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Streaming: Noch mehr und schneller Serien gucken – Netflix bietet Turbo-Tempo an

Einige Beta-Tester haben auf ihrer Netflix-App eine neue Funktion entdeckt: Bisher musste jeder Film im originalen Tempo angesehen werden, nun können die User die Geschwindigkeit selbst bestimmen.

Der Netflix-Film "The Irishman" ist eigentlich 3,5 Stunden lang - da ist die Versuchung groß, die Sache etwas schneller zu Ende zu bringen.

Der Netflix-Film "The Irishman" ist eigentlich 3,5 Stunden lang - da ist die Versuchung groß, die Sache etwas schneller zu Ende zu bringen.

Auf der App von Netflix kündigt sich eine Veränderung an. Der User muss den Film nicht mehr mit der Geschwindigkeit ansehen, die Schauspieler und Produzenten vorgesehen haben. Er darf Gas geben und könnte so eine Folge der 45 -Minuten-Klasse auf die Länge von etwa einer halben Stunden runterdrücken. Dann hätte er immerhin 15 Minuten gespart.

Keine Kurz-Zusammenfassung

Die Bandbreite reicht dabei von halber Geschwindigkeit bis hin zu 150 Prozent. Die Entscheidung mutet zunächst merkwürdig an: Denn es handelt sich nicht um einen Schnelldurchlauf, der einzelnen Filme zu Schlüsselszenen verdichtet. Damit könnte man eine verpasste Folge oder Staffel schnell durchsehen, um sich auf Stand zu bringen.

Das wäre ein echter Mehrwert, doch dafür reicht eine Geschwindigkeit von 150 Prozent nicht aus. Hier kann die Serie nur "normal" geschaut werden – mit einer leichten Differenz der Geschwindigkeit. Dabei wird die Tonhöhe automatisch angepasst, damit der Film nicht zur piepsigen Slapsticknummer wird. Die Maßnahme wird aber kaum verhindern, dass ein mit halber Geschwindigkeit abgefahrener Dialog sehr einschläfernd wirkt.

Eigentlich eine gängige Funktion

Andere freie Player, wie etwa die weitverbreiteten Apps VLC und Kodi, unterstützen diese und noch weitgehendere Funktionen schon seit jeher. Doch mit diesen Programmen lassen sich auch selbst gemachte Filme und Raubkopien abspielen. Dort kommt es immer wieder zu Problemen mit der Abspielgeschwindigkeit. Bei VLC und Kodi dürften die meisten User diese Funktion daher dazu nutzen, einen fehlerhaft codierten Film nachträglich zu korrigieren, damit sie ihn in der richtigen Geschwindigkeit sehen können. Ein Problem, dass es bei originalen Netflixinhalten nicht gibt.

Android Police, die zuerst über die Funktion berichteten, weist allerdings darauf hin, dass es Kundengruppen gäbe, die sich nicht um die Qualität scheren und die Sendungen lieber schnell weg konsumieren wollen. Die User waren von dem Gimmick angetan. Produzenten Schauspieler und Regisseure dagegen entsetzt. Sie erschreckte die Vorstellung, dass User unter Zeitdruck ihre Kunstwerke im Schnelldurchlauf konsumieren könnten. Für einen Schauspieler ist das sicher keine schöne Vorstellung, dass die Performance, für die er lange gearbeitet hat, per Knopfdruck in ein wildes Gezappel verwandelt wird.

In einem Statement hat Netflix klargestellt, dass die Steuerung der Wiedergabegeschwindigkeit ein Teil eines Tests von neuen Funktionen ist. Netflix sagte aber auch, dass die Voreinstellung alle Inhalte die normale Geschwindigkeit sei, und die User aktiv werden müssen, um sie zu verändern. Netflix erinnerte auch daran, dass jeder DVD-Player und alle freien Player über derartige Funktionen verfügen. Und die gibt es seit Jahrzehnten, haben aber auch nicht dazu beigetragen, dass die Betrachter filmische Meisterwerke im Turbogang betrachten würden.

Quelle: Android Police

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