones wohl erst relevant werden, wenn sie die Preisgrenze von 1000 Euro unterschreitet.

Motorola hat beim zweiten Razr zahlreiche Schwachstellen der ersten Generation ausgebügelt, sodass man gespannt auf die (hoffentlich kommende) dritte Generation blicken kann. Klapp-Phones machen Lust auf die Zukunft, aktuell fühlen sie sich jedoch immer noch an wie fortgeschrittene Konzeptstudien, die noch nicht bereit für die Primetime sind.

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